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Das Regensburger Centrum für Interventionelle Immunologie (RCI) forscht an neuen Immuntherapien.
© Universitätsklinikum Regensburg
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Das Regensburger Centrum für Interventionelle Immunologie (RCI) forscht an neuen Immuntherapien.

Als das Nobel-Komitee Anfang Oktober die diesjährigen Preisträger bekannt gab, war Philipp Beckhove wenig überrascht. Die Auszeichnung an einen Amerikaner und einen Japaner für die Forschung an einer Immuntherapie gegen Krebs sei genau richtig, sagt der Regensburger Medizin-Professor.

"Wir haben alle darauf gewartet, dass das kommt. Das Nobel-Komitee hat eine echte Revolution ausgezeichnet, die da die letzten Jahre stattgefunden hat. Deshalb ist das eine absolut nachvollziehbare Entscheidung." Philipp Beckhove, Medizin-Professor

Immunsystem soll Krebs im Spätstadium heilen

Der Ansatz, mit dem Beckhove und andere Forscher weltweit heilen wollen, klingt vielversprechend: Das eigene Immunsystem des Körpers gegen den Krebs einsetzen. Schon heute ist die Immuntherapie zum Beispiel bei Lungenkrebs und schwarzem Hautkrebs hilfreich. Auch der Einsatz gegen andere Krebsarten wird erprobt. Vor allem in einem späten Stadium, in dem der Krebs bereits zahlreiche Metastasen gebildet hat, kann das eigene Immunsystem die letzte Hoffnung für Patienten sein.

Veränderung von Immunzellen

Damit die eigenen Abwehrzellen den Krebs bekämpfen können, müssen die Ärzte sie unterstützen. Der Krebs kann das Immunsystem austricksen. Deshalb müssen Stoffe, die der Krebs abgibt und das Immunsystem bremsen, ausgeschalten werden. Für diesen Ansatz gab es dieses Jahr den Nobelpreis. Beckhove geht mit seinem Team noch einen Schritt weiter: Die Forscher entnehmen den Patienten Immunzellen und verändern diese genetisch. Dann werden sie dem Patienten wieder verabreicht. Die umprogrammierten Zellen lernen dadurch, den Krebs besser zu erkennen und ihn effektiv zu bekämpfen - mit bis zu 800 verschiedenen Substanzen, die Abwehrzellen in sich selbst herstellen können.

"Immunzellen sind mobile Medikamentenfabriken, die lokal wirken. Sie gehen dahin, wo die Krankheit ist. Wir bekommen also eine zielgerichtete Therapie." Philipp Beckhove, Medizin-Professor

Gesunde Zellen werden geschont

Anders als eine Chemo-Therapie, die auch den gesunden Rest des Körpers angreift, sollen die veränderten Immunzellen nur den Tumor allein angreifen. Um weitere Nebenwirkungen auszuschalten, ist aber noch viel Forschungsarbeit notwendig. Auch um die heute noch sehr teure Therapie für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen. Die Regensburger Forscher wollen dazu ihren Beitrag leisten.