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Nürnberg ohne Christkindlesmarkt: Zwetschgenmännla online | BR24

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Nürnberg ohne Christkindlesmarkt

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Nürnberg ohne Christkindlesmarkt: Zwetschgenmännla online

Der weltberühmte Christkindlesmarkt hätte ab heute wieder rund zwei Millionen Besucher nach Nürnberg gelockt. Stattdessen versucht die Stadt mit einem Online-Angebot Weihnachtsumsatz und -stimmung zu retten.

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Von
  • Sophia Ruhstorfer

Die Beleuchtung in der Stadt hängt, die Christbäume stehen auf dem Hauptmarkt, doch so richtig Weihnachtsstimmung mag nicht aufkommen in Nürnberg. Für viele Einheimische beginnt die Adventszeit klassisch mit der Eröffnung des Christkindlesmarktes und dem traditionellen Prolog des Christkindes auf der Empore der Frauenkirche. Wegen der Corona-Pandemie wurde beides bereits im Oktober aus Sicherheitsgründen abgesagt.

Virtueller Rundgang

Mit einem umfangreichen Online-Angebot versucht die Stadt trotzdem ihre Weihnachtsartikel zu vermarkten. Auf der offiziellen Seite des Marktes können die Besucher virtuell einen Rundgang durch die Budenstraßen machen. Klassiker wie die Nürnberger Zwetschgenmännla, Glühwein oder Adventsschmuck gibt es online zu erstehen. Ebenso den Christkindlesmarkt fürs Wohnzimmer in einer Box mit Punsch, Lebkuchen und Teelicht.

Christkind-Telefon-Sprechstunde

Auch das Nürnberger Christkind ist heuer digital unterwegs: Anstatt eines Prologs gibt es heute eine Videobotschaft und anstelle von Schul- und Heimbesuchen einen virtuellen Adventskalender mit täglich neuen Geschichten, Bastel- und Kochtipps. Für Kinder soll es außerdem zweimal wöchentlich eine Telefonsprechstunde geben. Auch wenn heuer der Christkindlesmarkt ausfällt, wird es keine dritte Amtszeit für das amtierende Christkind Benigna Munsi geben. Im kommenden Jahr wird ein neues Christkind gewählt.

"Ich bin nicht traurig, sondern nostalgisch. Ich weiß, wie schön mein letztes Jahr war und blicke auf viele Erinnerungen zurück". Benigna Munsi, Nürnberger Christkind 2019/2020

"Weihnachtsinseln" in der Innenstadt

Für Adventsstimmung beim Weihnachts-Shopping in der Innenstadt sorgen in diesem Jahr sogenannte Weihnachtsinseln. Insgesamt 25 Buden stehen verteilt in den Fußgängerzonen. Bei den kleinen Weihnachtsinseln gibt es unter anderem Bratwurstsemmeln und gebrannte Mandeln zu kaufen. Glühwein wird heuer nicht ausgeschenkt.

Ausfälle für Schausteller

Für die Marktleute ist es gerade keine einfache Situation, so Lorenz Kalb vom Süddeutschen Schaustellerverband. Viele machen auf dem Christkindlesmarkt einen Großteil ihres Jahresgeschäftes. Doch der wirtschaftliche Schaden trifft nicht nur die Marktleute. Rund zwei Millionen Besucher kommen jährlich. Etwa 180 Millionen Euro spült der Christkindlesmarkt, nach Angaben der Stadt, in einem normalen Jahr in die Kassen der hiesigen Wirtschaft.

"Für die paar Stände die jetzt in der Innenstadt sind, ist es ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber man versucht natürlich alles Mögliche. Wir Schausteller sind es gewohnt, unser Brot mit harter Arbeit zu verdienen. Das wird jetzt gerade versucht." Lorenz Kalb, 1. Vorsitzender des Süddeutschen Schaustellerverbandes

Krippe in St. Sebald

Wer das weihnachtliche Nürnberg dennoch erleben will, dem empfiehlt Oberbürgermeister Marcus König (CSU) einen Spaziergang durch die geschmückte Stadt, den Handwerker Hof und einen Besuch der Christkindlesmarkt-Krippe die in St. Sebald aufgestellt wird.

Christkindlesmarkt bisher nur im Krieg ausgefallen

Der Nürnberger Christkindlesmarkt blickt auf eine lange Tradition zurück: 1628 wurde er erstmals schriftlich auf einer blumenbemalten Spanschachtel aus Nadelholz erwähnt. Nürnberg ohne Christkindlesmarkt ist unvorstellbar. Bisher konnte er nur in der Zeit des Zweiten Weltkrieges nicht stattfinden. 1948 wurde der erste Christkindlesmarkt nach dem Krieg wieder eröffnet. Und Sofie Keeser, die später als Schauspielerin bekannt wurde, sprach als erstes Christkind der Nachkriegszeit den Prolog.

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Neun Monate basteln, dann kam die Absage: kein Nürnberger Christkindlesmarkt. Für eine Wendelsteiner Familie ein Tiefschlag. In vierter Generation verkaufen sie ihre Zwetschgenmännla jedes Jahr auf dem Markt. Heuer brauchen sie einen Plan B.

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