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© Museen der Stadt Nürnberg, Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände; Foto: Stefan Meyer Architekturfotografie Nürnberg/ Berlin
Bildrechte: Museen der Stadt Nürnberg, Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände; Foto: Stefan Meyer Architekturfotografie Nürnberg/ Berlin

"Es wäre naiv zu glauben im Sommer sind die Museen voll", sagt der Leiter der Städtischen Museen Nürnberg

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    Nicht systemrelevant: Museen stehen nach Corona vor Neuerfindung

    Museen werden sich nach Corona neu erfinden und ihre Relevanz unter Beweis stellen müssen. Diese Lehre zieht Nürnbergs oberster Museumschef aus dem Lockdown – und unterscheidet zwischen gesellschaftlicher Relevanz und Systemrelevanz.

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    Von
    • Inga Pflug

    Nach der Schließung im Corona-Lockdown liegt die Hoffnung der Museen auf dem "Hunger nach Kultur" nach der Pandemie – also dem kulturellen Nachholbedarf der Menschen. Für den Sommer 2021 rechnet der Leiter der Städtischen Museen Nürnberg, Thomas Eser, aber noch nicht wieder mit vollen Häusern: Der internationale Tourismus werde nicht sofort wieder voll da sein und auch Schulen würden ihre Schwerpunkte nach einer möglichen Wiedereröffnung wohl kaum sofort wieder auf außerschulischen Unterricht legen.

    "Es wäre naiv zu glauben, dass die Museen im Sommer voll sind nicht mehr wissen wohin mit den Besuchern." Dr. Thomas Eser, Leiter der Städtischen Museen Nürnberg

    In den kommenden zwei Jahren aber könnten die Zahlen wie vor Corona erreicht werden, schätzt Eser. Dafür müssten sich die Museen aber neu erfinden und ihre Relevanz unter Beweis stellen. Dazu gehöre es auch, die Häuser künftig als Ort selbst wahrnehmbarer zu machen – nicht nur als Freizeit- oder Bildungseinrichtung, sagte Eser im Gespräch mit BR24.

    Museen seien wichtig, aber nicht systemrelevant

    Corona habe dabei als Gradmesser für den Stellenwert der Kultureinrichtungen fungiert und gezeigt, dass es nicht genüge, Museen als Orte der Freizeitgestaltung zu begreifen: "Die Schulen blieben auf, die Museen wurden zu gemacht, weil sie als Freizeiteinrichtungen betrachtet worden sind. Eine wichtige, schmerzhafte Lehre."

    Gleichzeitig zeigte der Leiter der Nürnberger Museen aber auch Verständnis für die aktuelle Schließung der Häuser: Museen seien im Moment zwar nicht systemrelevant, würden dennoch als Bildungsinstitution eine gesellschaftlich wichtige Rolle einnehmen. Da zu jedem Museumsbesuch auch die Anreise gehöre, seien Museumsbesuche trotz eigens ausgearbeiteter Hygienekonzepte und einer Steuerung der Besucherströme in Pandemiezeiten nicht einfach zu rechtfertigen.

    Kultur zwischen Not und Verantwortung

    Esers Worten zufolge leben aktuell zwei Seelen in der Brust der Kulturschaffenden: Das Bedürfnis, auf sich und die eigenen Belange und Nöte aufmerksam zu machen auf der einen Seite und Rücksicht und Verantwortung gegenüber Politik und Gesamtgesellschaft auf der anderen Seite. Den städtischen und staatlichen Museen gehe es aktuell aber noch vergleichsweise gut – insbesondere im Vergleich zu freischaffenden Künstlern oder Museen in anderen Ländern.

    Die Deutsche Museeumslandschaft sei weitestgehend öffentlich finanziert – so dass wohl wenige Häuser in existenzieller Gefahr seien. Auch die Gehälter der Beschäftigten würden weiter überwiesen. Die Frage aber sei, ob die Museen auch in Zukunft den Zuspruch als Mittelempfänger haben. Hier müssten Museen ihre Relevanz immer wieder neu beweisen, so Eser.

    Bundesweiter Ruf nach Öffnung der Museen

    Führende Kunstmuseen in Deutschland machen sich aktuell für eine Öffnung der Museen stark: "Unsere Sorge gilt der Eindämmung der Pandemie, zugleich aber auch einer dem jeweiligen Verlauf von Corona angepassten Wiedereröffnung der Museen", heißt es einem Schreiben an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sowie ihre Länderkolleginnen und -kollegen. Schon nach der Phase des ersten Lockdowns hätten sich die Häuser mit großer Sorgfalt der neuen Situation angepasst – Museen seien sichere Orte, in denen Hygienemaßnahmen strikt befolgt und "wie an keinem anderen öffentlichen Ort" überwacht würden, schreiben die Verantwortlichen.

    Sie argumentieren unter anderem mit ausgefeilter Klimatechnik und den Raumkapazitäten, durch die etwa Besucherströme gesteuert und entzerrt werden könnten. Unterzeichnet ist das Schreiben von mehr als 50 Museumsspitzen – unter anderem aus Berlin, Bonn, Hannover und München.

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