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NSU-Komplex: Kunstwerk an Münchner Gerichtsgebäude enthüllt | BR24

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Fünf Jahre hat der Prozess um die Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds gedauert - so lange wie kein anderer in der Geschichte der Bundesrepublik. Doch viele Fragen blieben offen. Der Künstler Sebastian Jung hat das in einem Relief umgesetzt.

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NSU-Komplex: Kunstwerk an Münchner Gerichtsgebäude enthüllt

An der Außenfassade des Strafjustizzentrums in der Münchner Nymhenburger Straße wurde ein Kunstwerk enthüllt. Das Relief von Künstler Sebastian Jung thematisiert den NSU-Prozess aus kritischer Distanz und erinnert an die vielen offenen Fragen.

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Von
  • Julia Haas

Das zwei auf vier Meter große Werk hängt rechts neben dem Eingang des Gerichtsgebäudes und zeigt einen Blick in den Gerichtssaal A 101 - aus der Perspektive eines Prozessbeobachters. Der NSU-Prozess fand von 2013 bis 2017 vor dem Oberlandesgericht München statt.

Kunstwerk thematisiert offene Fragen

Als Material hat der Künstler Sebastian Jung Grobspanplatten benutzt, mit denen normalerweise Baustellen verkleidet werden. Der Künstler wollte damit die Aufklärung des NSU-Komplexes als offene Baustelle verdeutlichen.

Richter, Anwälte und Beobachter wurden als schemenhafte Umrisse in die Oberfläche eingearbeitet. In der Mitte des Kunstwerk ist eine leere Stelle, die die vielen offenen Fragen verdeutlichen soll, die der Prozess trotzdem hinterlassen hat.

Relief als wichtiger Teil der Erinnerungskultur

Justizminister Georg Eisenreich sieht das Werk als wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur. "Das Thema Extremismus ist nicht abgeschlossen, sondern weiterhin Teil unserer Wirklichkeit", so Eisenreich. Das Relief ermahne uns alle, sich weiterhin entschlossen gegen Hasse, Hetz, Rassismus oder Antisemitismus zu stellen.

Münchens zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaden findet außerdem, dass es gerade in München nicht genügend Orte geben könne, um der Geschichte zu gedenken. Sie hoffe außerdem, dass das Kunstwerk an diesem prominenten Ort viele Menschen zum Nachdenken anrege.

Künstler stammt aus dem NSU-Radikalisierungsort

Sebastian Jung wuchs in Winzerla bei Jena auf - dort, wo sich der NSU radikalisierte. Den Prozess in München besuchte er zweimal. Das Relief, das er “künstlerische Intervention” nennt, ist Teil der aktuellen Ausstellung "Tell me about yesterday tomorrow" des NS-Dokumentationszentrums. Die Ausstellung läuft noch bis zum 18. Oktober.

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