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Fridays-for-future-Proteste in München
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Autoren

Naemi Wolf
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Fridays-for-future-Proteste in München

Seit mehreren Wochen streiken Schülerinnen und Schüler rund um die Welt für mehr Klimaschutz. An vielen Schulen drohen Strafarbeiten und Verweise für die, die dem Unterricht fernbleiben. Wer unentschuldigt fehlt, bekommt laut bayerischer Schulordnung eine Note 6 bei Leistungsnachweisen. Die Schulordnung besagt: Schüler können sich zwar vom Unterricht befreien, allerdings nur durch einen schriftlichen Antrag in begründeten Einzelfällen. Was dazu zählt, steht nicht in der Schulordnung.

Kein Einheitlicher Umgang in bayerischen Schulen

Wie sie mit den Streikenden umgehen, liegt im Ermessen der Schule. In den bayerischen Schulen gibt es bisher keinen einheitlichen Umgang mit den demonstrierenden Schülern. Teilweise werden sie auf Antrag der Eltern vom Unterricht freigestellt, teilweise werden Sanktionen erteilt: es drohen das Nachsitzen, ein Gespräch mit den Lehrern oder ein Verweis.

Einige Schulen haben sogar eine Attestpflicht für den Freitag eingeführt oder drohen mit Note 6 bei unentschuldigtem Fehlen. Viele Schulen unterstützen aber auch das politische Engagement und erlauben die Teilnahme an den Demonstrationen. Zusammen mit Lehrern werden auch Exkursionen zu den Kundgebungen organisiert.

"Muss es wirklich in der Schulzeit sein?"

Susanne Arndt, Vorstandsvorsitzende der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern, sagte auf BR-Anfrage: "Politisches Engagement von Schülerinnen und Schülern ist gut, richtig und wichtig. Die Politik sollte auf Schüler hören und diese ernst nehmen. Einmalige Demonstrationen während der Schulzeit reichen als Zeichen oder Signal aus - danach sollte man die Demonstrationen außerhalb der Unterrichtszeit legen." Es gebe schließlich eine Schulpflicht, der nachgekommen werden müsse.

Kulturministerium verweist auf die Schulpflicht

Das Kultusministerium lobt den Protest der Schüler als ehrenwert. Die Demonstrationen an sich seien toll. Auf der anderen Seite gebe es auch eine Schulpflicht und da stehe der Staat in der Verantwortung, sagt Minister Michael Piazolo (Freie Wähler): "Da gibt es kein Schwarz oder Weiß, sondern da gilt es, auf die einzelnen Vorkommnisse zu reagieren."

Was aber, wenn bald noch mehr Teenager demonstrieren? Der Kultusminister bleibt gelassen. Natürlich machen sich Gedanken darüber. Aber Piazolo sagt auch: "Da gibt es eine Bandbreite von Reaktionsmöglichkeiten, die wird auch ausgeschöpft, aber es ist aus meiner Sicht auch sehr vernünftig, auf unterschiedliche Aktionen auch auf unterschiedliche Art und Weise zu reagieren."

Schüler die sich bereits vor den "Fridays for Future"-Demonstrationen für Klimaschutz eingesetzt hätten und sich frühzeitig befreien haben lassen, müssten anders behandelt werden als solche, die einfach dem Unterricht fernblieben. Unentschuldigte Schüler riskieren aber die Note 6, verdeutlicht Daniel Otto, Sprecher des Bayerischen Kultusministeriums.

Verlegung einiger Streiks auf den Nachmittag

Einige Organisatoren haben sich wegen der unklaren Situation entschieden, die Demonstrationen auf den Nachmittag zu legen. Viele Schülerinnen und Schüler wollen an den Demonstrationen teilnehmen, fürchten aber die negativen Sanktionen von Lehrern und Schule. In Ingolstadt und Herzogenaurach etwa begannen die Demonstrationen nun erst um 13 Uhr.