BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: picture alliance/dpa | Marcel Kusch

Hauptthema bei der Kabinettssitzung war erneut Corona. Neu sind PCR-Pool-Tests in Grund- und Förderschulen. Bei den Luftfiltern für die Klassenzimmer spielte Minister Piazolo den Ball an die Kommunen.

112
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Neues Corona-Testkonzept für bayerische Grundschulen

Wegen der Delta-Variante wird in Bayern das Corona-Testkonzept an Grundschulen modifiziert: Im neuen Schuljahr sollen dort PCR-Pool-Tests eingesetzt werden. Für Luftfilter gibt der Freistaat 190 Millionen Euro. Die Kommunen reagieren enttäuscht.

112
Per Mail sharen
Von
  • Petr Jerabek
  • Achim Wendler

Die bayerische Staatsregierung will die Sicherheit an Grundschulen im neuen Schuljahr auch mit einem neuen Corona-Testkonzept verstärken - auch angesichts der Ausbreitung der ansteckenderen Delta-Variante. Wie Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) nach einer Kabinettssitzung sagte, soll es an Grund- und Förderschulen ab September "als Standardverfahren" PCR-Pool-Tests geben. Entsprechende Pilotversuche gebe es schon länger.

PCR-Pool-Tests: Höhere Sensitivität und leichter anzuwenden

PCR-Tests bieten laut Staatskanzlei im Vergleich zu Antigen-Selbsttests eine höhere Sensitivität. Besonders bei einem geringen Infektionsgeschehen sei die Pool-Testung "eine effiziente, kosten- und ressourcenschonende Möglichkeit für Reihentestungen mit einem hohen Probeaufkommen". Für die Kinder seien diese Tests leichter anzuwenden.

Dabei handelt es sich beispielsweise um Lolly- oder Lutsch-Tests. Alle Proben einer Klasse werden gesammelt per PCR-Test untersucht. Sollte die Probe positiv sein, müssen die Kinder einzeln getestet werden. Diese Verfahren eigne sich insbesondere bei niedrigen Inzidenzwerten, erläuterte der Kultusminister.

Holetschek: Bei hoher Inzidenz PCR-Pool- plus Selbsttests

Der Freistaat werde zeitnah die notwendigen Labor- und Logistikkapazitäten schaffen, die Schulen rechtzeitig informieren und bei Bedarf Schulungen für den Umgang mit PCR-Pool-Tests anbieten. "An den weiterführenden Schulen bleiben wir beim bisherigen Test", sagte Piazolo.

Laut Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) ist geplant, an Grund- und Förderschulen bei einer 7-Tage-Inzidenz unter 100 zweimal pro Woche einen PCR-Pool-Test vorzunehmen. Bei einer Inzidenz über 100 sei es denkbar, zusätzlich montags noch einen Antigen-Selbsttest zu machen.

190 Millionen Euro für mobile Luftfilter

In der Debatte über die Anschaffung mobiler Luftfilter für Schulen und Kitas bleibt die Staatsregierung dabei, lediglich 50 Prozent der Kosten zu übernehmen. Dafür sollen mehr als 190 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Die andere Hälfte müssen die Kommunen übernehmen. Bereits vor einer Woche hatte das Kabinett beschlossen, dass möglichst mehr als 100.000 Räume ausgerüstet werden sollen.

Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) nannte die Lüfter im Klassenzimmer eine "ganz wichtige Säule", um "die Klassenzimmer, um die Schulen fit zu machen für den Herbst". Die Staatsregierung werde dabei keinen Zwang ausüben, an die Kommunen als Sachaufwandsträger aber "die große Bitte" richten.

Piazolo: Lüften bleibt wichtig

Neben den Abstands- und Hygieneregeln wird nach Angaben von Kultusminister Piazolo auch das Lüften eine wichtige Rolle spielen. Je nach Entwicklung der Corona-Lage könnten auch Masken verstärkt wieder nötig werden. Aktuell habe die Abschaffung der Maskenpflicht am Platz im Klassenzimmer "nicht zu einer Erhöhung der Corona-Fälle" bei Schülern geführt, betonte Piazolo.

Familienministerin Carolina Trautner (CSU) teilte mit, neben dem Impfangebot fürs pädagogische Personal sowie einem umfassenden Testangebot für Beschäftigte und Kinder seien die Luftfilter ein weiterer Baustein für eine sichere Kinderbetreuung. Damit sieht sie die Einrichtungen "gut gerüstet für die nächsten Monate". Piazolo sagte, Bayern wolle alles tun, um nach den Sommerferien Präsenzunterricht sicherzustellen und den Kita-Besuch zu ermöglichen.

