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Corona-Tester am Flughafen infiziert - Kollegen arbeiten weiter | BR24

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Am Flughafen in Nürnberg hat sich ein Corona-Tester mit dem Virus infiziert. Seine Kollegen sollen weitergearbeitet haben.

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    Corona-Tester am Flughafen infiziert - Kollegen arbeiten weiter

    Die Pannenserie an den Corona-Teststationen reißt nicht ab. In den Testzentren am Nürnberger Flughafen hat sich ein Mitarbeiter infiziert. Alle Personen, die mit ihm gearbeitet haben, sollen weitergearbeitet haben. Im Team herrscht Verunsicherung.

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    Erst funktionierte die EDV nicht, dann warteten tausende Reiserückkehrer teils wochenlang auf ihr Testergebnis, sofern sie es überhaupt bekamen. Zuletzt wurde die Qualifikation der Mitarbeiter in den Testzentren diskutiert. Nun ist bekannt geworden, dass es in den Corona-Testzentren am Nürnberger Flughafen einen positiven Fall eines Mitarbeiters gab. Alle Mitarbeiter, die mit der Person zusammengearbeitet haben sollen laut BR-Informationen weitergearbeitet haben.

    Mitarbeiter positiv getestet

    Wer am Flughafen Nürnberg aus Risikogebieten ankommt, wird noch an Ort und Stelle auf Corona getestet. Die übrigen Urlauber und alle anderen Bürger können sich freiwillig in einem Corona-Testzentrum auf dem gegenüberliegenden Parkplatz testen lassen. Bis zum Ferien-Ende, also Anfang der Woche, standen hierfür drei Testeinrichtungen in und am Flughafen bereit.

    Insgesamt arbeiten mindestens 50 Personen pro Schicht für den Betreiber Ecolog. Offenbar wurden bislang alle Mitarbeiter im Drei-Tages-Rhythmus auf das Coronavirus getestet. Einer der Mitarbeiter hat sich infiziert, das positive Ergebnis kam am Samstag. Das zuständige Gesundheitsamt Nürnberg wurde darüber informiert. Die Stadt bestätigt dem BR schriftlich, dass die Person in Quarantäne kam.

    "Der Mitarbeiter wurde umgehend vom Arbeitgeber gebeten, sich in häusliche Quarantäne zu begeben." Britta Walthelm, Umwelt- und Gesundheitsreferentin der Stadt Nürnberg

    Information der Mitarbeiter offenbar lückenhaft

    Ob und wie die anderen Kollegen aus der gemeinsamen, aber auch aus Schichten der zurückliegenden Tage informiert werden, scheint unklar. Eine Mitarbeiterin, die unerkannt bleiben möchte, sagte dem BR:

    "Wir wurden überhaupt nicht informiert, das hat sich nur durch private Gruppen herumgesprochen, durch Kollegen, nicht durch Vorgesetzte. Es konnte nicht ermittelt werden, wer mit der Person zusammengearbeitet hatte, demnach war auch keiner in Quarantäne. Weil der Vorfall am Wochenende war und alle frei hatten, kann sich das Virus leicht übertragen haben." Mitarbeiterin im Corona-Testzentrum am Airport Nürnberg

    Tester warten selbst lange auf Ergebnisse

    Die Testergebnisse der routinemäßig auf das Coronavirus untersuchten Mitarbeiter in den Testzentren am Nürnberger Flughafen lassen scheinbar genauso lange auf sich warten, wie die aller anderen Urlauber oder freiwillig Getesteten. Laut Insider-Informationen dauert die Übermittlung der Testergebnisse bis zu 72 Stunden. In den drei Tagen, so eine Mitarbeiterin, können "völlig unterschiedliche Personalzusammensetzungen für die teilweise sich überschneidenden Schichten stattgefunden haben".

