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Nürnberg: Schwestern verkaufen seit 50 Jahren Bücher | BR24

© BR/Birgitt Roßhirt

Ingrid Sauer und Ilse Arold von der Buchhandlung Frenkel in Nürnberg

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    Nürnberg: Schwestern verkaufen seit 50 Jahren Bücher

    Seit 50 Jahren betreiben die Schwestern Ingrid Sauer und Ilse Arold eine Buchhandlung am Nürnberger Plärrer. Dort finden die Kunden ein buntes Sortiment: vom afrikanischen Kochbuch bis zum Krimi. Die Kundschaft ist den beiden seit Jahrzehnten treu.

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    Der Vater hat bereits den Grundstein gelegt für ihre lebenslange Bücher-Leidenschaft, glaubt Ingrid Sauer. Schon als Kinder, so erzählt sie, habe der Vater zu Geburtstagen oder Weihnachten Bücher geschenkt. "Und das hat sich halt eingeprägt, so dass wir bücherverrückt geworden sind", meint Sauer.

    Bücher ein Leben lang als Begleiter

    Man sieht es den beiden Schwestern nicht an, aber sie sind bereits 78 und 82 Jahre alt. Die ältere Schwester, Ilse Arold, ergänzt: "Für mich war das klar, dass ich das mache. Das ist mein Lieblingsjob und das ist mein Baby hier". Ilse Arold hatte in der Buchhandlung Frenkel am Nürnberger Plärrer ihre Ausbildung gemacht. Als das Geschäft zum Verkauf stand, war für sie klar: diesen Laden muss ich übernehmen. Sie fragte ihre Schwester und bekam ein begeistertes Ja. Die eine kannte sich im Buchhandel aus, die andere hatte eine kaufmännische Ausbildung, und beide liebten sie Bücher.

    Ehemänner geben Startkapital, die Arbeit machen die Frauen

    Das Startkapital gaben damals die Ehemänner, die Arbeit machten die Frauen. Ihre Kinder saßen im Eck und sahen sich Bücher an. Eine breit angelegte Kinderbetreuung gab es 1970 noch nicht. Die ersten zwei, drei Jahre waren hart. Die Arbeit ging oft bis spät in die Nacht. Bereut haben sie es nie.

    Ilse und Ingrid haben treue Kunden

    Die 120-Quadratmeter-Buchhandlung ist bewusst altmodisch, ohne modernen Schnickschnack. Eine Buchhandlung, in der es eben um Bücher geht, aber auch um die Leidenschaft der Inhaberinnen und ihrer Kunden. Die meisten kommen seit Jahrzehnten. So wie Angelika Zech-Stadlinger. Für sie ist die Buchhandlung noch eine Kindheitserinnerung. "Schon als kleines Mädchen haben diese großen Schaufenster meine Schwester und mich magisch angezogen. Das waren immer richtige Festtage, wenn wir uns für Gutscheine oder kleine Geldgeschenke aus den Bücherkisten oder Regalen selber Bücher rausholen durften," erzählt Zech-Stadlinger.

    Das Erfolgsgeheimnis: Die persönliche Betreuung

    Für die meisten anderen Kunden ist klar: Der Erfolg liegt an der persönlichen Betreuung. Uwe Hülz kommt seit zehn Jahren regelmäßig: "Wenn man länger Kunde ist, wissen sie schon, in welche Richtung man denkt oder was man will. Ich war erst letzte Woche da und hab gesagt: Ich habe diese Krimis satt. Ich möchte mal was Abenteuerliches. Und da ist die Frau sofort ins Regal gerannt, hat mir sechs Bücher hingelegt und es waren drei dabei, die hab ich mitgenommen", berichtet der Stammkunde.

    Ein Treff für Bücherfreunde

    Die Kunden werden mit Namen angesprochen, fachsimpeln auch mal über das eine oder andere Buch, geben Tipps weiter und fühlen sich fast, wie Stammkundin Sonja Noack bemerkt, wie Zuhause: "Das ist ein dritter Ort für mich nach meinem Wohnzimmer, meiner Arbeitsstätte. Ich komme da rein und manchmal brauche ich was als Geschenk und dann kommt der Satz: Ich glaub, das wär was für Sie, Frau Noack. Haben sie das schon gelesen? Und ich bin noch nie reingefallen."

    Krisen werden gemeinsam gemeistert

    Das Aufploppen großer Buchketten in der Stadt, Online-Handel, E-Books, Ilse Arold und Ingrid Sauer haben alles überstanden. Angst, dass sie nicht dagegen ankommen, hatten sie nie. Beide sind zutiefst überzeugt, dass Bücher eine Zukunft haben. Auch die Nürnberger Stadtbibliothek ist Kunde der Buchhandlung Frenkel. Jedes Ausleihbuch bekommt einen Extra-Schonbezug, eine Folie, aufgeklebt. Diese Aufgabe übernehmen meist die Töchter von Ilse Arold, inzwischen 56 und 61 Jahre alt. Sie helfen als Teilzeitkräfte im Familienbetrieb.

    Das Ende naht

    Inzwischen merken die Schwestern immer häufiger, dass die Selbständigkeit auch viel Kraft abverlangt. So gibt es bereits Gedanken an eine Geschäftsübergabe. Die Töchter möchten die Buchhandlung nicht übernehmen. Also muss mittelfristig ein Käufer her. So ist das Jahr 2020 ist ein besonderes Jahr. Im 50. Jubiläumsjahr geht es auch um die Zukunft.

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