Luftfilter: Kritik vom Gemeinde- und Städtetag

Die Kommunen zeigten sich mit der Ankündigung der Staatsregierung unzufrieden. "Das bringt uns 0,0 weiter", sagte Gemeindetagspräsident Uwe Brandl. Der CSU-Politiker hatte vorher schon einen klaren Fahrplan verlangt und bezweifelt, dass bis Herbst wirklich genug Luftfilter in den Klassenräumen stehen werden.

Der Vorsitzende des Bayerischen Städtetags, Markus Pannermayr (CSU), kritisierte: "Die Ankündigung weckt bei Elternschaft, Schülerschaft und Lehrerschaft zu hohe Erwartungen." Zum einen sei nach wie vor nicht geklärt, welchen Beitrag mobile Lüftungsgeräte im Sinne des Infektionsschutzes tatsächlich leisten können. Zudem sei höchst fraglich, ob sich tatsächlich bis zum Schuljahresbeginn alle insgesamt rund 100.000 Klassenzimmer und 52.000 Kita-Räume in Bayern mit Lüftungsgeräten ausstatten lassen, betonte der CSU-Politiker und fügte hinzu: "Bürgermeisterinnen und Bürgermeister werden mit einem noch nicht klar definierten Förderprogramm des Freistaats unter Druck gesetzt."

Der Vorsitzende des Verbands der Lehrer an beruflichen Schulen (VLB), Pankraz Männlein, zeigte sich enttäuscht darüber, dass der Freistaat die Anschaffung von Luftfiltern nur empfehle und lediglich 50 Prozent der Kosten übernehme. "Da sich eine vierte Pandemiewelle im Herbst nach Ansicht vieler Experten klar ankündigt und bis zum Start des neuen Schuljahres nur noch zehn Wochen verbleiben, muss unter allen Umständen das Risiko erneuter Schulschließungen mit diesen wissenschaftlich erprobten Geräten reduziert werden." Ein Bekenntnis zum Präsenzunterricht werde das Virus vermutlich "nicht in Zaun halten".

SPD und AfD: Luftfilter zu 100 Prozent finanzieren

Die SPD-Bildungsexpertin im Landtag, Simone Strohmayr, beklagte in einem BR24live, es sei viel zu viel Zeit vertrödelt worden. Sie erneuerte die Forderung, dass der Freistaat 100 Prozent der Kosten für Luftfilter übernehmen müsse. Mit dem jetzt beschlossenen Förderprogramm werde es zum Start des Schuljahrs in vielen Klassenzimmern keinen Luftfilter geben, warnte sie.

Auch der bildungspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Markus Bayerbach, verlangt eine vollständige Finanzierung der Luftfilter durch den Freistaat. "Es geht hier um Menschen, es geht hier um Kinder, es geht um Zukunft. Und da kann Geld keine Rolle spielen", betonte er bei BR24 live.

Corona-Schutzmaßnahmen in Bayern unverändert

Die Corona-Lage in Bayern ist laut Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) weiterhin "positiv und stabil". Die 7-Tage-Inzidenz in Bayern sei gegenüber der Vorwoche noch einmal gesunken. Allerdings könne das Virus auch "immer wieder neu aufflackern". Die Ausbreitung der Delta-Variante bereite der Staatsregierung nach wie vor Sorgen. Ihr Anteil an den Neuinfektionen sei bayernweit derzeit bei etwa 25 Prozent. "Wir müssen dagegenhalten mit impfen." Aktuell seien 54,4 Prozent der Bayern einmal und 38,2 Prozent vollständig geimpft. Trotz der insgesamt positiven Lage beschloss das Kabinett keine weiteren Corona-Lockerungen in Bayern, wie Herrmann sagte. Alle Schutzmaßnahmen bleiben damit weiterhin in Kraft.

Holetschek: Impfung "im Vorbeigehen" soll möglich werden

Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) zeigte sich überzeugt, dass Delta mittlerweile die vorherrschende Variante in Bayern sei. Beim Impfen gebe es jetzt einen "Paradigmenwechsel". Nach der Impfstoff-Knappheit der vergangenen Monate sei es mittlerweile so, "dass wir jetzt tatsächlich dafür werben müssen, dass wir Impfwillige finden". Daher solle der Impfstoff nun aktiv zu den Menschen gebracht werden. Holetschek kündigte an, es würden Möglichkeiten geschaffen, dass man auch "im Vorbeigehen" eine Impfung bekomme.

Das BR24live mit der Pressekonferenz des Kabinetts, Einordnungen und Reaktionen der Opposition in voller Länge

© BR
Bildrechte: BR

Wegen der Delta-Variante wird in Bayern das Corona-Testkonzept an Grundschulen modifiziert: Im neuen Schuljahr sollen dort PCR-Pool-Tests eingesetzt werden, wie das Kabinett beschloss. Für Luftfilter gibt der Freistaat 190 Millionen Euro.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!