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Die Deutsche Bahn hält auch nach der Kritik der CSU-Führung an Nürnberg-Altenfurt als möglichem Standort für ein neues ICE-Werk fest. Bei einem digitalen Bürgerdialog machte ein DB-Vertreter aber auch Kompromissvorschläge für die Bürger.

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ICE-Werk: Deutsche Bahn bleibt trotz Kritik auch bei Altenfurt

Die Deutsche Bahn hält auch nach der CSU-Kritik an Nürnberg-Altenfurt als Standort für ein neues ICE-Werk fest. Das erklärte ein DB-Vertreter gestern Abend bei einem digitalen Bürgerdialog. Er machte aber auch Kompromissvorschläge für die Bürger.

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Von
  • Roland Zimmermann
  • Wolfram Weltzer

Die Pläne der Deutschen Bahn, ein neues ICE-Instandhaltungswerk in einer Waldschneise zwischen den Nürnberger Stadtteilen Fischbach und Altenfurt zu bauen, stoßen auf massiven Widerstand. Um die betroffenen Bürger über das Projekt zu informieren, hatte die Bahn am Montagabend zu einem digitalen Bürgerdialog geladen. Der Projektleiter Carsten Burmeister stellte sich online den Fragen von etwa 250 betroffenen Anwohnern. Sie gelten als die schärfsten Gegner und demonstrieren seit Monaten regelmäßig dagegen. Ihre Fragen mussten die Teilnehmer davor schriftlich einreichen.

Aussage von Markus Söder ist keine Vorentscheidung

Die Deutsche Bahn hält auch nach den kritischen Äußerungen des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) an Nürnberg-Altenfurt/Fischbach als möglichem Standort für ein neues ICE-Werk fest. "Sicher hat das Wort des Ministerpräsidenten ein gewisses Gewicht", sagte Bahn-Projektleiter Carsten Burmeister. Doch habe Söder lediglich von einem "Bauchgrummeln" gesprochen. Dies sei keine Vorwegnahme des Genehmigungsverfahrens. Die Prüfungen des Standortes laufen weiter.

Bahn will kleiner bauen

Die CSU hatte am vergangenen Samstag auf einer Pressekonferenz in Nürnberg die Nähe zu den Wohngebieten der beiden Stadtteile als wichtigen Grund für ihre Ablehnung genannt. Die Bahn kündigte jedoch beim Bürgerdialog an, das Werk kleiner als ursprünglich geplant bauen zu wollen. Statt einer Fläche von 45 Hektar würde sie für eine kompakte Variante lediglich etwa 35 Hektar benötigen. Die Bürger der beiden Stadtteile Fischbach und Altenfurt im Südosten von Nürnberg beklagen vor allem die zu erwartende Lärmbelästigung durch die nächtlichen Hup-Tests an den ICE-Zügen sowie die Rodung von wertvollem Bannwald.

"ICE-Werk für Mobilitätswende nötig"

Burmeister betonte die Notwendigkeit eines neuen Werks, das als "Boxenstopp" für die ICE-Züge der Bahn gedacht sei, deren Zahl sich in den nächsten Jahren verdoppeln soll. "Wir möchten eine Mobilitätswende herbeiführen", warb Burmeister für die Pläne der Bahn. Das neue ICE-Werk soll für die Reinigung und schnelle Reparaturen der Züge sorgen. Dazu würden zwischen 35 und 45 Hektar Fläche auf einer Länge von mindestens 3,2 Kilometern benötigt.

Solche Flächen gebe es in der dicht besiedelten Metropolregion Nürnberg nur sehr wenige. Deshalb könne auch die Rodung von Teilen des streng geschützten Nürnberger Reichswalds kein Ausschlusskriterium sein. Die Bahn plant für 400 Millionen im Raum Nürnberg ein neues Instandhaltungswerk für ihre künftig deutlich längeren ICE-Züge. Das Werk soll Ende 2028 seinen Betrieb aufnehmen und etwa 450 Arbeitsplätze bieten.

Entscheidung im Herbst

Es konnten nicht alle Fragen der Anwohner beim Online-Bürgerdialog beantwortet werden. Der Vorsitzende des zuständigen Bürgervereins Werner Miegl zeigte sich in einer ersten Reaktion enttäuscht über die Aussagen der Bahn und kündigte weitere Protestaktionen in Altenfurt an. Neben Altenfurt prüft die Bahn acht weitere Standorte im Raum Nürnberg auf ihre Tauglichkeit.

Die Bahn wolle im Herbst bei der Regierung von Mittelfranken die Unterlagen für das Raumordnungsverfahren einreichen. Erst dann, so Carsten Burmeister von der Deutschen Bahn, stelle sich heraus, welcher Standort geeignet sei. Er selbst könne das im Moment nicht sagen. Damit weicht Burmeister von der bisherigen Linie des Konzerns ab, Altenfurt/Fischbach als bevorzugten Standort zu bezeichnen.

CSU will Antrag zur Ausschließung stellen

Unterdessen will die Nürnberger CSU-Stadtratsfraktion mit einem Antrag den möglichen Standort Altenfurt-Fischbach für ein neues ICE-Werk der Deutschen Bahn ausschließen. Die Fraktion habe das in ihrer Sitzung am Montag (14.06.) einstimmig beschlossen, heißt es in einer Mitteilung.

Durch den Antrag soll sich der Gesamtstadtrat per Beschluss gegen eine weitere Standortprüfung aussprechen, so die CSU weiter. Außerdem soll die Stadtverwaltung die Staatsregierung auffordern, den Verkauf der Flächen im Eigentum des Freistaats an die Bahn auszuschließen.

Bereits im Vorfeld hatten sich der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder, Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König und der Bundestagsabgeordnete Michael Frieser (alle CSU) gegen das Werk im Reichswald zwischen den beiden Stadtteilen ausgesprochen.

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