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#NichtWurscht: Fakten über die Fleischeslust der Bayern | BR24

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Wie viel Fleisch ist gesund für Mensch, Tier und Umwelt? Darüber wollen wir bei #NichtWurscht diskutieren. Sind die Bayern wirklich passionierte "Fleischfresser" - wie das Klischee oft nahelegt? Die wichtigsten Fakten zum Thema.

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#NichtWurscht: Fakten über die Fleischeslust der Bayern

Wie viel Fleisch ist gesund für Mensch, Tier und Umwelt? Darüber wollen wir bei #NichtWurscht diskutieren. Sind die Bayern wirklich passionierte "Fleischfresser" – wie das Klischee oft nahelegt? Die wichtigsten Fakten zum Thema.

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Lebensmittelskandale wie bei Bayern-Ei, steigende Massentierhaltung bei Geflügel oder Schweinen, Diskussionen um Tierquälerei: Immer mehr Menschen in Bayern machen sich Gedanken über das, was täglich auf den Tisch kommt. Seit Jahren steigt die Zahl der Vegetarier und Veganer, auch im Freistaat. Selbst große Fastfood-Ketten werben inzwischen mit "Veggie"-Produkten.

Weniger Metzger, mehr Billigfleisch

Gleichzeitig bleibt der Fleischkonsum hoch. Vom örtlichen Metzger kommen Weißwürste und Schnitzel allerdings oft nicht mehr – ihre Zahl ging in Bayern in den vergangenen zehn Jahren von 4.900 auf unter 3.500 Betriebe zurück. Stattdessen boomt Billigfleisch vom Discounter. "An Weihnachten und an Ostern gehen viele zum Metzger", sagt Lars Bubnick, Geschäftsführer des bayerischen Fleischerverbands. Aber im Alltag werde gespart: "Die Leute kaufen sich eine Grillstation für 3.000 Euro und legen dann ein Nackensteak für 99 Cent drauf."

Doch wie stehen die Deutschen und speziell die Bayern beim Fleischkonsum tatsächlich da? Hier gibt es erstmal die wichtigsten Fakten zum Thema.

Essen die Deutschen immer mehr Fleisch?

Nein. Seit dem Jahr 2000 ist der Fleischkonsum in Deutschland weitgehend konstant bei jährlich etwa 60 Kilogramm pro Kopf, so die Zahlen des Bundesverbands der Deutschen Fleischwarenindustrie. Im Vergleich zu den Zahlen von vor 2000 ist der Konsum sogar leicht gesunken: 1990 waren es noch durchschnittlich 66,3 Kilogramm pro Kopf.

Wie viel Fleisch essen die Bayern?

Vergleichsweise viel, aber Bayern ist nicht die Spitze beim Fleischkonsum in Deutschland. Laut dem Fleischatlas 2016 der Heinrich-Böll-Stiftung verzehrten bayerische Männer im Schnitt 167 Gramm Fleisch und Wurst pro Tag, das macht Platz fünf im bundesweiten Ländervergleich. Bei den Frauen waren es 85 Gramm pro Tag (Platz sechs). Mehr Fleisch konsumieren zum Beispiel die Sachsen, Thüringer oder die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern.

Bei Milch und Käse liegt Bayern im unteren Mittelfeld. Männer konsumierten 2016 insgesamt 242 Gramm pro Tag (Platz zehn), Frauen 230 Gramm pro Tag (Platz zwölf).

Besonders groß ist die "Fleischeslust" auf den bayerischen Volksfesten, allerdings ist auch da der Trend rückläufig. So wurden in den vergangenen Jahren auf dem Münchner Oktoberfest im Schnitt jeweils rund eine halbe Million Hendl verzehrt, in den 80er- und 90er-Jahren waren es bis zu 800.000. Auch der Verzehr von Schweinswürsteln auf der Wiesn hat sich seit den 90er-Jahren nahezu halbiert.

Wie viele Tiere werden bei uns geschlachtet?

Bundesweit wurden 2018 nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 56,6 Millionen Schweine geschlachtet, 3,4 Millionen Rinder, 1,1 Millionen Schafe und etwa 710 Millionen Stück Geflügel. Während die Zahlen bei Rindern und Schafen in den vergangenen Jahren gesunken sind, sind sie bei den Schweinen deutlich angestiegen.

Allein in Bayern wurden im März 2019 fast 390.000 Schweine inländischer Herkunft geschlachtet, dazu 1.000 Ochsen, über 27.000 Bullen und 34.000 Kühe.

Welche Haltung haben die Menschen zum Fleischkonsum?

In einer aktuellen Umfrage im Fleischatlas 2018 der Heinrich-Böll-Stiftung geben 64 Prozent der Deutschen an, dass sie mehr Geld für Fleisch bezahlen würden, wenn sie dann sicher sein könnten, dass die Haltungsbedingungen für die Tiere dadurch wirklich besser würden. Rund 27 Prozent geben aber auch an, nicht zu wissen, wo sie Fleisch aus artgerechter Haltung kaufen können. 34 Prozent achten beim Kauf von Fleisch auf Sonderangebote. Über 80 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass viele zwar Tierwohl für wichtig halten würden, beim Kauf aber vor allem den Preis im Blick haben.

Was raten Ernährungsexperten?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt in ihren zehn Regeln für eine ausgewogene Ernährung, die gesamte Lebensmittelvielfalt zu genießen – mit einem klaren Schwerpunkt auf pflanzlichen Lebensmitteln. Aber: Tierische Produkte gehören laut DGE zu einer ausgewogenen Ernährung sehr wohl dazu. Milch und Milchprodukte sollten demnach täglich gegessen werden (ca. 150 Gramm/Tag), Fisch ein- bis zweimal pro Woche. Fleisch und Wurst sollten dagegen nur selten gegessen werden, etwa 300 bis maximal 600 Gramm pro Woche. Diese geringe Menge erleichtert laut Experten die Versorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen. Der menschliche Körper könne diese Nährstoffe aus dem Fleisch teilweise besser aufnehmen und verwerten als aus pflanzlichen Lebensmitteln.

Eine rein vegane Ernährung sieht die DGE deshalb kritisch. Vegan lebende Erwachsene sollten dauerhaft ein Vitamin-B12-Präparat einnehmen, gegebenenfalls auch weitere Vitaminpräparate. Für Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kinder und Jugendliche wird eine vegane Ernährung von der DGE nicht empfohlen.

#NichtWurscht: Diskutieren Sie am 10. Mai mit im Livestream!

Wie stehen Sie zum Thema Fleisch und Fleischverzicht? Diskutieren Sie mit uns heute um 10.30 Uhr auf dem Bauernmarkt in Bad Tölz. Für jeden, der vorbeikommt, haben wir eine (vegane) Wurst. Wenn Sie nicht nach Bad Tölz kommen können, besuchen Sie uns auf Facebook und sagen uns dort Ihre Meinung . Wir streamen das Event live.