BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR/ Tom Pösl

Die Fuggerei wird 500 Jahre alt. Kurz vor dem offiziellen Jubiläum im August eröffnet in der wohl ältesten Sozialsiedlung der Welt ein neues, multimediales Museum. Dieses soll zeigen, wie sich die Fuggerei im Laufe der Zeit verändert hat.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Neues Museum in der Augsburger Fuggerei eröffnet

Die Fuggerei wird 500 Jahre alt. Kurz vor dem offiziellen Jubiläum im August eröffnet in der wohl ältesten Sozialsiedlung der Welt ein neues, multimediales Museum. Dieses soll zeigen, wie sich die Fuggerei im Laufe der Zeit verändert hat.

Per Mail sharen
Von
  • Doris Bimmer
  • Veronika Scheidl

Die Eröffnung des Museums der Geschichte und des Wohnens findet zwar nur im kleinen Kreis statt, aber nicht weniger prominent: Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber feiern gemeinsam mit der Fuggerschen Familie die neue Attraktion. Erstmals zu sehen ist dort auch die Stiftungsurkunde, mit der Jakob Fugger unter anderem die Fuggerei-Stiftung für die Ewigkeit festschrieb. Für Besucher öffnet das neue Museum am kommenden Montag.

Multimediales Museum bietet viele Einblicke

Für viele ist die Fuggerei im Ganzen schon fast ein Museum, in dem neu konzipierten Haus wird die gesamte Historie nachgezeichnet: Alles riecht ganz neu und noch hat kaum einer das neue Fuggereimuseum betreten.

In dem Haus mit den Hausnummern 13 und 14 befindet sich schon die historische Schauwohnung. Und jetzt auch noch das moderne Gegenstück. Das "Museum der Geschichte und des Wohnens" ist multimedial aufgestellt, von Urkunden, Bildern, Gemälden bis hin zu Hörstationen und Animationen ist alles dabei, sagt Astrid Gabler, Sprecherin der Fuggerschen Stiftungen.

Auf Augenhöhe mit Jakob Fugger

"Wenn Sie hier sind, begegnen Sie Jakob Fugger auf Augenhöhe. Und Sie erleben, wie die Fuggerei sich im Laufe der Zeit auch verändert hat und sich auch mit den Geschehnissen der Zeitgeschichte auseinandersetzen musste", erklärt Gabler. Ganz wichtig sei zudem: Man lerne die Menschen kennen, die hier gewohnt haben. "Wir haben für jedes Jahrhundert eine Familie herausgehoben. Eine, die sogar in der Wohnung, die hier ja noch besteht, wirklich gelebt hat."

Für das Museum hätten sie die eigenen Archive und auch das Augsburger Stadtarchiv nahezu auf den Kopf gestellt. Die Zeitreise von 1521 bis in die heutige Zeit sei somit für alle nachvollziehbar.

88 Cent Jahresmiete für Fuggerei-Bewohner

Heute leben knapp 150 Menschen in der Fuggerei. Eine von ihnen ist Renate Weißlinger: "Ich habe noch nirgends so lange gewohnt wie hier, das sind 17 Jahre und ich bin stolz darauf", sagt sie. Ab und zu hilft die fitte 71-Jährige noch an der Kasse aus.

Das Leben in der ältesten Sozialsiedlung der Welt folgt noch immer ganz eigenen Regeln. 88 Cent Miete – pro Jahr. Plus Nebenkosten. Katholisch müssen die Bewohner sein. Und bereit, drei Gebete am Tag für den Stifter Jakob Fugger und seine Familie zu leisten.

© BR
Bildrechte: BR

Die Fuggerei wird 500 Jahre alt. Kurz vor dem offiziellen Jubiläum im August eröffnet in der wohl ältesten Sozialsiedlung der Welt ein neues, multimediales Museum. Dieses soll zeigen, wie sich die Fuggerei im Laufe der Zeit verändert hat.

Fuggerei als Vorbild für günstigen Wohnraum?

Alle Bewerbungen gehen über den Tisch von Wolf-Dietrich Graf von Hundt, Administrator der Fuggerschen Stiftungen: "Wir versuchen, Menschen, die bedürftig sind, eine Heimat zu geben und ein selbstbestimmtes Leben in Würde zu ermöglichen. Und die Frage ist, was sind denn die Erfolgsfaktoren, dass das funktioniert?", sagt Graf Hundt.

Könnte man also die Fuggerei als Erfolgsmodell bezeichnen und vielleicht kopieren? Günstiger Wohnraum ist Mangelware, aber würden sich die Menschen auch andernorts ähnlichen Regeln wie in der Fuggerei beugen? 500 Jahre lang hat es jedenfalls funktioniert, trotz aller Kriege und Krisen.

Wie sieht die Fuggerei in weiteren 500 Jahren aus?

Wie es die nächsten 500 Jahre laufen kann in und mit der Fuggerei, das wollen die Fuggerschen Stiftungen unter dem Motto "Fuggerei next 500“ herausfinden – und möglichst breit diskutieren. "Wenn Professoren, Studenten und andere interessierte Besucher herkommen, dann sagen sie, diese Idee ist so großartig, und sie funktioniert, warum sollte es nicht mehr davon geben. Das inspiriert die Familie, das inspiriert uns, dass wir diese Idee in die Welt tragen wollen", sagt Sprecherin Astrid Gabler.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!