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Zwei Frauen protestieren mit einem Plakat gegen das geplante ICE-Werk in Nürnberg-Altenfurt.

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    Nürnberg-Altenfurt: Zweite Mahnmeile gegen geplantes ICE-Werk

    Rund 150 Nürnbergerinnen und Nürnberger protestierten am Samstagvormittag erneut gegen ein mögliches ICE-Werk der Deutschen Bahn am Standort Altenfurt/Fischbach. Die Veranstalter erhofften sich heute klare Positionierungen seitens der Politik.

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    Von
    • Tobias Burkert

    Vorneweg: Weiterhin ist nichts offiziell entschieden, die Deutsche Bahn (DB) hält sich mit Konkretem zur Standortfrage zurück. Fest steht bis dato: Die Bahn will für 400 Millionen Euro im Raum Nürnberg ein großes ICE-Instandhaltungswerk bauen. Es soll zu einem störungsfreien Bahn-Fernverkehr beitragen. In Betracht kommen derzeit sieben mögliche Standorte, darunter ein Waldgebiet im Nürnberger Stadtteil Altenfurt/Fischbach. Die Bahn plant auf einem fünfeinhalb Kilometer langen Grundstück eine Werkstatt-Halle mit umfangreichen Außenanlagen.

    Mahnmeile gegen ICE-Werk

    In der ca. 450 Meter langen Halle sollen ICE-Züge gereinigt und gewartet werden. Anwohner befürchten massive Lärmbelastungen und kritisieren großflächige Waldabholzungen. Insbesondere in Altenfurt regt sich der Widerstand. Die zweite Mahnmeile auf dem "Altenfurter Boulevard" sei extrem wichtig, betont Veranstaltungsleiter Markus Fleischmann. Auch in Pandemiezeiten müssten Bürger sich öffentlich zur Wehr setzen, den Druck auf die Politik erhöhen und klar machen: "Wir wollen hier kein ICE-Werk vor der Haustüre!" Rund 800 Gegner des geplanten ICE-Werkes im Nürnberger-Südosten seien schon in einer Facebook-Gruppe aktiv.

    Politiker beziehen Stellung

    Wenn es das Pandemie-Geschehen in den kommenden Monaten zulasse, würden sicher noch mehr Menschen gegen dieses Bahn-Vorhaben auf die Straße gehen. Jetzt sei aber die Politik am Zug, sich klar zu positionieren. Deshalb freue man sich besonders, heute Vertreter von CSU, SPD und Bündnis90/ Grüne bei der Mahnmeile am Mikro begrüßen zu dürfen. Als erster Redner äußert sich Andreas Krieglstein, Fraktionsvorsitzender der Nürnberger CSU-Stadtratsfraktion. Er habe selbst Begehungen im dem eventuell betroffenen Areal unternommen und wohne nicht weit davon entfernt.

    CSU-Stadtrat Krieglstein: "Standort ungeeignet"

    Er halte diesen Standort für das ICE-Werk für ungeeignet. Er sei da ganz bei den protestierenden Bürgern: Ja zu einem ICE-Werk mit 450 Arbeitsplätzen in der Metropolregion, aber nicht hier. "Wir gehen den Weg mit euch!", beteuert der CSU-Mann. Für die Verkehrswende müsse man die Menschen aber auch mitnehmen. Gespräche mit der Bahn stünden an. Diese sollten im Einklang von Mensch und Natur verlaufen, es gebe schlichtweg bessere Standorte für die Pläne der Bahn.

    SPD-Bundestagsabgeordneter: "Kann ich mir nicht vorstellen"

    Auch Thomas Grämmer, Bundestagskandidat der SPD für den Wahlkreis Nürnberg-Süd/Schwabach, findet eindeutige Worte: Er sei ebenso vor Ort im Reichswald gewesen, um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen. "Ein ICE-Werk hier mitten im Wald kann ich mir nicht vorstellen", sagt Grämmer. Den Lärm Tag und Nacht, der mit so einem Werk verbunden sei, wolle er sich gar nicht ausmalen. Die Bürger hier seien schon genug belastet von den umliegenden Autobahnen. Die Bahn müsse die Lärmbelastung in Relation zu der Nähe der Anwohner mit berücksichtigen bei ihrer Standortwahl und alternative Konzepte prüfen. Außerdem fordere er ein transparenteres Vorgehen der DB. Darauf hätten die Menschen ein Recht, sie sollten aktiv am Raumordnungsverfahren beteiligt werden.

    Grüne: Verkehrspolitisches Dilemma

    Sascha Müller, Grüner Direktkandidat aus dem Wahlkreis Schwabach/Nürnberg-Süd, spricht ganz offen von einem Dilemma: Einerseits brauche man mehr ICEs in Deutschland für eine erfolgreiche Verkehrswende, andererseits stehe der Schutz des Waldes und der Schutz der Menschen ganz oben auf der "Grünen Agenda". Insofern versuche man in diesem Fall die "Regeln zu ändern". Man halte an der Idee einer "Kompaktversion" eines ICE-Werkes fest, wie sie bereits kürzlich vorgestellt wurde. Die Nürnberger Grünen legten ein alternatives Konzept vor, das weniger Flächenbedarf beansprucht.

    Kleinere Version des Werkes denkbar?

    Mit Hilfe eines Ingenieur-Planungsbüros sei eine Version des Werkes entstanden, die "nur" 2,3 statt 5,5 km benötige, als etwa nur halb so groß ausfiele. Mit dieser kleineren Version des ICE-Werkes könnte die Standortfrage anders angegangen werden. Die Bahn solle sich diese Vorschläge jetzt mal genau ansehen, denn sie wären alltagstauglich, so Müller. Generell betont auch er, wie seine Vorredner, dass man andere Planungsverfahren brauche. Der Bürger müsse von Beginn an mit beteiligt werden. Gute Lösungen fänden sich nun mal oft erst im gemeinsamen Dialog. Das geplante ICE-Werk der Deutschen Bahn soll 2028 fertig gestellt sein. Die Bahn äußerte sich bisher nicht, welchen der sieben genannten, möglichen Standorte sie favorisiert.

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    Rund 150 Menschen haben in Nürnberg-Altenfurt gegen ein geplantes ICE-Werk protestiert.

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