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Im Nürnberger Martha-Maria-Krankenhaus helfen Ehrenamtliche den Patienten seelsorgerisch, damit sie sich nicht allein und verängstigt fühlen.

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    Gegen die Angst - ehrenamtliche Seelsorger in der Notaufnahme

    Patienten in der Notaufnahme müssen häufig lange warten – allein mit ihren Ängsten. Damit sie sich nicht verloren fühlen, setzt das Martha-Maria-Krankenhaus in Nürnberg ehrenamtliche Mitarbeiter ein. Sie sollen den Betroffenen zuhören.

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    Von
    • Ursula Schmidt

    Ein Nürnberger Modell das auch in anderen Krankenhäusern Schule machen könnte: Das Martha-Maria-Krankenhaus in Nürnberg führt mit einem 10-köpfigen Team eine regelmäßige Betreuung der Notfälle ein. Das Ziel: Die Patienten und Patientinnen sollen sich gesehen fühlen und nicht unnötig lange alleine bleiben müssen.

    Brennpunkt Notaufnahme

    Mittwoch Nachmittag, nachts oder am Wochenende – immer dann, wenn die meisten Arzt-Praxen geschlossen haben, ist die Notaufnahme des Martha-Maria-Krankenhauses im Nürnberger Nordosten erste Anlaufstelle für Notfälle. In der Notaufnahme wird von der Platzwunde bis zum Schwerstverletzten jeder versorgt – je nach Priorität kann es dauern, bis die Patienten dran sind.

    Das ist das Einsatzgebiet von Monika Horst. Sie ist eine von zehn ehrenamtlichen Seelsorgern in der Notaufnahme. Wie das medizinische Personal trägt sie einen blauen Kittel, blaue Hosen und ein Namensschild. In Absprache mit den Pflegenden besucht sie die Patienten in den sechs Untersuchungsräumen.

    Senioren haben oft Angst

    Eine Patientin wartet in einem der Behandlungszimmer schon eine dreiviertel Stunde auf den Arzt, ganz alleine, erklären die Krankenschwestern. Die ältere Dame ist mit Rückenschmerzen unklarer Ursache eingeliefert worden und hat Angst. Monika Horst stellt sich kurz vor, fragt, wie es ihr geht und schon brechen die Dämme. Es gehe ihr schlecht, klagt die ältere Dame, die Medikamente vertrage sie nicht, die Schmerzen im Rücken seien schlimm. Medizinisch kann die Seelsorgerin nicht helfen, aber zuhören, nachfragen und sie beruhigen.

    Zuhören, beruhigen, trösten, da sein

    Monika Horst streichelt den Arm, hält die Hand der Patientin, bis sie sich beruhigt hat, hört zu und bringt ein Glas Wasser. Ganz nebenbei verkürzt die Seelsorgerin so auch die Wartezeit bis der Arzt kommt, und sorgt dafür, dass sich die Aufregung der Patientin schnell legt.

    Manchmal säße sie nur da und halte die Hand oder trockne Tränen, erklärt die 65-jährige Nürnbergerin ihre Aufgabe. Das sei oft wichtiger als ein Gespräch zu führen. Die Patienten und Patientinnen entschieden, ob ein Gespräch gewollt werde.

    Ausbildung dauert zehn Monate

    Die meisten der aktuell zehn ehrenamtlichen Seelsorger haben schon Vorkenntnisse. Sie haben Sitzwache für Schwerst- und Todkranke gehalten. Manche haben sich zuvor schon ehrenamtlich in Seniorenheimen engagiert. Der Weg zum Seelsorger in der Notaufnahme führt über eine zehnmonatige Ausbildung mit theoretischem und praktischen Teil. Mitbringen sollte man die Liebe zu Menschen, Empathie, die Fähigkeit zuzuhören und die Bedürfnisse und Sorgen des Patienten zu sehen, so der Krankenhaus-Pastor Martin Jäger im BR-Gespräch.

    Bei aller Nähe sei aber auch entscheidend, dann um Hilfe der hauptberuflichen Seelsorger zu bitten, wenn die Situation zu belastend wird. In regelmäßigen Supervisionen sprechen die Ehrenamtlichen dann über für sie besonders schwere Fälle.

    Entlastung für medizinisches Personal

    Für die Pflegenden und Ärzte und Ärztinnen in der Notaufnahme des Martha-Maria-Krankenhauses sind die ehrenamtlichen Seelsorger eine große Entlastung. Konkret bedeutet ihre Hilfe weniger Stress fürs Personal, so der Leiter der Notaufnahme, Dr. Tobias Götz. Sie nähmen viel Druck und Belastung für Patienten und Patientinnen und deren Angehörige raus.

    Zusätzlich übernähmen die Seelsorger kleine Hilfstätigkeiten, wie Anrufe erledigen, Decken oder Getränke bringen. Das sei vor allem bei alten Menschen zunehmend wichtig, vor allem, wenn diese akut abrupt aus dem häuslichen Umfeld gerissen würden, so der Mediziner. Müssten sich die Pflegenden oder die Ärztinnen und Ärzte darum kümmern, bliebe im hektischen Notaufnahme-Alltag immer etwas anderes liegen. Das Ehrenamtlichen-Team sei deshalb eine große Unterstützung für die Mitarbeitenden und die Patientinnen und Patienten.

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