BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Noch viel mehr Tests: Das sind Bayerns neue Corona-Beschlüsse | BR24

© BR

Die Staatsregierung will in jedem Landkreis ein Corona-Testzentrum einrichten. Das hat das Kabinett in Nürnberg beschlossen. Urlaubsrückkehrer sollen sich zweimal testen lassen müssen. Beraten wurde auch über den Schulbeginn.

49
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Noch viel mehr Tests: Das sind Bayerns neue Corona-Beschlüsse

Die Staatsregierung will in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt ein Corona-Testzentrum einrichten. Das beschloss das Kabinett in Nürnberg. Urlaubsrückkehrer sollen sich zweimal testen lassen müssen. Beraten wurde auch über den Schulbeginn.

49
Per Mail sharen

"Corona macht keine Ferien, keine Pause", erklärte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bei einer Pressekonferenz im Heimatministerium in Nürnberg. Gemeinsam mit Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) und Bildungsminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hat er bekanntgegeben, was die Ministerinnen und Minister bei einer zuvor einberufenen Videokonferenz beschlossen hatten.

Eine Pandemie sei ein mutierender Prozess, deshalb sei es ständig nötig nachzujustieren, so Söder. Corona werde immer präsenter, die Spätfolgen bei ehemals Infizierten immer sichtbarer und damit werde klar, so der Ministerpräsident: "Corona ist gefährlicher und heimtückischer als bisher angenommen." Um eine zweite Welle zu verhindern, sei es wichtig, zur Umsicht zurückzukehren und der wachsenden Unvernunft und dem Leichtsinn entgegenzutreten.

Söder: Von bayerischen Tests profitiert ganz Deutschland

Der Ministerpräsident stellte fest, dass viele Rückkehrer aus Nicht-Risikogebieten an den Rückreise-Teststationen positiv getestet wurden. Daher sollte die Teststrategie ausgeweitet und Risikogebiete immer wieder überdacht werden.

Dabei seien die Tests bei den Urlaubern nicht nur ein Dienst für Bayern, so Söder, sondern auch ein Service für ganz Deutschland. Denn von den 140 positiven Tests beträfen nur 40 Prozent Urlaubsrückkehrer aus Bayern. Er würde es befürworten, wenn auch andere Bundesländer an ihren Grenzen stärker testen würden.

Zwei-Stufen-Test soll eingeführt werden

Söder kündigte an, dass für Reiserückkehrer eine Doppelstrategie mit zwei verpflichtenden Tests gefahren werden soll: Ein erster Test soll bei der Rückkehr am Flughafen durchgeführt werden, fünf bis sechs Tage später sollen die Betroffenen nochmals getestet werden. Denn nur dann könne man ein sinnvolles Ergebnis erhalten.

"Wir brauchen mehr Testkapazitäten", so Söder, denn bei Schulbeginn und einer möglichen Grippewelle im Herbst werde die Lage schwieriger. Deshalb soll das Testsystem professionalisiert und ausgebaut werden: So sollen nicht nur Vertragsärzte die Corona-Tests durchführen, sondern auch rund 100 Testzentren in allen Landkreisen und kreisfreien Städten aufgebaut werden. Anfang Mai waren es 22.000 Tests pro Tag, jetzt seien es 55.000 Tests täglich – Ziel seien Ende August 200.000 Tests pro Tag.

Dank an Helfer an Test-Stationen

Bis heute seien 60.000 Tests an Autostationen, Hauptbahnhöfen und Flughäfen durchgeführt worden, so der Ministerpräsident. Dabei war die Positivrate bei Auto und Bahn höher als an Flughäfen. Diese Tests sollen nachhaltig fortgesetzt werden.

Besonders dankten Söder und auch Gesundheitsministerin Melanie Huml diesbezüglich den Hilfsorganisationen, die die Testreihen bisher übernommen hatten. Es sei gar nicht hoch genug einzuschätzen, wenn die Rettungskräfte in voller Schutzmontur bei 32 Grad Celsius die Tests an den Grenzstationen und Bahnhöfen durchführten.

Schnellere Test-Ergebnisse angekündigt

Diese Testreihen werden nun von Dienstleistern übernommen. Damit sollen vor allem auch der digitale Datenaustausch und schnellere Test-Ergebnisse ermöglicht sowie die Testkapazität erhöht werden. Melanie Huml erklärte, dass das Testzentrum am Flughafen München schon am Freitag an einen Dienstleister übergeben wurde, auf der Autobahn A3 finde die Übergabe am Nachmittag statt, auf der A93 morgen und an den Hauptbahnhöfen Nürnberg und München am Donnerstag.

© BR

Söder: Urlaubsrückkehrer sollen sich zweimal testen lassen müssen.

