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Hof hat nach wie vor mit sehr hohen Inzidenzen zu kämpfen. In den Kitas ist eigentlich nur Notbetrieb vorgesehen, doch die Gruppen waren zu voll. Ab sofort dürfen nur noch Kinder in die Kita, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten.

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Notbetreuung in Kitas: "Kinder trauen sich nicht mehr zu niesen"

Wegen der hohen Inzidenzwerte dürfen in der Region Hof nur noch ganz wenige Kinder in die Notbetreuungen der Kitas. Für Eltern und Kinder hat das gravierende Folgen. Dennoch sehnen viele einen noch härteren Lockdown herbei.

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Von
  • Annerose Zuber

Ein zwei Jahre altes Mädchen sitzt auf der Schaukel der Kita St. Konrad in Hof: Alleine - weit und breit ist kein anderes Kind, mit dem sie spielen könnte. Denn die Notbetreuungen in Kitas und Schulen sind seit Montag weitgehend geschlossen. Nur noch Eltern aus dem Lebensmittelhandel, der Pflege, der Polizei oder anderen sogenannten systemrelevanten Branchen können ihre Kinder betreuen lassen.

Inzidenzwert tagelang über dem Wert 500

Zu diesem drastischen Schritt haben sich Stadt und Landkreis Hof angesichts der anhaltend hohen Corona-Fallzahlen entschieden. Sie lagen vor zehn Tagen bei weit über 500, inzwischen ist die Inzidenz auf 305 zurückgegangen.

Angespannte Situation bei Eltern in Hof

In der Kita St. Konrad gibt es eigentlich Platz für 92 Jungen und Mädchen. Jetzt sind nur noch vier bis sechs Kinder da, am Nachmittag oft auch nur ein einziges Mädchen. Die Situation für die Familien ist angespannter denn je.

"Viele Eltern haben Existenzängste. Sie fürchten, ihren Job zu verlieren, wenn ihre Kinder nicht mehr in die Kita kommen können." Elke Wendte, Kita St. Konrad

Nicht jeder könne ins Homeoffice wechseln, heißt es - und selbst wenn: Arbeiten, wenn gleichzeitig Zwei- oder Vierjährige durch die Wohnung hüpfen, gestaltet sich als schwierig. Doch auch das Angebot der "Kinderbetreuungstage" und das Kinderkrankengeld nutzen viele Eltern nicht. Viele Eltern wüssten immer noch zu wenig über die Unterstützungsangebote des Staats, so Stefanie Schulze, Sprecherin des Landkreises Hof.

Hoher Druck auf Betriebe in der Corona-Pandemie

Aber auch der Druck auf die Mitarbeiter sei angesichts der Corona-Krise in vielen Betrieben hoch. Viele Mütter und Väter nutzen darum die bis zu 40 zusätzlichen Krankheitstage nicht, die ihnen aufgrund der Pandemie zur Kinderbetreuung gesetzlich zustehen. Das bestätigt im BR-Gespräch auch Manuel Wohlrab von der Kindertagesstätte "Lamikita" in Rehau.

Kinder in Hof trauen sich nicht mehr zu niesen

Seit über 150 Tagen liegt der Inzidenzwert in der Region Hof nun schon über dem Wert 100. Die Intensivstationen meldeten extreme Belastungen. Corona ist Dauerthema – nicht nur in den Nachrichten, sondern auch in vielen Familien. Und das hat auch Auswirkungen auf die Kinder. Viele Erzieherinnen und Erzieher machen sich große Sorgen.

"Manche Kinder trauen sich schon gar nicht mehr zu niesen. Sie sagen dann sofort, nein, ich habe kein Corona. Bitte rufe nicht die Mama an, sonst dürfen die nicht mehr in die Arbeit." Elke Wendte, Kita St. Konrad in Hof

Die Einrichtungen halten trotz monatelanger Schließung Kontakt zu den Familien. Elke Wendte und ihr Team telefonieren regelmäßig mit Eltern und Kindern. Dazu gibt es Basteltüten, die die Familien an der Tür abholen können und einen Austausch zum Beispiel via Facebook. Eine Art "digitalen Stuhlkreis" bietet zum Beispiel die "Lamikita" in Rehau. Über das Tablet können Kinder und Eltern dort jeden Tag Experimente sehen, Vorlesestunden besuchen oder Yoga exerzieren. Auch digitale Einzelsprechstunden zwischen Erziehern und Eltern sind möglich.

Viele Kinder in der Notbetreuung trotz hoher Inzidenzwerte

Grundsätzlich habe der Großteil der Eltern durchaus Verständnis für die Einschränkungen bei Notbetreuung, heißt es. Denn der Alltag in den letzten Monaten war nicht immer einfach. Immer wieder mussten komplette Gruppen in Quarantäne, weil sich zum Beispiel Eltern am Arbeitsplatz angesteckt hatten und schließlich auch Kinder positiv getestet wurden. Zu viele Familien hatten die Notbetreuungen genutzt. Teilweise waren die Einrichtungen in Stadt und Landkreis Hof zur Hälfte ausgebucht.

Eltern fordern härteren Lockdown in Hof

Viele Familien würden angesichts der aktuellen Situation sogar für einen noch härteren Lockdown plädieren, hört nicht nur Kita-Leiterin Elke Wendte immer wieder. Denn nur so, hofften viele in der Region Hof, könnten die Zahlen auch langfristig gesenkt werden. Und wenn nicht nur die Kitas geschlossen seien, sondern auch die Betriebe, sei die Betreuung in den Familien auch einfacher.

Kinder in Hof seit Dezember nicht mehr in der Schule

Da viele Kinder in Stadt und Landkreis Hof seit Dezember weder in den Kindergarten noch in die Schule durften, machen sich die Eltern auch Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder – um Themen wie Einschulung, den Übertritt an eine weiterführende Schule oder die Abschlussprüfungen. Deshalb hat der Hofer SPD-Landtags-Abgeordnete Klaus Adelt nun eine Videokonferenz mit Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) und Hofer Eltern gefordert. "Wir nehmen die Sorgen ernst und schauen, was wir ermöglichen können", so ein Sprecher des Kultusministeriums dazu auf BR-Anfrage.

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Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Sebastian Kahnert

Wegen hoher Inzidenzwerte haben die Kinder-Notbetreuungen in Hof weitgehend geschlossen. Das hat zum Teil massive Auswirkungen

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