BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Neues Gutachten gefordert, Prozess um Brückeneinsturz ausgesetzt | BR24

© Nathalie Bachmann/BR-Mainfranken

Wegen des Brückenbau-Unglücks an der A7 bei Schraudenbach im Juni 2016 stehen drei Männer vor Gericht. Nun wird der Prozess ausgesetzt. Das Landgericht Schweinfurt will für die Einsturzursache des Traggerüsts ein neues Gutachten erstellen lassen.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Neues Gutachten gefordert, Prozess um Brückeneinsturz ausgesetzt

Wegen des Brückenbau-Unglücks an der A7 bei Schraudenbach im Juni 2016 stehen drei Männer vor Gericht. Nun wird der Prozess ausgesetzt. Das Landgericht Schweinfurt will für die Einsturzursache des Traggerüsts ein neues Gutachten erstellen lassen.

Per Mail sharen

Der Prozess wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung nach dem A7 Brückenbau-Unglück bei Schraudenbach im Landkreis Schweinfurt im Juni 2016 wird ausgesetzt. Die Kammer will ein neues Gutachten zur Einsturzursache des Traggerüstes einholen. Das teilte der Sprecher des Landgerichts Schweinfurt am Mittwoch (18.12.19) mit.

Gerichtssprecher: Keine Alternative zur Aussetzung

"Nach Einschätzung der Kammer wird dies nicht innerhalb der bisher angesetzten Verfahrensdauer möglich sein, so dass man sich für die Aussetzung entschieden hat. Dies bedeutet, dass die weiteren angesetzten Termine nicht stattfinden werden," schrieb der Sprecher dem Bayerischen Rundfunk. Am 6. November hatte der Prozess gegen drei angeklagte Männer begonnen. Den 45-, 47- und 56-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, die Statik eines Traggerüstes nicht ausreichend geprüft zu haben. Die drei Angeklagten hatten bislang jede Verantwortung für das Unglück zurückgewiesen.

Zwei Gutachter haben bereits ausgesagt

Bislang hatten zwei Gutachter vor Gericht ausgesagt. Die erste Gutachterin hatte sehr ausführlich erklärt, welche Kräfte wo wie gewirkt haben könnten. Sie blieb aber weitgehend Antworten unter anderem auf die Fragen schuldig, ob die angeklagten Ingenieure Fehler bei der Statik oder bei der Einhaltung von technischen Normen gemacht haben.

Zwischen Planung und Ausführung habe es Abweichungen gegeben

Der zweite Gutachter, ein Professor für Bauingenieurwesen, erklärte, dass es "riesige Unterschiede" zwischen der Planung und der Ausführung des Traggerüstes gegeben habe. So hätten bei dem Traggerüst an einer wichtigen Stelle innere diagonale Streben gefehlt. Weiterhin sei das Traggerüst oben nicht entsprechend befestigt gewesen. "Bei korrekter Ausführung gemäß Planung hätte sich der Unfall nicht ereignet", sagte der zweite Gutachter wörtlich. Ohne es wörtlich formuliert zu haben, entlastete er damit den angeklagten Statiker und belastet die angeklagten Prüfingenieure, die vor Baubeginn das aufgebaute Traggerüst mit der Ausführungszeichnung hätten vergleichen müssen.

Brückenbau-Unglück mit einem Toten und 14 Verletzten

Am 15. Juni 2016 war bei Betonierungsarbeiten für eine neue Brücke das Traggerüst eingestürzt. 13 Bauarbeiter wurden rund 22 Meter tief mitgerissen. Dabei kam ein 38-jähriger kroatischer Arbeiter ums Leben. Drei Bauarbeiter wurden lebensgefährlich, sechs schwer und drei leicht verletzt. Weiterhin wurden zwei Arbeiter am Boden leicht verletzt.