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Bildrechte: BR/Norbert Steiche

Zum Start der nordischen Ski-WM in Oberstdorf fiebert der WSV Oberweißenbrunn in der Rhön mit. Die Unterfranken war einst "berühmtester Wintersportverein in Deutschland".

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Nordische Ski-WM in Oberstdorf: WSV Oberweißenbrunn fiebert mit

Heute beginnen in Oberstdorf die nordischen Skiweltmeisterschaften - und der WSV Oberweißenbrunn fiebert mit. Der Verein hatte bereits Medaillengewinner. Grund: In den 1990er Jahren kümmerte sich der Verein um Sponsoren für ehemalige DDR-Athleten.

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Von
  • Norbert Steiche

In den 1990er Jahren war der WSV Oberweißenbrunn für ehemalige DDR-Langläufer die erste Adresse. So liefen unter anderem Olympia- und WM-Medaillengewinner wie René Sommerfeldt oder Andreas Schlütter für den Verein. Bei den nordischen Ski-Weltmeisterschaften 2001 im finnischen Lahti gewann René Sommerfeldt die Silbermedaille und später noch Bronze in der Staffel. Da war der gebürtige Langläufer aus Zittau - im Dreiländereck Deutschland, Polen und Tschechien - schon Mitglied beim WSV Oberweißenbrunn. Überrascht war Sommerfeldt, als er von den Rhönern am Münchner Flughafen empfangen wurde: Der Empfang sei grandios gewesen, ganz Oberweißenbrunn habe sich quasi in den Bus gesetzt und sei nach München gefahren. Die Blaskapelle habe ihn am Gate mit "Humba Humba Täterä" empfangen, sagte Sommerfeldt zwanzig Jahre später am Telefon gerührt.

WSV Oberweißenbrunn besorgte Sponsoren

Die Langläufer aus den neuen Bundesländern mussten sich im professionellen Hochleistungssport nach dem Fall der Mauer neu orientieren. Ihre Heimatvereine konnten das nicht leisten. Daher war Sponsoring und die Suche nach Werbepartnern wichtig. Die Macher vom WSV Oberweißenbrunn hatten ihre Kontakte und vermittelten kleine Werbeverträge. "Seit 1997/98 war der WSV der berühmteste bzw. der bestbekannteste Wintersportverein in Deutschland", sagt der damalige WSV-Vorsitzende Gustav Schrenk. Als dann in den Jahren 2003 und 2004 Vereine in den neuen Bundesländern wie Oberwiesenthal oder Oberhof wieder geeignete Strukturen aufgebaut hatten, seien die Sportler zu ihren ehemaligen Heimatvereinen zurückgekehrt.

Rhöner waren "nicht nur Vereinsmitglieder"

Andreas Schlütter schwärmt noch heute von den Mitgliedern des WSV Oberweißenbrunn. Gemeinsam mit Sommerfeldt gewann er in Lahti bei der WM 2001 Bronze in der Staffel. Für den gebürtigen Athleten aus Zella-Mehlis in Thüringen waren die Menschen vom WSV Oberweißenbrunn "nicht nur Vereinsmitglieder, sie waren einfach Freunde".

Einstige Stars bis heute noch im WSV Oberweißenbrunn

Ihre Mitgliedschaft haben René Sommerfeldt und Andreas Schlütter nie gekündigt. Andreas Schlütter ist heute sportlicher Leiter des Deutschen Skiverbands und damit beim WM-Start in Oberstdorf voll eingebunden. René Sommerfeldt arbeitet heute als Jugendtrainer beim Olympiastützpunkt Oberwiesenthal. Einmal hatte Andreas Schlütter sogar ein Sommertraining für den WSV Nachwuchs organisiert.

Skistars blieben immer geerdet

Abgehoben waren die WSV-Skistars aus der ehemaligen DDR nach ihren Erfolgen nie, sagen die beiden heutigen WSV-Lenker Ewald Simon und Ewald Reulbach. "Es gibt keine Langläufer, die arrogant sind, dafür erdet der Sport zu sehr, weil man sich alles erarbeiten muss," sagt Reulbach. Ewald Simon ergänzt: "Das spielt keine Rolle, ob jemand Weltmeister war oder Freizeitsportler, man unterhält sich, man tauscht sich aus, man ist eine große Familie, Skifamilie". Die Verbindung in die Rhön halte bis heute, sagt René Sommerfeldt. Es seien Freundschaften entstanden und er werde heute noch zu seinem Geburtstag angerufen, "teilweise kommen die Jungs und Mädel auch her".

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