Gründungsversammlung des Vereins "Archiv der Arbeiter*innen und Gewerkschaftsbewegung Raum Nürnberg e.V."
Bildrechte: BR/Julia Hofmann

In Nürnberg ist ein Verein für ein nordbayerisches Gewerkschaftsarchiv gegründet worden.

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Nordbayerisches Gewerkschaftsarchiv in Nürnberg gegründet

Erinnerungsstücke an viele Jahrzehnte Gewerkschaftsarbeit in Nordbayern: Streik-Armbinden, Mitgliederausweise und auch unzählige Schriftstücke. Sie erzählen eine wechselvolle Geschichte. Nun sollen die Schätze einen angemessenen Platz bekommen.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

In Nürnberg ist das "Archiv der Arbeiter*innen und Gewerkschaftsbewegung Raum Nürnberg e.V." gegründet worden. Es will die Gewerkschaftsgeschichte in Nordbayern aufarbeiten. Doch noch fehlen Räumlichkeiten und Geld.

Es ist viel zusammengekommen im Laufe der Zeit, sowohl im Depot des Nürnberger Gewerkschaftshauses als auch zu Hause bei einzelnen Gewerkschaftsmitgliedern. Es sind zum Teil ganz persönliche fotografische Erinnerungsstücke an ein Jahrzehnte lang andauerndes Engagement in der Gewerkschaft. Mit dabei sind aber auch Sitzungs- oder Verhandlungsprotokolle, Mitgliederausweise, alte Streik-Armbinden und andere Archivstücke, die viele Weichenstellungen im Arbeitskampf dokumentieren.

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Engagierte Zeitzeugen

Doch das geplante Archiv braucht auch die Mithilfe engagierter Zeitzeugen. Elvira Eytzinger-Hotze war ehrenamtliche Funktionärin der IG Medien und erinnert sich: "Seit meinem Lehreintritt in die Firma Maul und Co. war ich Mitglied in der Gewerkschaft – das sind jetzt über 50 Jahre." So wie bei ihr war auch bei Rolf Wagner, einem ehemaligen Geschäftsführer der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen, das Berufsleben von Anfang an eng mit der Gewerkschaft verknüpft. "Quasi am ersten Tage als Lehrling wurde ich gemeinsam mit den anderen Lehrlingen vom Betriebsratsvorsitzenden auf die Gewerkschaft angesprochen", so Rolf Wagner.

Gewerkschaftsmitglied vom ersten Arbeitstag an

Und bei Gerd Lobodda war die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft quasi Einstellungsbedingung, als er 1966 in der Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg eingestellt wurde. "Da musste ich ins Betriebsratsbüro, und dort ist mir gesagt worden, wenn du hier arbeiten willst, dann musst du hier unterschreiben, und des war die Mitgliedschaft zur IG Metall, die Mitgliedschaft zur SPD und die Mitgliedschaft zur Arbeiterwohlfahrt." Gerd Lobodda wird später zu einem kämpferischen Vorstandsmitglied der IG Metall, der alle Höhen und Tiefe der Gewerkschaftsarbeit durchlaufen musste.

Vorreiter-Rolle in Gewerkschaftsgeschichte

Schon Ende des 19. Jahrhunderts spielt Nürnberg für die Entwicklung der Gewerkschaften eine wichtige Rolle. 1894 wird hier bereits das erste Arbeitersekretariat des Landes gegründet. Diese Beratungsstellen für Arbeiter wurden von den Gewerkschaften zur arbeitsrechtlichen Beratung ihrer Mitglieder genutzt.

Fast 100 Jahre später, 1982, versammeln sich auf dem Nürnberger Hauptmarkt über 70.000 Demonstrierende zur DGB-Kundgebung zur Verteidigung des Sozialstaats – die bis dahin größte Demonstration in Bayern.

Solche Meilensteine im Arbeitskampf sollen jetzt in dem neuen Archiv bewahrt, wissenschaftlich ausgewertet und der Forschung sowie der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden.

Aus der Vergangenheit lernen

Die Rückbesinnung, wie das damals war, was die Gewerkschaft gemacht hat, welchen Einsatz sie geleistet hat, das alles sei wichtig für die Identität und für neue Entwicklungen, meint der ehemalige Journalist und Historiker Wolfgang Mayer. "Aufzuzeigen, dass es eben Entwicklungen gibt. Ich glaube, das ist wichtig, und das muss man dann letztendlich auch dokumentieren, indem man eben Material zusammensucht und ein Archiv aufbaut". Mayer selbst engagierte sich bei der IG Medien im Bundesvorstand.

Vielversprechender Start

Drei Jahre lang ist die Archivgründung vorbereitet worden. Die gut besuchte Gründungsversammlung ist ein vielversprechender Start für das "Archiv der Arbeiter*Innen und Gewerkschaftsbewegung" in Nürnberg. Die ehrenamtlich arbeitenden Vorstände macht sich jetzt auf die Suche nach Räumlichkeiten und Geldgebern.

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