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Neun Corona-Tote aus Würzburger Seniorenheim | BR24

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Die inzwischen neun Corona-Todesfälle in Würzburg waren Bewohner desselben Seniorenheims. Eine Verlegung der 160 weiteren Senioren steht aber nicht an, so die Heimleitung.

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Neun Corona-Tote aus Würzburger Seniorenheim

Die inzwischen neun Corona-Todesfälle in Würzburg waren Bewohner desselben Seniorenheims im Stadtteil Sanderau. Eine Evakuierung des betroffenen Heims St. Nikolaus stehe zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht an.

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Die Isolierung der Senioren im Heim sei gegenüber einer Evakuierung "die bessere Variante", sagte Annette Noffz, die Leitende Direktorin der Stiftung Bürgerspital, zu der das Heim gehört. Ein Großteil der 160 Bewohner sei schwer pflegebedürftig und dementiell erkrankt, außerdem gebe es keine Möglichkeiten, wo man die Heimbewohner unter den gegebenen Umständen unterbringen könne. In enger Absprache mit dem Gesundheitsamt habe man im Heim alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen ausgereizt und versuche, den bestmöglichen Schutz für die Bewohner zu gewährleisten.

Weitere zehn Bewohner infiziert

Von den 160 Bewohnern lägen derzeit fünf mit einer Erkrankung in Würzburger Kliniken, weitere zehn seien positiv auf das Virus getestet worden. Sie würden isoliert in ihren Zimmern im Heim versorgt – wie sämtliche Bewohner des Heims. Seit dem ersten Corona-Fall in dem Heim gelten dort besondere Schutzvorkehrungen wie ein striktes Besuchsverbot. Die Bewohner dürfen ihre Zimmer nicht verlassen und Pflegekräfte betreten die Zimmer nur in Schutzanzügen und mit Atemschutzmasken.

Ansteckung ungeklärt

Wie das Virus in das Heim gekommen ist, lasse sich "trotz aller Bemühungen des Gesundheitsamts nicht mehr nachvollziehen", so Noffz. Sie hofft nun darauf, dass der dringend benötigte Nachschub an Schutzausrüstung bald eintrifft, auch beim Personal brauche man dringend Nachschub. Die derzeitige Situation sei für die Pflegekräfte eine extreme physische und psychische Belastung. "Die leisten Unglaubliches, sind aber alle am Limit", so Noffz.

Pflegekräfte in häuslicher Quarantäne

Mehr als 20 positiv getestete Pflegekräfte des Heims befinden sich in häuslicher Quarantäne und fallen aus. Noffz hofft darauf, dass bald Mitarbeiter aus Sanitätsdiensten im Heim aushelfen werden. Fast die Hälfte der Coronavirus-Todesfälle in Bayern betreffen Bewohner des Würzburger Pflegeheims. Nach Infektionen sind neun Bewohner gestorben, alle waren über 80 Jahre alt und hatten Vorerkrankungen. Der erste Todesfall war ein 83-jähriger Mann, der am 12. März in der Würzburger Universitätsklinik verstarb.

Forderung nach Maßnahmen

Inzwischen hat die Deutsche Stiftung Patientenschutz nach neun Todesfällen allein aus einem Würzburger Pflegeheim Bund und Länder aufgerufen, endlich überzeugende Maßnahmen zum Schutz von Pflegebedürftigen gegen das Coronavirus einzuleiten.

"Es ist unverantwortlich, dass der Notfallplan zum Schutz der 800.000 Pflegebedürftigen und 764.000 Beschäftigten aus dem Jahr 2013 immer noch nicht angepasst wurde." Eugen Brysch, Vorstand Deutsche Stiftung Patientenschutz

Der Plan sei damals erstellt worden, um eine Grippewelle abzuwehren. Diese Menschen lebten auf engstem Raum in den 13.700 Pflegeheimen. Sie seien eine Hochrisikogruppe. Brysch sprach von einem "Weckruf" und mahnte: "Höchstbedenklich ist, dass infizierte Bewohner weiter im Pflegeheim bleiben können." Bund und Länder hätten in der Corona-Krise jetzt verstärkt die Pflege in den Blick zu nehmen. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sei gefordert.

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