    Betreiber Ecolog ordnet tägliche Mitarbeiter-Tests an

    Eine lückenlose Nachverfolgung scheint nicht erfolgt zu sein. Die Mitarbeiter wurden vom Testzentren-Betreiber Ecolog über Leiharbeitsfirmen angeheuert. Drei der Zeitarbeitsfirmen in Nürnberg und Schwabach haben auf eine Interviewanfrage beziehungsweise schriftliche Stellungnahme nicht reagiert. Unter anderem bleibt die Frage nach der Fürsorgepflicht für die überlassenen Leiharbeiter in den Testzentren am Flughafen Nürnberg unbeantwortet.

    Verunsicherung im Mitarbeiter-Chat

    In einem Gruppenchat-Protokoll vom Wochenende, das dem BR vorliegt, liest sich die Informationspolitik in den Testzentren am Nürnberger Flughafen so:

    Schichtleiter:

    "Ab jetzt wegen eine Corona-Positiv-Fall wird jeder MA (MA = Mitarbeiter Anm. d. Red.) täglich bis auf weiteres eine Woche getestet"

    Daraufhin explodiert der Chat förmlich:

    "Dieser MA und das Team um ihn herum sind in Quarantäne?"

    "Wenn die (Test-)Ergebnisse wieder 5 Tage dauern, dann macht's eh keinen Sinn…"

    "Es muss ja festzustellen sein, wann und mit wem derjenige das letzte Mal Dienst hatte."

    "Ist schon klar, mit wem er von den anderen Mitarbeitern Kontakt hatte?"

    "Das wüsste ich gerne vor dem nächsten Dienst."

    "Jetzt bitte mal Klartext: Die anderen MA sollten schleunigst benachrichtigt werden. Ich habe auch noch einen anderen Job!!!"

    Der Schichtleiter versucht, die offenbar verunsicherten Corona-Tester erst zu beschwichtigen, dann zu drohen:

    "Wir sammeln soeben im Hochdruck alle Informationen. (…) Selbstverständlich machen wir alle Kontaktpersonen ausfindig, die es betrifft und informieren sie. (…) Wer Panik und oder Gerüchte verbreitet, kann eine Abmahnung bekommen!"

    Ecolog verweist auf "Kommunikationsprotokoll"

    Die Angst in der Belegschaft scheint greifbar. Der Betreiber Ecolog stand für ein Interview nicht zur Verfügung. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es: "Im Falle eines positiven Testergebnisses folgt Ecolog einem klaren Kommunikationsprotokoll (wie auch in Nürnberg geschehen) gemäß den geltenden Richtlinien, das unter anderem die Identifikation von Kontaktpersonen, Inkenntnissetzung der Mitarbeiter und des zuständigen Gesundheitsamtes, die Durchführung der Quarantäne und weitere Tests beinhaltet."

    Wer ist nun verantwortlich?

    Die Verantwortung für die Corona-Testzelte hat das Bayerische Gesundheitsministerium dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) übertragen. Schriftlich teilt die Behörde dem BR auf Anfrage mit, dass für die Ermittlung möglicher Kontaktpersonen das örtliche Gesundheitsamt zuständig sei.

    Zwei Mitarbeiter positiv auf Coronavirus getestet

    Unterdessen treffen sich die Mitarbeiter aller Testzentren am Flughafen teilweise gemeinsam zu Pausenzeiten hinter dem sogenannten Bürgerzelt. "Unter Ausblendung sämtlicher Sicherheitsabstände", wie eine Mitarbeiterin gegenüber dem BR erklärt, säßen die Mitarbeiter in den Containern oder davor beisammen. Das LGL teilt nun mit, dass inzwischen zwei Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet wurden.

    "Im Rahmen einer routinemäßigen Testung der Mitarbeiter von Ecolog an der Teststation am Flughafen Nürnberg gab es den uns vorliegenden Informationen bislang insgesamt zwei positive Fälle." Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

    Die Stadt Nürnberg hat in Absprache mit dem LGL die Hygienemaßnahmen verschärft: jetzt müssen alle Mitarbeiter eine FFP2-Maske tragen.

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