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Was Billy Joel mit Colmberg zu tun hat | BR24

© pa/dpa/El Universal

Billy Joel am 6. März 2020.

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    Was Billy Joel mit Colmberg zu tun hat

    Jüdische Familiengeschichten erlebbar machen - das ist das Ziel des neuen Dokumentationszentrums in Colmberg. 300 Jahre lebten Juden und Christen Tür an Tür, darunter auch die Familie Joel, Vorfahren des berühmten amerikanischen Sängers Billy Joel.

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    Einfach die Tür öffnen - und schon stehen die Besucher mitten in der Ausstellung. Keine Kasse, keine Garderobe, nur der obligatorische Spender zum Händedesinfizieren. Der Blick geht nach unten auf den Boden. Eine Karte Colmbergs aus dem Jahre 1826 ist dort aufgezeichnet, die Wohnhäuser der jüdischen Familien sind blau eingezeichnet. In der Marktgemeinde gab es nie ein Ghetto, Juden und Christen wohnten Tür an Tür. Die erste jüdische Familie siedelte sich 1686 in Colmberg an mit einem Schutzbrief des Markgrafen von Ansbach. In der Hochzeit jüdischen Lebens in Colmberg im 18. Jahrhundert lebten 80 Familien in der Marktgemeinde. Nach Einsetzen der Landflucht Ende des 19. Jahrhunderts nur noch zehn.

    Billy Joels Vorfahren stammen aus Colmberg

    Eine dieser Familien war die Familie Joel. Billy Joels Großvater Karl Joel zog es vom Land in die Stadt, nach Nürnberg, wo er ab den 1920er Jahren einen sehr gut laufenden Versandhandel aufbaute. 1938 flohen die Joels vor dem Nazi-Terror in die USA.

    "Die Joels mussten ihre Wäschemanufaktur verkaufen zu einem Spottpreis und zwar an Josef Neckermann. Wenn man den Namen hört, da klingen schon alle Glocken. Er hat darauf aufbauend seinen eigenen Versandhandel gegründet und ist in der Wirtschaftswunderzeit auch sehr erfolgreich damit gewesen." Dagmar Stonus, Kuratorin des Dokumentationszentrums Colmberg

    Colmberger sammelt Erinnerung

    Zu verdanken ist das Dokumentationszentrum Günther Fohrer. Vor 25 Jahren hat der Colmberger angefangen, über das jüdische Leben in der Marktgemeinde in Archiven zu recherchieren, Fotos zu sammeln und mit Zeitzeugen zu sprechen. Sein Vater war mit Karl Steinberger zur Schule gegangen, beide Männer waren Jahrgang 1918. Karl Steinberger ist auch in der Ausstellung vertreten. Er stammt aus einer alteingesessenen jüdischen Viehhändlerfamilie. Steinberger überlebte den Holocaust im Konzentrationslager und wanderte in die USA aus. Viele Familienmitglieder starben jedoch im Holocaust.

    Kleines Dokumentationszentrum mit viel Inhalt

    Die Familiengeschichten werden auf großen blauen Leinwänden erzählt, die frei im Raum hängen. Aus Regalen können sich die Besucher Infotafeln nehmen, die jüdische Geschichte und Bräuche vertiefen. Dazu gibt es Audiostationen. Die Besucher lernen zum Beispiel "Lachoudisch", eine Geheimsprache, die früher von den jüdischen Viehhändlern gesprochen wurden. 300 Jahre Familiengeschichten – in dem nur knapp 80 Quadratmeter großen Dokumentationszentrum können die Besucher tief eintauchen in das jüdische Leben.

    Das barrierefreie Dokumentationszentrum "Familiengeschichten" ist täglich von 9.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Führungen können über die Marktgemeinde Colmberg gebucht werden.

    © BR24 / Christine Weirauch

    Dokumentationszentrums in Colmberg.

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