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Viele Wege sind wegen der Schneemassen gesperrt.
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Viele Wege sind wegen der Schneemassen gesperrt.

Das seit Tagen andauernde Schneechaos in den bayerischen Alpen ist noch nicht vorbei. Nach einer kurzen niederschlagsfreien Atempause für Helfer und Anwohner schneit es seit der Nacht zum Sonntag weiter. In niedrigeren Lagen regnet es.

Bei Plusgraden begann es am Sonntagmorgen teilweise zu tauen. Dadurch könnte der Schnee nass und schwer werden - eine zusätzliche Belastung für die Dächer.

Momentan versuchen etwa 5.000 Soldaten, Feuerwehrleute und das THW, die Dächer und Straßen freizubekommen. Mehr als 100 Feuerwehreinsatzkräfte sind heute allein aus Nürnberg in die Katastrophengebiete unterwegs, um die Einsatzkräfte zu unterstützen.

Alles zur Lage in den Alpen um 18.45 Uhr in einem BR extra.

1.100 Menschen in Balderschwang eingeschlossen

In Balderschwang im Oberallgäu sind derzeit 1.100 Menschen eingeschlossen. Der deutsche Zugang, der Riedbergpass, ist wegen Schneebruchgefahr gesperrt, auf österreichischer Seite bei Hittisau ging eine Lawine ab. Nun ist der Ort abgeschnitten.

Von der Leyen besucht Soldaten

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen besucht heute die Gebirgsjägerbrigade 23 in Buchenhöhe/Berchtesgaden. Rund 1.700 Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 sind laut Bundeswehr aktuell in ganz Bayern im Einsatz, hinzu kommen weitere Soldaten unter anderem des Sanitätsdienstes und der Luftwaffe.

Über 1.000 Meter bis zu einem Meter Neuschnee erwartet

In Ruhpolding gab es 30 Zentimeter Neuschnee, in Garmisch-Partenkirchen 20 Zentimeter. Vor allem die oberbayerischen Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach, Berchtesgadener Land und Traunstein, wo der Katastrophenfall gilt, müssen bis Dienstag mit zusätzlichen Schneemassen zurechtkommen. Örtlich wird bis zu einem Meter Neuschnee erwartet.

Die höchste Unwetter-Warnstufe 4 gilt laut Deutschem Wetterdienst aktuell für die Landkreise Lindau, Ostallgäu, Oberallgäu, Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach, Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land.

Starke Böen in den Bergen

Auf der Zugspitze sind rund 30 Zentimeter Neuschnee gefallen. Derzeit liegen dort 365 Zentimeter Schnee. Der Skibetrieb wird wieder aufgenommen. Jedoch weisen die Betreiber auf mögliche Einschränkungen wegen Sturmböen hin. Meteorologen rechnen mit starken Böen in den Bergen, die tagsüber Verwehungen und Schneebruch auslösen könnten.

Erhebliche bis große Lawinengefahr

Die Lawinengefahr in den Alpen ist erheblich, in einigen Regionen gilt sogar die zweithöchste Gefahrenstufe. Laut Lawinenwarndienst Bayern stellen neue, umfangreiche Triebschneeansammlungen das Hauptproblem dar. Die Gefahrenstellen befinden sich demnach in eingewehten Hangzonen aller Hangrichtungen, vorwiegend an Geländeknicken, hinter Hangkanten sowie frisch verfüllten Rinnen und Mulden. In den Allgäuer Alpen ist bei der geringen Zusatzbelastung eines einzelnen Skifahrers die Auslösung von Schneebrettlawinen wahrscheinlich, im übrigen bayerischen Alpenraum möglich. Mit vorhergesagtem Sturm und intensiven Niederschlägen könnte die angespannte Lawinensituation zum Montag hin weiter ansteigen.

Kein Zugverkehr zwischen Kempten und Lindau

Die Bahn im Allgäu kapituliert teilweise vor dem Winterwetter: Zwischen Kempten und Lindau ist die Strecke komplett gesperrt. "Räumversuche mit Schneefräse und Schneepflug sind gescheitert", teilte die Bahn mit. Ein Ersatzverkehr ist wegen starken Schneefalls nicht möglich. Zuvor hatten die Züge bereits ihr Tempo gedrosselt, um wegen umgestürzter Bäume rechtzeitig stoppen zu können.

Auf der Hauptstrecke zwischen München und Kempten kommt es den Angaben zufolge im Fern- und Nahverkehr zu erheblichen Verspätungen. "Von Reisen ins Allgäu wird abgeraten", hieß es.

Wegen zu viel Schnee herrscht auf etlichen Strecken im südlichen Oberbayern weiterhin Stillstand. Ab Holzkirchen gibt es keinen Zugverkehr ins Oberland. Unterbrochen ist auch die Verbindung von Freilassing nach Berchtesgaden. Züge in Richtung Garmisch sind vereinzelt verspätet, die Strecke zwischen Murnau und Oberammergau war wegen einer eingefrorenen Weiche zeitweise blockiert. Auch im Bayerischen Wald sind Streckensperrungen nach wie vor in Kraft.

Zufahrt zu Skigebiet Sankt Englmar gesperrt

In Niederbayern und in der Oberpfalz führten Schnee und Eis zu zahlreichen Unfällen. Polizei und Feuerwehr in Niederbayern und der Oberpfalz mussten mehr als 250 mal ausrücken. Aufgrund der Schneelast fielen Bäume auf die Straßen und sorgten für Verkehrsbehinderungen.

Aufgrund der großen Schneelast auf den Bäumen und der damit verbundenen hohen Schneebruchgefahr wurden am Sonntagmorgen die Zufahrten zum Skigebiet Sankt Englmar im Bayerischen Wald bis auf weiteres gesperrt. Der Skibetrieb wurde eingestellt, ebenso im Skigebiet am Arber. Auch die Staatsstraße von Lohberg zum Arber war nach Angaben des Landratsamtes Cham gesperrt. Im Nationalpark Bayerischer Wald sind die Loipen derzeit nicht befahrbar.

Warnung vor Spaziergängen im Wald

Außerdem hat die Nationalparkverwaltung die Nationalparkzentren Lusen und Falkenstein samt Tierfreigelände bis Dienstag gesperrt und rät von Spaziergängen im Bayerischen Wald dringend ab. Es seien bereits Dutzende Bäume und Äste auf Wanderwege gefallen, teilte die Verwaltung mit. Es herrsche Lebensgefahr.