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Noch ein Jahr bis zur Kommunalwahl in Bayern | BR24

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In einem Jahr werden vielerorts neue Bürgermeister, Landräte und Kommunalparlamente gewählt. Zwei neue OB's wird es definitiv in Nürnberg und Augsburg geben. Sorgen macht den Parteien schon heute die Besetzung ihrer Listen mit ausreichend Kandidaten.

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Noch ein Jahr bis zur Kommunalwahl in Bayern

In einem Jahr werden vielerorts neue Bürgermeister, Landräte und Kommunalparlamente gewählt. Zwei neue OB's wird es definitiv in Nürnberg und Augsburg geben. Sorgen macht den Parteien schon heute die Besetzung ihrer Listen mit ausreichend Kandidaten.

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Schon jetzt ist klar: an der Spitze von zwei großen bayerischen Städten wird in gut einem Jahr ein neuer Oberbürgermeister stehen. Sowohl Nürnbergs OB Ulrich Maly (SPD) als auch Augsburgs OB Kurt Gribl (CSU), haben angekündigt nicht mehr zu kandidieren. Und auch manch kleinere Kommune steht vor der Frage: Wer wird neuer Rathauschef.

"Ich werde in der nächsten Woche 66. Das heißt, bei der nächsten Wahl werde ich 67. Ich bin seit 1978 im Gemeinderat von Bach und seit drei Perioden als Bürgermeister tätig. Jetzt reicht es, meine Frau soll auch noch was von mir haben.“ Josef Peutler, Bürgermeister von Bach an der Donau

Der Entschluss von Josef Peutler steht also fest. Obwohl er von Gemeinderäten und vielen Bürgern gebeten und dazu gedrängt wurde, weiterzumachen. Das heißt: Es muss ein neuer Bürgermeisterkandidat für die 1.800 Einwohner-Gemeinde Bach an der Donau im Landkreis Regensburg her. Doch bislang konnte Peutler noch niemanden so recht davon überzeugen, in seine Fußstapfen zu treten.

Oft ein unbeliebtes Ehrenamt

Denn, wie in so vielen anderen kleinen Gemeinden, ist der Bürgermeister-Job ein Ehrenamt, für das man lediglich eine finanzielle Aufwandsentschädigung bekommt. Die bemisst sich an der Einwohnerzahl und wird vom Gemeinderat festgelegt.

"Es ist sehr schwierig, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu finden. Das hängt damit zusammen, wenn jemand in einem guten Arbeitsverhältnis ist, ist es äußerst schwierig den Job nebenbei zu machen. Und: Wenn jemand nach sechs Jahren nicht mehr gewählt wird, steht er auf der Straße und ist seinen Beruf los." Josef Peutler, Bürgermeister von Bach an der Donau

Es sei schon schwierig genug, die Listen für die normalen Gemeinderäte mit Kandidaten zu füllen, erzählt der ehemalige Bahnbeamte. Er ist CSU-Mitglied, vertritt aber als Bürgermeister in seinem Heimatort eine Gruppierung mit dem Namen "Christliche Bürgervereinigung".

Intensive Überzeugungsarbeit - bislang ohne Erfolg

Das erlebt auch Thomas Haslinger. Er ist Kreisvorsitzender der CSU in Landshut. Längst hat er damit begonnen, bei Mitgliedern seiner Partei aber auch bei Parteilosen dafür zu werben, für den Stadtrat zu kandidieren. Ein paar konnte er zwar bereits überzeugen, doch noch häufiger winken die Frauen und Männer ab. Aus drei Gründen:

"Man möchte sich nicht für eine spezielle Partei aufstellen lassen. Das zweite ist das Zeitproblem für viele, die im Berufsleben stehen. Und das dritte die Angst vor persönlichen Anfeindungen." Josef Peutler, Bürgermeister von Bach an der Donau

Grüne sehen sich im Vorteil und Aufwind

Die Grüne Sigi Hagl ist Stadtratskollegin von Haslinger - und sie ist Landesvorsitzende der Bayerischen Grünen. Weil es so schwierig ist, Kandidaten für die Kommunalwahl in einem Jahr zu finden, hat ihre Partei jetzt einen Werbespot produziert und ins Netz gestellt. Grundsätzlich haben die derzeit so erfolgreichen Grünen zwar kein Mobilisierungsproblem, aber sie gehen auch mit einem anderen Anspruch in die Wahlen als noch vor fünf Jahren.

"Richtig ist, dass wir bei den Kommunalwahlen 2014 es noch nicht geschafft haben, allerorts grüne Listen aufzustellen, uns zur Wahl zu stellen. Das wollen wir verändern und überall Gesicht zeigen. Das ist eine der strategischen Herausforderungen, vor denen wir jetzt stehen. Und ich bin sicher, dass wir 2020 unsere Anzahl der BürgermeisterInnen verstärken werden. Wir hatten Erfolge bei der letzten Kommunalwahl mit zwei grünen Landräten, diese Zahl wollen wir verdoppeln. Die Zeit ist auch für eine grüne Oberbürgermeisterin reif." Sigi Hagl, Landesvorsitzende der Grünen

SPD muss sich gegen grüne Konkurrenz behaupten

Dieser neue Anspruch und die größere Präsenz der Grünen vor Ort dürfte vor allem der SPD schaden. Die SPD-Landesvorsitzende Natascha Kohnen ist trotz der Landtagswahlschlappe optimistisch, dass sich wieder ausreichend SPD-Kandidaten aufstellen lassen - und dann auch gewählt werden.

Sie setzt ähnlich wie die Freien Wähler darauf, dass bei Kommunalwahlen vor allem die Persönlichkeiten vor Ort und nicht so sehr die Parteien im Vordergrund stehen, auch wenn mit Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly eine vermeintlich "sichere Bank" nicht mehr antritt.

"Wir sind schon ziemlich stark auf der kommunalen Ebene und unsere Leute sind vor Ort nicht nur auf der Suche. Aber: Man vernetzt sich in den Vereinen und in der gemeindlichen und städtischen Lebenswelt. Also suchen wir insbesondere Jüngere und Frauen, die sich engagieren möchten. Das läuft ganz gut, habe ich den Eindruck." Natascha Kohnen, Landesvorsitzende der SPD

Für die bayerische FDP könnte es vor allem in ländlichen Gebieten schwer werden, ausreichend Kandidaten zu finden. Dafür will sie sich um das ein oder andere Bürgermeisteramt bewerben. Und die AfD kündigte an, ihre Listen bei der Kommunalwahl auch für Nichtmitglieder zu öffnen.

Wahl in 365 Tagen

Bis zum 23. Januar 2020 haben die Parteien Zeit, ihre Kandidatenlisten mit Namen zu füllen. Auch Josef Peutler, der Bürgermeister von Bach an der Donau, hat damit noch ausreichend Zeit und Gelegenheiten, Überzeugungsarbeit bei einem potenziellen Nachfolger zu leisten.