Gasflamme (Symbolbild)
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Während die Schweinfurter Stadtwerke betonen, es bestehe kein akuter Gasmangel, sorgt sich ein Gartenbaubetrieb um seine Zukunft.

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Notfallplan Gas: Versorger entwarnt - Unternehmer besorgt

Am Mittwoch wurde die Frühwarnstufe im nationalen "Notfallplan Gas" ausgerufen. Während die Schweinfurter Stadtwerke betonen, es bestehe kein akuter Gasmangel, sorgt sich ein Gartenbaubetrieb aus dem Landkreis Kitzingen um seine Zukunft.

Macht Russland den Gashahn zu? Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat am gestrigen Mittwoch die Frühwarnstufe im nationalen "Notfallplan Gas" ausgerufen. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher sorgen sich, dass ihre Heizung kalt bleibt und sie nicht mehr Kochen können, oder das Gas unerschwinglich wird.

Stadtwerke: Kein akuter Gasmangel

Die Schweinfurter Stadtwerke versuchten am Donnerstag, ihre Kunden zu beruhigen. In einer Pressemitteilung betonte der Energieversorger, dass die Ausrufung der Frühwarnstufe im "Notfallplan Gas" nicht bedeute, dass "ein akuter Gasmangel besteht". Aktuell sei die Versorgung mit Gas "bis auf Weiteres gesichert", so die Stadtwerke Schweinfurt. Es gehöre zu den Aufgaben der Stadtwerke Schweinfurt GmbH, das Netz "sicher, zuverlässig und leistungsfähig" zu betreiben. Im Fall einer Gefährdung oder Störung der Gasversorgung seien die Netzbetreiber "berechtigt und verpflichtet", gesetzlich vorgeschriebene Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Systemstabilität zu ergreifen.

Recht schützt Privathaushalte

In ihrer Mitteilung betonten die Schweinfurter Stadtwerke, dass der Gesetzgeber unter anderem bestimmten Kundengruppen einen besonderen Schutz gewähre. Die Belieferung dieser geschützten Kunden habe "Vorrang vor der Versorgung anderer Gasverbraucher, wie zum Beispiel größerer Gewerbe- oder Industriekunden". Zu den geschützten Kunden gehörten etwa Privathaushalte, aber auch kleine und mittlere Unternehmen aus dem Sektor "Gewerbe, Handel, Dienstleistungen", deren Verbrauch über standardisierte Lastprofile gemessen werde.

Gartenbaubetrieb: Gasvertrag nicht verlängert

Während also Privatkunden und kleine Betriebe offenbar vom Gesetz geschützt werden, kämpft ein Gartenbaubetrieb aus dem Landkreis Kitzingen schon jetzt um seine Existenz. Achim Gernert, Juniorchef von Jungpflanzen Gernert in Albertshofen bei Kitzingen, produziert etwa 50 Millionen Gemüsejungpflanzen in seinen Gewächshäusern. Dazu benötigt sein Betrieb nach eigenen Angaben fast eine Million Kubikmeter Gas pro Jahr. Aktuell wolle einer seiner beiden Energielieferanten die Gas-Verträge für 2023 nicht verlängern, so Gernert gegenüber BR24: "Wenn wir kein Gas haben, können wir zu machen! Ich weiß momentan nicht, was wir machen sollen!"

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Jungpflanzen Gernert in Albertshofen benötigt jährlich fast eine Million Kubikmeter Gas. Ein Gasversorger hat den Vertrag bereits gekündigt.

Eine Umstellung der großen Heizungsanlage auf Öl, wäre für ihn "purer Aktionismus" und nicht denkbar. Sollte Russland wirklich den Gashahn zudrehen, hofft Gernert, dass sein Betrieb als "privilegierter Betrieb" weiter mit Gas beliefert wird – "weil wir ja Lebensmittel produzieren".

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