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Notendruck an Bayerns Schulen wegen Furcht vor Lockdown | BR24

© BR / Markus Konvalin

Für viele Schülerinnen und Schüler in Bayern geht der Notenstress heuer noch früher los als sonst.

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    Notendruck an Bayerns Schulen wegen Furcht vor Lockdown

    Aufgrund schwankender Infektionszahlen ist das aktuelle Schuljahr schwer planbar. Für Lehrkräfte steigt dadurch der Druck, möglichst früh schriftliche Noten einzuholen. Der Kultusminister hat Verständnis, der Lehrerverband sieht ein Grundsatzproblem.

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    Auch wenn an manchen Schulen in Bayern der alte Notenrhythmus beibehalten wird, viele Lehrerinnen und Lehrer schreiben Extemporalen, Kurzarbeiten und Schulaufgaben heuer deutlich früher als in den Jahren zuvor.

    Der Grund dafür ist die Regelung, dass bei einem möglichen coronabedingten Distanzunterricht nur mündliche Noten gemacht werden dürfen. Dennoch sollten am Ende des Schuljahrs genügend schriftliche Noten vorhanden sein - von jedem Schüler, selbst bei zwischenzeitlichem Distanzunterricht.

    "Es macht einen gewaltigen Unterschied zum letzten Jahr, wo wir erst in der fünften Woche irgendwas geschrieben haben. Und die Schulaufgaben wurden auch nach vorne verlegt." Ein Schüler

    Kultusminister: Normalen Prüfungsrhythmus möglichst beibehalten

    Für Sylke Wischnevsky, Schulleiterin des Otto-von-Taube-Gymnasiums in Gauting, ist eine frühe schriftliche Leistungserhebung für den "worst case" eines Fernunterrichts unumgänglich. Dabei betont sie jedoch klar, dass der Fokus zunächst einmal auf der Vermittlung des neuen Stoffs liegen müsse und man die Kinder mit Tests nicht überfordern dürfe. Das pädagogische Augenmaß sei in dieser Ausnahmesituation entscheidend.

    Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) betonte, dass es im Schuljahr natürlich einen bestimmten Rhythmus an Klausuren und Prüfungen gebe und dieser auch jetzt nach Möglichkeit aufrecht erhalten bleiben müsse. "Auf der anderen Seite ist es auch irgendwo nachvollziehbar, dass die ein oder andere Lehrkraft jetzt sagt: 'Wer weiß, wann vielleicht meine Klasse in Quarantäne muss. Deshalb will ich vielleicht möglichst viel schon vorher bewerkstelligen'. Das wird man nie ganz verhindern können", so der Kultusminister.

    Wegen Lockdown im Frühjahr mehr Schüler "auf Probe" - schriftliche Noten wichtig

    Laut Schulleiterin Sylke Wischnevsky ist es dennoch nötig, in diesem Schuljahr die meisten Tests und Schulaufgaben schon möglichst vor Weihnachten zu schreiben. Denn aufgrund der Lockdown-Zeit im vergangenen Schuljahr gibt es nun deutlich mehr Kinder, die in die nächste Jahrgangsstufe nur "auf Probe" vorgerückt sind.

    Allein von diesen Schülern müssten möglichst bald Noten gemacht werden. Denn schon am 15. Dezember entscheidet sich, ob sie in ihren Klassen bleiben dürfen oder das letzte Schuljahr doch wiederholen müssen.

    "Damit auch unanfechtbar wirklich eine valide Entscheidung getroffen werden kann, muss halt schon eine schriftliche Leistungserhebung stattgefunden haben, um zu sagen: 'Aber da kannst du‘s ja sehen, das ist immer noch nichts, die Vokabeln sind noch genauso lückenhaft, wie sie es letztes Jahr waren." Sylke Wischnevsky, Schulleiterin des Otto-von-Taube Gymnasiums in Gauting

    Lehrerverband sieht Fehler im Schulsystem

    Simone Fleischmann vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), die vor allem Grund- und Mittelschullehrer vertritt, sieht diese Entwicklung äußerst kritisch. Laut ihrer Einschätzung lässt sich der steigende Notendruck in dieser Ausnahmesituation auf das bayerische Schulsystem zurückführen:

    "Das System ist so auf Leistung getrimmt, dass jede Lehrerin sagt: 'Ich geb' Gas, ich geb' Gas, ich schreib gleich noch drei Proben, damit ich ja genug Proben hab, bevor wir in den Lockdown gehen.' Darüber sollten wir bitte in aller Ruhe einmal reden, wenn wir irgendwann mal eine Zeit nach Corona haben: Wie pervers ist denn dieses Schulsystem? Was steckt denn da dahinter? Die Kinder drehen doch durch jetzt." Simone Fleischmann, BLLV-Vorsitzende

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