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NSU-Morde: München gedenkt Habil Kılıç | BR24

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Gedenken an Habil Kilic

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NSU-Morde: München gedenkt Habil Kılıç

In München haben etwa 50 Menschen Habil Kılıç gedacht, der im Jahr 2001 durch den NSU ermordet worden war. In einer Gedenkrede wurde die Ermittlungsarbeit der Behörden scharf kritisiert - diese seien jahrelang "auf dem rechten Auge blind" gewesen.

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Etwa 50 Menschen haben am Samstagnachmittag der Ermordung von Habil Kılıç durch den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) vor 19 Jahren gedacht. Im Anschluss wurde ein Kranz niedergelegt und eine Schweigeminute abgehalten. Kılıç war in dem ehemaligen Obst- und Gemüseladen seiner Familie in Ramersdorf mit zwei Schüssen getötet worden.

An der Gedenktafel des Hauses hielt unter anderem Siegfried Benker, der geschäftsführende Vorstand des Trägervereins von "Before" (Beratungsstelle für Betroffene rechter Gewalt), eine Gedenkrede. "Die Angehörigen wurden über Jahre fälschlich verdächtigt und immer wieder verhört und konnten so niemals zur Ruhe kommen", sagte Benker. "Die Behörden waren über viele Jahre auf dem rechten Auge blind."

Über Jahre in die falsche Richtung ermittelt

Kılıç war das vierte Opfer des NSU, und der erste, der in München von rechtsextremen Gruppierung ermordet wurde. Am 29. August 2001 kam er von der Frühschicht im Großmarkt, um noch im Gemüseladen seiner Frau zu arbeiten; sie war gerade im Urlaub in der Türkei. An diesem Vormittag töteten ihn zwei Kugeln. Die Mörder waren nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt.

Insgesamt ermordete der NSU zehn Menschen: Acht Türken, einen Griechen und die deutsche Polizistin Michèle Kiesewetter. Dass die Polizei zunächst jahrelang im deutsch-türkischen Milieu ermittelte, sorgte nach Aufdeckung des NSU für große Empörung. 

Mehrzahl der Verfahren eingestellt

Der Prozess um die extrem rechte Terrororganisation dauerte über fünf Jahre und endete vor gut zwei Jahren unter anderem mit der Verurteilung der Hauptangeklagten Beate Zschäpe zu einer lebenslangen Haftstrafe. Im Prozess zeigten sich Zeugen aus der Neonazi-Szene besonders wortkarg. Gegen sechs von ihnen wurden Ermittlungen wegen uneidlicher Falschaussage eingeleitet.

Auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks gab die Staatsanwaltschaft München I Mitte August bekannt, dass die meisten Verfahren eingestellt wurden. Wie die Staatsanwaltschaft München dem BR bestätigt hat, ist gegen einen der Zeugen im NSU-Prozess Ende Juli Anklage erhoben worden – wegen uneidlicher Falschaussage. Die Ermittlungen gegen zwei weitere Zeugen sind laut Staatsanwaltschaft noch nicht abgeschlossen, drei Verfahren sind zwischenzeitlich eingestellt worden.

Nach Meinung der Nebenkläger konnten die Hintergründe der zehn Morde, drei Bombenanschläge und 15 Raubüberfälle des NSU auch deshalb nicht vollständig aufgeklärt werden, weil Zeugen aus der Neonazi-Szene keine Konsequenzen für ihre Falschaussagen vor Gericht befürchten mussten.

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