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Neuer Schwung für Energiewende: Bürger werden aktiv | BR24

© dpa / Lukas Seufert

Windräder (Symbolbild).

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    Neuer Schwung für Energiewende: Bürger werden aktiv

    Bis 2030 sollen 65 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland über erneuerbare Energien gedeckt werden. Doch der Ausbau stockt. Durch ein neues Projekt im Landkreis Ebersberg sollen die Menschen eine aktive Rolle bei der Energiewende übernehmen.

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    Die Energiewende kommt in den meisten bayerischen Kommunen trotz einiger neuer Photovoltaik-Anlagen nicht in dem Tempo voran, wie nötig wäre, um die Klimakrise wirksam aufzuhalten. Das Projekt „Aktive Bürgerexperten in Klimaschutz und Energiewende“ möchte Bürger schon bei den ersten Überlegungen aktiv miteinzubeziehen und somit der Umsetzung der Energiewende neuen Schwung verleihen.

    Bürger erstellen umfassendes Konzept

    Durch einen Artikel im Gemeindeblatt ist Florian Blacha auf das Projekt im Landkreis Ebersberg aufmerksam geworden. Der 21-jährige Vaterstettener ist einer von zehn Teilnehmern, die eine ungewöhnlich Aufgabe haben: Ein umfassendes Konzept für ihren Landkreis erstellen und Entscheidungen fällen, die normalerweise Kreisräte und Bürgermeister treffen.

    Es geht darum, wo und wie in naher Zukunft der Strom für ihren Landkreis erzeugt werden soll. Das Ziel: 100 Prozent erneuerbare Energien bereits bis zum Jahr 2030, so hat der Ebersberger Kreisrat das schon vor knapp zehn Jahren beschlossen.

    Politiker reden über Energiewende, aber es hapert an der Umsetzung

    Katrin Wirth, ebenfalls Teilnehmerin an diesem Projekt, hat eine klare Meinung: Kommunalpolitiker würden zwar über die notwendige Energiewende reden, aber es werde schlichtweg zu wenig getan, um die gesteckten Ziele auch umzusetzen. Insbesondere dann, wenn die nötigen Maßnahmen nicht so beliebt erscheinen.

    „Ich glaube, da können wir jetzt vielleicht ein bisschen anschieben und piksen, damit was vorwärts geht“, meint die 34-Jährige aus Forstinning.

    Beteiligung der Bürger kommt bisher zu kurz

    Die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger käme bisher meist zu kurz, erklärt Philipp Barthel von der Deutschen Umwelthilfe. Wird ein Windrad geplant, gäbe es normalerweise in einer Gemeinde eine Bürgerversammlung. Das bekämen aber gar nicht so viele Leute mit.

    Das Projekt der Deutschen Umwelthilfe versucht, die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig miteinzubeziehen, auf der anderen Seite aber auch den realen Bedarf eines gesamten Landkreises im Blick zu haben. Es geht auch darum, wirklich alle in der Bevölkerung mitzunehmen. Bei der Auswahl der zehn Bürgerexpertinnen und -experten war nicht nur wichtig, dass Frauen gleichberechtigt vertreten sind, es sollten primär auch junge Menschen sein.

    Das begründet sich laut dem Projektleiter darin, dass lokale Debatten um die Erneuerbaren in der Regel von älteren, meist männlichen Personen dominiert werden. „Diese Dominanz wollten wir durchbrechen und eben einen jüngeren Gegenpol in der lokalen Debatte schaffen“, meint Philipp Barthel von der Deutschen Umwelthilfe.

    Ziel: Schweigende Mehrheit aktivieren

    Insgesamt geht es darum, die „schweigende Mehrheit“ zu aktivieren: Das Phänomen, das der weit überwiegende Teil der Bevölkerung den Ausbau der erneuerbaren Energien unterstützt, sich an der konkreten Planung aber wenig beteiligt. In der öffentlichen Wahrnehmung hat diese Mehrheit keine Stimme. Die Minderheit der Gegner dagegen, die zum Beispiel Windkraft ablehnen, würde viel deutlicher wahrgenommen.

    Die aktiven Bürgerexperten im Alter von 21 bis 59 Jahren werden derzeit ausgebildet, sie erhalten von Wissenschaftlern der TU München und der Hamburger Medical School die nötigen Hintergrundinformationen, was bei der Planung von Windkraftanlagen oder Freiflächen-Photovoltaik zu beachten ist. Und wie sich diese am besten in die Landschaft einfügen.

    Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, allesamt Laien auf dem Gebiet, sollen allmählich ein 3D-Modell des Landkreises konkret planen.

    Ideen und Vorschläge mit allen Interessierten diskutieren

    Noch in der Arbeitsphase wollen die Bürgerexperten ihre Überlegungen in ihr Umfeld, an möglichst viele Menschen im Landkreis kommunizieren. Über einen Blog berichten sie, was sie lernen und diskutieren darüber, welche Vor- und Nachteile sich konkret für mögliche Standorte von Windkraft und Photovoltaik in ihrer Region ergeben.

    Am 3. Dezember werden die ersten Ergebnisse allen Interessierten präsentiert.

    Kommunalpolitiker sollen Vorschläge der Bürgerexperten umsetzen

    Im Mai 2021 soll die Abschluss-Präsentation stattfinden. Projektleiter Philipp Barthel setzt dabei auf die Bereitschaft der Kommunalpolitiker im Landkreis, sich die Vorschläge der Bürger-Kerngruppe auch wirklich zu Herzen zu nehmen.

    Wenn das gelingt, könnte das Projekt auch in anderen Landkreisen die Energiewende - mitgetragen von den Menschen vor Ort - erfolgreich machen.

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