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Neues Wolfsgesetz: So denkt das Allgäu darüber | BR24

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Neues Wolfsgesetz: So denkt das Allgäu darüber

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Neues Wolfsgesetz: So denkt das Allgäu darüber

Wölfe dürfen künftig leichter abgeschossen werden. Einen entsprechenden Gesetzentwurf hat das Bundeskabinett gestern beschlossen. Doch wie denken Regionen darüber, in die der Wolf zurückkehrt? Ein Stimmungsbild aus dem Allgäu.

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"Das geplante Gesetz ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagt der Geschäftsführer des Alpwirtschaftlichen Vereins in Immenstadt, Michael Honisch. So wäre damit ein finanzieller Ausgleich für gerissene Tiere auch etwa bei Hobby-Schafhaltern möglich. Außerdem könnten Tiere aus einem Wolfsrudel geschossen werden, auch wenn nicht klar sei, welches Individuum für einen bereits erfolgten Riss verantwortlich sei; solange, bis keine Weidetiere mehr gerissen würden.

Abschuss vor dem Riss gefordert

Laut Honisch greift der Gesetzentwurf aber zu kurz: Seitens der Alpwirte würde man sich wünschen, dass ganze Regionen, in denen die Weidewirtschaft eine wichtige Rolle spielt, zur wolfsfreien Zone erklärt werden könnten. Wölfe sollten dort bereits geschossen werden dürften, bevor sie ein Tier gerissen haben.

Widerspruch von Tierschützern

Dem widerspricht Henning Werth vom Landesbund für Vogelschutz aus Sonthofen. Man müsse sich damit arrangieren, dass der Wolf sich auch im Allgäu weiter ausbreite, sagte er dem BR. Abschüsse seien in den meisten Fällen nämlich kaum realisierbar, selbst wenn sie genehmigt wären. Die Tiere seien zu schlau, um sie einfach finden und erlegen zu können.

"Wolf international geschützt"

Damit wecke der Gesetzentwurf falsche Hoffnungen. Man müsse vielmehr auf Präventionsmaßnahmen wie Zäune zum Schutz der Weidetiere setzen – eine Maßnahme, welche die Alpwirte ablehnen, da sie auf unwegsamem Gelände in Hanglagen schwer umzusetzen seien und auch das Landschaftsbild beeinträchtigten.

Weiter kritisiert Werth, dass mit dem Gesetz das erklärte Ziel der Rechtssicherheit verfehlt würde. Der Wolf sei international geschützt und befinde sich trotz hoher Zuwachsraten noch nicht in einem günstigen Erhaltungszustand. Daher sei bei jedem Abschuss auf Grundlage des Gesetzes mit Klagen von Naturschutzorganisationen zu rechnen.

Lob für den Gesetzentwurf

Gleichzeitig lobte Werth teile des Gesetzentwurfs und begrüßte etwa das vorgesehene Fütterungsverbot für Wölfe und den möglichen Abschuss von Mischlingen aus Wolf und Hund. Der Aussage, dass Wolfs-Abschüsse praktisch kaum durchzuführen seien, widerspricht Gertrud Helm vom Bayerischen Jagdverband. „Man sieht die Tiere schon im Revier“, sagte sie dem BR.

Das liege auch gerade daran, dass sie nicht bejagt werden dürften: „Die merken schnell, dass ihnen nichts passiert.“ Deshalb wäre es ein gangbarer Weg, einzelne gezielte Vergrämungsschüsse etwa an Jungtieren durchzuführen, wenn man Wölfe aus einer Region fernhalten wolle.

Wölfe würden ausweichen

Merkten die Tiere, dass sie in einem bestimmten Gebiet nicht mehr sicher seien, würden sie sich von dort fernhalten und in andere Regionen ausweichen. Etwa beim Kormoran, der vielerorts massive Schäden an Fischbeständen in Gewässern anrichtet, funktioniere diese Strategie recht gut.

Gleichzeitig sieht Helm dasselbe Problem wie Henning Werth vom LBV: Das Gesetz widerspreche in seiner jetzigen Form dem höchsten internationalen Schutzstandard der UN, den der Wolf genießt. Klagen von Naturschützern seien damit vorprogrammiert und auch recht aussichtsreich.