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Thermalbecken der Wohlfühltherme in Bad Griesbach

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Niederbayerische Kurorte und die Angst vor dem zweiten Lockdown

Im Frühjahr mussten Niederbayerns Thermen Pandemie-bedingt schließen. Erst im Juni lief der Betrieb wieder langsam an. Jetzt geht die Angst vor einem zweiten Lockdown um. Zum Beispiel in Bad Griesbach im Landkreis Passau.

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Von
  • Martin Gruber
  • BR24 Redaktion

Bäderorte in Not: Wegen der Corona-Pandemie mussten im Frühjahr Niederbayerns Thermen schließen. Auch wenn im Juni der Betrieb wieder langsam anlief, bekamen Hotels und Gastronomie die Folgen zu spüren. In Bad Griesbach im Kreis Passau würden viele einen zweiten Lockdown nicht überleben.

Gästezahl hat sich mehr als halbiert

Normalerweise kommen am Tag 1.500 Badegäste und Wellnessfreunde in die Wohlfühltherme nach Bad Griesbach. Sie bleiben für einen Tag - Gäste aus den umliegenden Hotels besuchen den Thermal- und Saunabereich auch mehrere Tage hintereinander. Die Zeiten haben sich jedoch geändert. Werkleiter Franz Altmannsperger rechnet momentan mit 600 bis 700 Besuchern: "Damit wäre ich schon zufrieden. Mehr werden es nicht."

Schadensbegrenzung nach dem Lockdown

Der Aufwand ist dennoch groß: Bademeister überwachen die Hygieneregeln, Mitarbeiter desinfizieren jede Liege. Den Gästen jede Unsicherheit nehmen, so die Devise. Nach dem Lockdown von März bis Juni ging das Geschäft in den Bäderorten im Sommer etwas besser. Trotzdem ist die Bilanz in diesem Jahr kaum mehr zu retten. Klar werde man ein Defizit machen, weiß Altmannsperger. Sollte das restliche Jahr noch gut laufen, sei das lediglich Schadensbegrenzung.

Ein Jahr zum Vergessen

Ein Jahr zum Vergessen - hört man auch von den Bad Griesbacher Hoteliers. Alois Hartl, Hotel-Pionier im Rottal, hat schon viel erlebt. Unter anderem die Gesundheitsreform, aber so etwas wie in diesem Jahr habe er noch nicht durchgemacht: vier Monate Totalschließung, viele Mitarbeiter in Kurzarbeit.

"Unser Hotel hatte trotzdem 150.000 Euro monatliche Grundkosten. Das holst Du nie wieder auf. Die meisten Wellnesshäuser haben Ihre Rücklagen bereits aufgebraucht." Alois Hartl, Hotelier im Rottal

Ein weiterer Lockdown wäre für viele Hotels in den niederbayerischen Kurorten der Todesstoß, mutmaßt Hartl. Bestätigung bekommt er von Irene Mayer-Jobst, die Hoteldirektorin im "Maximilian" ist. Eine weitere vorübergehende Schließung würde auch für ihren Betrieb das Aus bedeuten. Nicht einmal die Hälfte der Hotels würde überleben, so die Chefin.

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Alois Hartl ist sich im BR-Interview sicher: Ein zweiter Lockdown wäre für alle Betriebe das Todesurteil.

Wandern und Biken für die Jüngeren

Das warme Wasser und seine heilende Wirkung sind das "Gold" der Thermenregion. Vor Kurzem zählte Bad Griesbach wieder über eine Millionen Übernachtungen. Davon werde man 2020 weit weg sein, befürchtet Tourismusdirektor Dieter Weinzierl. Vielleicht komme man mit einem blauen Auge davon.

"Das hängt davon ab, wie die nächsten beiden Monate laufen. Die aktuellen Inzidenzzahlen lassen nichts Gutes ahnen." Dieter Weinzierl, Tourismusdirektor

Hoffnung mache, dass der Wander- und Radfahrtourismus stark angezogen hätten. Hier sei die Stadt groß in die Werbung gegangen und habe über Social Media verstärkt jüngeres Publikum angesprochen.

Bürgermeister Fundke erwartet mehr Unterstützung

Bürgermeister Jürgen Fundke (ÜW) hofft weiter auf staatliche Hilfen. Füssing, Birnbach und Griesbach hätten zusammen fünf Millionen Übernachtungen. Da könne sich jeder ausrechnen, was das für eine Wirtschaftskraft ist.

"Ganz ehrlich: Ich erwarte mir mehr Unterstützung. Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Regierung egal ist, was mit den Kurorten passiert." Jürgen Fundke, Bürgermeister von Bad Griesbach

Franz Altmannsperger, der Bäder-Chef, hat die Hoffnung auf eine halbwegs gute Saison dennoch nicht verloren: "Diese Hoffnung habe ich. Denn die Leute brauchen unser Heilwasser."

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