BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

NS-Verbrechen: Konzept für Erlanger Doku-Zentrum "Hupfla" steht | BR24

© BR-Studio Franken/ Michael Reiner

Hier waren die Patienten der "Hupfla" untergebracht: Der Mittelbau des Gebäude soll als Doku-Zentrum erhalten werden. Der Rest wird abgerissen.

Per Mail sharen

    NS-Verbrechen: Konzept für Erlanger Doku-Zentrum "Hupfla" steht

    In der früheren Heil- und Pflegeanstalt in Erlangen, "Hupfla" genannt, geschahen in der NS-Zeit schlimme Verbrechen. Nun gibt es ein Konzept für ein Dokumentationszentrum, das daran erinnern - und in die Zukunft blicken soll.

    Per Mail sharen

    In Erlangen soll es ein Dokumentationszentrum geben, das an die Medizinverbrechen während der NS-Zeit in der früheren Heil- und Pflegeanstalt (Hupfla) erinnert. Der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Jörg Skriebeleit, und sein Mitarbeiter Julius Scharnetzky haben das Konzept dafür vorgestellt. Es soll nun Stück für Stück umgesetzt werden. Zunächst müsse der Erlanger Stadtrat aber noch zustimmen, sagte Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik (SPD).

    Das Konzept sieht vor, in dem ehemaligen Patientenbau an die Geschichte der Hupfla und die Medizinverbrechen zu erinnern. Während der NS-Zeit wurden rund 2.500 Menschen mit Behinderungen von Erlangen aus in Tötungsanstalten gebracht oder sie starben bei Hunger-Experimenten in der Hupfla.

    Platz für Forschung

    Auf vier Geschossen im Mittelbau des ehemaligen Patiententrakts soll nach dem Konzept der Gedenkort entstehen. Der Rest des fast 150 Jahre alten Gebäudes wird abgerissen. Zudem sieht Skriebeleit im Dokumentationszentrum die Möglichkeit, weiter zu den Medizinverbrechen zu forschen und alte Krankenakten zu digitalisieren und auszuwerten. Die Universität Erlangen-Nürnberg hat bereits angekündigt, eine entsprechende Professur einzurichten.

    Blick in die Zukunft

    Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts sei zudem der Blick in die Zukunft. So solle sich das Zentrum auch mit Fragen der Medizinethik und des Umgangs der Gesellschaft mit behinderten Menschen beschäftigen. Es müsse zu einem "partizipatorischen und inklusiven Bildungsort" werden, der sich nicht nur mit der Vergangenheit sondern auch mit aktuellen Fragestellungen beschäftige, sagte Skriebeleit. Das Konzept sieht vor, dass sich das Dokumentationszentrum nicht nur auf den Bau beschränkt, in dem früher die Patienten untergebracht waren. In der Direktorenvilla könne ein Besucherzentrum mit Seminarräumen entstehen.

    Suche nach Trägerschaft

    Nächster Schritt sei es nun, die Trägerschaft des Gedenkorts zu klären, sagte OB Janik. Darüber entscheide der Stadtrat in seiner Sitzung am 23. Juli. Außer der Stadt Erlangen, der Universität und dem Universitätsklinikum seien der Bezirks Mittelfranken und der Freistaat Bayern mögliche Partner und Geldgeber für den Gedenk- und Zukunftsort Hupfla.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!