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Vor rund 21 Jahren haben die Rechtsterroristen des NSU den Blumenhändler Enver ?im?ek in Nürnberg erschossen. Nun wird der Tatortplatz in Langwasser nach seinem Opfer benannt. Dafür hat sich der Stadtrat ausgesprochen.

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NSU-Mord: Nürnberg benennt Platz nach Enver Şimşek

Vor rund 21 Jahren haben die Rechtsterroristen des NSU den Blumenhändler Enver Şimşek in Nürnberg erschossen. Nun wird der Tatortplatz in Langwasser nach seinem Opfer benannt. Dafür hat sich der Stadtrat ausgesprochen.

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Von
  • Jonas Miller

Vor rund 21 Jahren, am 9. September 2000, wurde der Blumenhändler Enver Şimşek von der rechtsextremen Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) in Nürnberg niedergeschossen und erlag zwei Tage später seinen schweren Verletzungen. Enver Şimşek war das erste Mordopfer des NSU. Der Tatort, eine Parkbucht in Nürnberg-Langwasser, soll nun nach Enver Şimşek benannt werden.

Platzbenennung ist Wunsch der Familie Şimşek

Wie die Stadt Nürnberg mitteilt, hat der Stadtrat die Entscheidung am Mittwochabend getroffen. Damit will die Stadt an die Opfer der rechtsextremen Terrorzelle erinnern. Es sei ein ausgesprochener Wunsch der Familie, meint Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU). "Der Stadt Nürnberg und mir persönlich ist es wichtig, dass wir im Austausch mit den Familien und Hinterbliebenen bleiben und ihre Wünsche in unsere Gedenkarbeit einbeziehen. Das ist ein Teil unserer Verantwortung."

Enthüllung des Straßenschilds im September

Auch Nürnbergs Wirtschafts- und Wissenschaftsreferent Michael Fraas (CSU) sagt: "Die Platzbenennug macht das Gedenken an seine Person als Opfer rechtsextremen Terrors unmittelbar sichtbar und hilft, die Erinnerung lebendig zu halten." Die Enthüllung des Straßenschilds durch Oberbürgermeister König ist für den 13. September 2021 im Zuge einer Gedenkveranstaltung vorgesehen.

Diskussionen um Erinnerungskultur in Nürnberg

Schon im vergangenen Jahr hat es in Nürnberg Diskussionen zum Umgang der Stadt mit dem Gedenken an die NSU-Opfer gegeben. Eine zivilgesellschaftliche Initiative forderte, dass Straßen und Plätze auch nach den anderen beiden Nürnberger Opfern, Abdurrahim Özüdoǧru und İsmail Yaşar, umbenannt werden sollen. Das aber ist nicht möglich, da beide Straßennamen bereits eine wichtige Bedeutung haben, so das Nürnberger Menschenrechtsbüro. "Gleichwohl ist die Benennung von in Zukunft neu auszuweisenden Straßen nach Özüdoǧru und Yaşar im Auge zu behalten", hieß es in einem Bericht für den Stadtrat. Der Imbissbetreiber İsmail Yaşar wurde in der Scharrerstraße, der Änderungsschneider Abdurrahim Özüdoğru an der Ecke Gyulaer Straße und Siemensstraße getötet.

Keine weiteren NSU-Morde nach Ansprache von Neonazis

Die rechtsextreme Terrorzelle NSU ermordete bundesweit von 2000 bis 2007 zehn Menschen. Fünf der zehn Morde wurden in Bayern verübt, davon sind drei Menschen in Nürnberg getötet worden. Auch der erste rassistisch motivierte Sprengstoffanschlag der Gruppe fand in Nürnberg statt. Nach einer Ansprache der Polizei in der fränkischen Neonaziszene endete die Mordserie 2007 plötzlich – ein Hinweis auf Mitwisser. In der Norisstadt war das NSU-Kerntrio bestens vernetzt, mindestens eine Person aus dem direkten Umfeld der Terrorzelle wurde jedoch bis heute nicht ausfindig gemacht.

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Gedenkschild am Tatort in Nürnberg-Langwasser

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