Reihentests in Altenheimen, nur getestete Saisonarbeiter

Erhöht werden sollen auch die Testungen in Senioren-, Alten- und Pflegeheimen sowie bei Saisonarbeitern. Dies sei eine Lehre aus dem Fall Mamming im niederbayerischen Landkreis Dingolfing-Landau. Dort scheine die Lage stabil, so Söder. Bereits über 250 Arbeiter und Arbeiterinnen seien wieder zurück nach Hause geschickt worden. Dadurch sei das Risiko deutlich minimiert worden.

Um solche Fälle in Zukunft zu vermeiden, sollen alle Betriebe, die mehr als zehn Saison-MitarbeiterInnen beschäftigen, einen Nachweis erbringen, dass alle Saisonarbeiter vor ihrer Anreise getestet wurden. Nur wenn ein negatives Testergebnis nachgewiesen werden kann, werde eine Arbeitserlaubnis erteilt, so Melanie Huml. Die Gesundheitsministerin verwies zudem darauf, dass auch die fleischverarbeitenden Betriebe und bayerischen Schlachthöfe durchgetestet worden seien. Dort seien bis auf einen einzigen positiven Befund in einem Zerlegebetrieb alle Tests negativ ausgefallen.

Entscheidung über Maskenpflicht im Unterricht am 1. September

Laut Söder und Kultusminister Michael Piazolo stehen klare Regeln für den bayerischen Schulbeginn am 8. September fest – allerdings werde es am 1. September diesbezüglich nochmals eine Sitzung geben. Dann könnten aktuelle Entwicklungen auch den Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen wieder beeinflussen. Auch Schüler, Eltern und Lehrer sollen dazu in die Staatskanzlei eingeladen werden, um die geeigneten Maßnahmen zu treffen. "Alle werden wir aber sicher nicht zufriedenstellen können", betonte der Ministerpräsident.

Es solle regelmäßigen Unterricht geben, aber er werde weiterhin "nicht ganz normal" laufen, sagte Söder. Der Schulbetrieb werde in jedem Bundesland der schwierigste Balanceakt: zwischen Bewahrung der Gesundheit und Erfüllung des Bildungsauftrags. Darüber, ob es eine Maskenpflicht auch im Unterricht geben soll, werde bei dem Schulgipfel Anfang September entschieden.

© BR

In vier Wochen fängt die Schule wieder an. Welche Konzepte hat das Kultusministerium für das kommende Schuljahr, was Corona angeht?

Plan für Schulbeginn

Ziel sei auf jeden Fall ein Regelbetrieb unter besonderen Hygienebedingungen: etwa feste Gruppen, spezielle Lüftungskonzepte, flexible Unterrichtseinteilungen. Außerdem sind mehrtägige Klassenfahrten bis Ende Januar ausgesetzt und es gelte weiterhin die Nies-und Hustenetikette. Zudem werden Möglichkeiten überdacht, wie die Schülerbeförderung – 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler kommen mit ÖPNV – entzerrt werden könne. Deshalb wurde eine Arbeitsgruppe des Kultusministeriums mit dem Verkehrsministerium gebildet. Eine Möglichkeit seien flexiblere Anfangszeiten und verschieden lange Schuleinheiten.

Corona-Tests für Lehrer im Vorfeld

Lehrer, Lehrerinnen und das gesamte Schulpersonal können sich freiwillig zwischen 24. August bis 18. September testen lassen. Wie diese Reihentestungen durchgeführt werden, sollen die Schulen selbst organisieren. Sollte es einen positiven Test geben, liege das weitere Vorgehen beim Gesundheitsamt, so Söder. Möglich seien zudem auch Tests bei Schülerinnen und Schülern. Dann sollten die Test-Ergebnisse innerhalb von 24 Stunden vorliegen, weil gerade die Lernenden schnelle Ergebnisse bräuchten.

Zuschauer bei Bundesligastart - unwahrscheinlich

Kaum Hoffnung machte Ministerpräsident Söder den Fußballfans hinsichtlich eines Bundesliga-Starts mit Zuschauern. "Bei vollen Stadien zum Bundesligastart bin ich äußerst skeptisch." Zwar hätte die Liga gute Ansätze für Hygienekonzepte und eine Durchführbarkeit vorgelegt, allerdings ist eine Umsetzung aus Söders Sicht nicht möglich. Für ihn hätten Spiele mit Zuschauern eine verheerende Wirkung für die Öffentlichkeit.

Ähnlich sieht er Groß-Konzerte. Solch ein Konzert mit 13.000 Zuschauern durchzuführen habe eine katastrophale Außenwirkung. Eine konkrete Veranstaltung nannte Söder zwar nicht, aber in Düsseldorf ist Anfang September ein Konzert vor 13.000 Zuschauern geplant. "Das geht gar nicht!", so Söder. So eine Veranstaltung habe eine fatale Signalwirkung, die die gesamte "Philosophie konterkariert".

© BR

In ganz Bayern soll es flächendeckend Corona-Testzentren geben. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt sollen solche Zentren eingerichtet werden. Der Präsident des Bayerischen Roten Kreuzes, Theo Zellner, hält das für einen guten Schritt.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!