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"Nie wieder": Gedenken an die Befreiung des KZ Dachau | BR24

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"Nie wieder" - Gedenken zur Befreiung des Konzentrationslagers Dachau

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"Nie wieder": Gedenken an die Befreiung des KZ Dachau

Mit einer Gedenkfeier auf dem ehemaligen Lagergelände ist am Sonntag an die Befreiung des KZ Dachau vor 74 Jahren erinnert worden. Zu der Veranstaltung kamen auch einige der letzten Überlebenden des Konzentrationslagers.

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Im Rahmen der Gedenkfeierlichkeiten zum 74. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau kehrten auch einige wenige Überlebende noch einmal zurück an den Ort ihres Leidens, unter ihnen Jean Samuel, langjähriger Präsident des internationalen Dachau-Komitees.

"Während unserer Zeit in Dachau mussten wir viel erdulden: Zwangsarbeit, Hunger, Schikane. Natürlich liegt uns die Freiheit besonders am Herzen, die uns geraubt wurde, und der Schutz des Menschen vor jeder Form der Unterdrückung." Jean Samuel, Überlebender

Warnung vor zunehmendem Rechtsextremismus

Umso beunruhigender, dass in Deutschland und in Europa rechtsextreme Kräfte immer stärker werden, sagt der Vorsitzende der Lagergemeinschaft Dachau, Ernst Grube. Grubes Onkel war in einem Dachauer Außenlager ermordet worden, er selbst als Kind ins KZ Theresienstadt deportiert.

"Unfassbar, was nun heute an Rechtsextremismus und Nazi-Ideologie verbreitet wird. Und insofern hat dieser Ort als ein Ort der Erinnerung und des Lernens auch für unsere Jugend eine ungeheuer wichtige Bedeutung." Ernst Grube, Vorsitzender Lagergemeinschaft Dachau

Charlotte Knobloch: "Nie wieder" muss "nie wieder" bleiben

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, warnte im Rahmen der Feierlichkeiten vor einer Gefährdung der Freiheit. Bei einer Gedenkstunde am jüdischen Mahnmal in der KZ-Gedenkstätte sagte sie, die vergangenen Jahre hätten gezeigt, wie leicht demokratische Freiheiten bedroht sein könnten.

Dabei sei der Rechtsextremismus nicht das einzige politische Milieu, das Judenhass zumindest toleriere. So gebe es auch in anderen Teilen der Gesellschaft "Tendenzen, antisemitische Meinungen zu akzeptieren und zu verbreiten", insbesondere mit Bezug auf den Staat Israel. Die gesamte Gesellschaft und insbesondere die jüngeren Generationen seien hier gefragt: "Nie wieder" muss "nie wieder" bleiben", sagte Knobloch.

Orte der Erinnerung wichtig zur Demokratie-Erziehung

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, warnte davor, die Errungenschaften und Werte des Grundgesetzes für selbstverständlich zu halten: "Es wird zunehmend klar, dass sich jede Generation wieder neu die demokratischen Werte erarbeiten und mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzen muss. Das ist kein Selbstläufer", betonte Schuster. Als Orte der Erinnerung und der Demokratie-Erziehung bräuchten die Gedenkstätten deshalb eine langfristig gesicherte Finanzierung, forderte Josef Schuster.

Für die bayerische Staatsregierung erklärte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler): "Klar muss sein: Fremdenfeindlichkeit und Extremismus haben in unserer Gesellschaft keinen Platz!" Bayern setze auf eine aktive Erinnerungsarbeit.

"Jahrestage wie der der Befreiung des KZ Dachau sind uns eine Mahnung: Wir alle gemeinsam müssen dafür sorgen, dass sich derartige Verbrechen niemals wiederholen!" Michael Piazolo, bayerischer Kultusminister

Den Abschluss bildete eine Gedenkstunde am ehemaligen SS-Schießplatz Hebertshausen, wo die SS Tausende russische Kriegsgefangene ermordete.

💡 Das ehemalige KZ Dachau

Das KZ Dachau war eines der ersten Konzentrationslager der Nationalsozialisten. Von seiner Errichtung im März 1933 bis zur Befreiung durch die US-Armee im Frühjahr 1945 inhaftierten die Nazis dort rund 200.000 Menschen, etwa 43.000 von ihnen wurden ermordet. Die ersten Häftlinge waren vor allem politische Gegner der Nazis wie Kommunisten, Sozialisten, Gewerkschafter und bürgerliche Politiker, später kamen auch andere Opfergruppen hinzu wie Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle und Geistliche. Nach Kriegsbeginn wurden Tausende Nazigegner aus ganz Europa nach Dachau verschleppt.

Das KZ Dachau wurde Tatort des Holocaust, so als in den Außenlagerkomplexen rund um Landsberg am Lech und Mühldorf am Inn Tausende Juden durch Arbeit vernichtet wurden. Der Name Dachau steht bis heute in der ganzen Welt als Synonym für die Verbrechen der Nationalsozialisten. Das KZ Dachau gilt zudem als "Schule der Mörder", denn dort lernte das spätere Personal der Vernichtungslager in Osteuropa sein grausames Handwerk.

Am 29. April 1945 befreiten amerikanische Truppen die Überlebenden.

(erklärt von Thies Marsen, BR24)

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Mit einer Gedenkfeier ist heute an die Befreiung des KZ Dachau vor 74 Jahren erinnert worden. Es war eines der ersten Konzentrationslager der Nazis.