BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Nische: Kleine Biogasanlagen mit Gülle rentieren sich noch | BR24

© pa/dpa/Uwe Anspach

Biogas strömt durch Rohr

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Nische: Kleine Biogasanlagen mit Gülle rentieren sich noch

Mit großen Biogasanlagen einen Gewinn zu erwirtschaften, ist schwieriger geworden, weil Ausschreibungen den Strompreis drücken. Es gibt jedoch für Bauern noch eine Nische: Kleine Biogasanlagen, die Gülle vergären. Sie werden weiter hoch gefördert.

Per Mail sharen

Biogas aus Gülle ist deutlich umweltfreundlicher als das weit verbreitete Biogas aus Mais. Das Förderregime der Bundesregierung begünstigt deshalb Gülle-Anlagen. Für Landwirte, die ins Energiegeschäft einsteigen wollen, sind sie weiter eine Alternative.

Erneuerbare Kraftwerke stehen unter Preisdruck durch Ausschreibungen

Generell gilt: Die Zeiten, in denen man erneuerbaren Strom einfach nur ins Netz einspeisen musste und automatisch eine garantierte Einspeisevergütung bekommen hat, sind vorbei. Erneuerbare-Energien-Kraftwerke müssen sich inzwischen in Ausschreibungen der Bundesnetzagentur durchsetzen, der billigste Anbieter bekommt den Zuschlag. Das gilt auch für die meisten Biogasanlagen. Vielen potentiellen Betreibern ist der angebotene Preis von maximal 16,56 Cent pro Kilowattstunde offenbar zu niedrig: In den bisherigen Ausschreibungen für Biomasseanlagen seit 2017 gab es nie genug Interesse für die ausgeschriebene Leistung.

Extra-Vergütung für Biogas-Strom aus Gülle

Es gibt jedoch eine Ausnahme: Kleine Biogasanlagen bis 75 Kilowatt Leistung, die mindestens 80 Prozent Gülle und Mist als Substrat einsetzen, müssen sich nicht den Ausschreibungen stellen, und bekommen einen extra hohen Preis von 23 Cent pro Kilowattstunde für ihren Strom. Zielgruppe sind Tierhalter, die sich etwas dazu verdienen wollen. Eine solche Anlage vergärt die Ausscheidungen von 130 bis 300 Rindern. Was dem Klimaschutz dient: Wenn die Gülle in die Biogasanlage kommt, vermindert das den Ausstoß von Methan, einem besonders schädlichen Klimagas. Stattdessen wird Kohlendioxid ausgestoßen.

Deutschlandweit gibt es derzeit nach Angaben des Fachverbands Biogas etwa 900 solcher Gülle-Kleinanlagen. Und es kommen jährlich etwa 100 neue dazu, im Jahr 2016 waren es sogar 186.

Viele Milchviehhalter wollen Gülle loswerden

Weiteres Wachstumspotenzial ist da, denn Rohstoff gäbe es noch genug: Erst ein Viertel der in Deutschland anfallenden Gülle wird laut Verband in Biogasanlagen verwertet. Und in Regionen wie Rosenheim haben Milchviehbetriebe großes Interesse daran, ihre Gülle loszuwerden. Im Vergleich zu Mais ist sie deshalb günstig zu haben. Dabei ist es sinnvoll, viele kleine Biogasanlagen übers Land zu verteilen, denn weil Gülle hauptsächlich aus Wasser besteht, lohnt es sich nicht, sie über weite Strecken zu transportieren. Mehr als zehn Kilometer Entfernung vom Tierhalter zur Biogasanlage sollten es deshalb nicht sein.

Vergütung für die meisten Biogasanlagen ist noch auf Jahre festgeschrieben

Große Biogasanlagen stehen unter stärkerem Preisdruck als kleine. Wenn die Subventionen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht wieder steigen, werden sich nur die profitableren unter den Bestandsanlagen halten, wenn ihre garantierte Vergütung nach 20 Jahren ausläuft. Dabei kommt es zum Beispiel darauf an, ob ein Biogasbauer neben dem Strom auch die Wärme vermarktet, und zu welchem Preis. Die ersten Biogasanlagen nach EEG gingen im Jahr 2000 ans Netz, für sie läuft die alte Vergütung heuer aus. Es handelt sich dabei laut Fachverband Biogas jedoch um vergleichsweise wenige Anlagen. Erst in fünf Jahren erreicht eine größere Zahl von Biogasanlagen das Ende ihres EEG-Garantiezeitraums. Die meisten derzeit laufenden Anlagen stammen aus den Jahren 2009 bis 2011, sie haben noch ein Jahrzehnt Zeit, bevor die Vergütung gekappt wird.

© BR

Die bayrischen Biogasbauern bangen um ihre Zukunft. Die letzten 20 Jahre ließ sich auch mit Energie, mit Biogas, als Landwirt gut Geld verdienen.