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Neuer CDU-Chef: Was Franken sagen, die Laschet persönlich kennen | BR24

© Michael Kappeler/dpa-Bildfunk

Der neue CDU-Chef Armin Laschet ist für einige fränkische Politiker kein unbeschriebenes Blatt.

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    Neuer CDU-Chef: Was Franken sagen, die Laschet persönlich kennen

    Die CDU hat gewählt. Armin Laschet soll die Partei in die anstehende Bundestagswahl führen und fit für die Zukunft machen. Der digitale Parteitag wurde auch in Franken aufmerksam verfolgt – darunter von Menschen, die Armin Laschet persönlich kennen.

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    Von
    • Stanislaus Kossakowski

    Er hat Armin Laschet 2005 näher kennengelernt, erzählt Christian Schuchardt aus Würzburg. Schuchardt ist Oberbürgermeister der Stadt – und CDU-Mitglied. Vor gut fünfzehn Jahren arbeitete er als Beigeordneter des damaligen Integrationsministers von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet. Schuchardt bezeichnet Laschet als gute Wahl für den CDU-Vorsitz und warnt davor, den Rheinländer zu unterschätzen. Laschet habe nicht nur als Integrationsminister bewiesen, was er kann.

    Würzburger OB: "Laschet nicht unterschätzen"

    Laschet habe den Begriff "Die Republik der Aufsteiger" geprägt. Das bezog sich auf Menschen mit Migrationshintergrund, die eine gute Chance in diesem Land erhalten sollen, erläutert Schuchardt. "Das zeigt auch, wofür er steht. Und auch im Moment ist er als Ministerpräsident jemand, der ein Stück weit still und ruhig – ohne sich in den Vordergrund zu drängen – die Dinge geordnet auch in Nordrhein-Westfalen aufstellt."

    Armin Laschet stehe für eine gute Zusammenarbeit zwischen CDU und CSU, sagt die Schweinfurter Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber. Die CSU-Politikerin ist in der Unionsfraktion Beauftragte für Klimapolitik. Nach den Bundestagswahlen von 2017 saß sie mit Laschet im Koalitionsausschuss, in dem über die Themen Energie und Klima verhandelt wurde.

    Weisgerber: "CDU-Chef macht die richtige Klimapolitik"

    Weisgerber teilt Laschets Credo, wonach eine gute Klimapolitik Umweltschutz und wirtschaftlichen Wohlstand zusammenführe. Kritik, dass Laschet als NRW-Ministerpräsident besonders auch für den Bestand der Kohle-, Stahl- und Chemieindustrie eintrete, lässt Weisgerber nicht gelten. Laschet zeige auch Wege für die Decarbonisierung auf. "Er zeigt auf, wie wir Klimaschutz auch in der Industrie verwirklichen können: Stichwort Wasserstofftechnologie und grüner Stahl. Genau diesen Mix muss es geben", zeigt sich die Klimapolitikerin der Unionsfraktion im Bundestag überzeugt.

    "Wir müssen als Industrienation zeigen, dass wir den wirtschaftlichen Wohlstand und die Industrie erhalten können und gleichzeitig die modernste Produktion der Welt auffahren können, die eben auch klimafreundlich ist. Genau für diese Themen steht er in der Praxis." Anja Weisgerber, CSU, Klimabeauftragte CDU/CSU-Fraktion im Bundestag

    Armin Laschet sei ein "Mann der Mitte", der die unterschiedlichen Interessen in der CDU zusammenführen kann, sagt der Bundestagsabgeordnete Thomas Silberhorn aus dem Wahlkreis Bamberg. Der CSU-Mann kennt Laschet aus dessen Zeit als Abgeordneten des Europa-Parlaments in den frühen 2000er-Jahren. Da sei Laschet zugleich Mitglied im Bundestags-Europaausschuss gewesen, dem damals auch Silberhorn angehörte.

    "Laschet kann auch Außen- und Verteidigungspolitik"

    Silberhorn, der aktuell parlamentarischer Staatssekretär von Bundesverteidigungsministerin und Annegret Kramp-Karrenbauer ist, zeigt sich vom neuen CDU-Vorsitzenden überzeugt: "Laschet ist bestens aufgestellt für die Aufgabe, die nun vor ihm steht", sagt der Oberfranke. Das gelte auch für Politikbereiche, in denen Kritiker Laschet Lücken attestieren. Silberhorn beteuert: Laschet sei auf allen Politikfeldern erfahren, auch in der Außen- und Sicherheitspolitik.

    "Armin Laschet ist sehr erfahren in der Außen- und Europapolitik. Er war Mitglied des Europäischen Parlaments. Ich kenne ihn persönlich auch noch aus dieser Zeit, weil er als Europaabgeordneter auch Mitglied im Europaausschuss des Bundestages gewesen ist und wir in dieser Zeit gut zusammengearbeitet haben." Thomas Silberhorn, CSU, Parl. Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium

    Silberhorn rechnet damit, dass Laschet schon bald einige "Akzente und programmatische Schärfungen" setzen wird. Natürlich werde er auch die Auswahl eines CDU-Kanzlerkandidaten nach vorne treiben. Da sei Laschet als Parteichef selbst in der Pole-Position. Wer am Ende Kanzlerkandidat wird, das werde gemeinsam mit der CSU entschieden, fügt Silberhorn hinzu.

    "Nicht Laschet, sondern Röttgen sollte Kanzler werden"

    Dass Armin Laschet Kanzlerkandidat wird, glaubt Rainer Roth aus Nürnberg nicht. Er hat Laschet zwar noch nicht persönlich kennengelernt, doch traut er ihm nicht zu, eine Kanzlerkandidatur zu gewinnen. Der Nürnberger Rechtsanwalt Roth hatte in den vergangenen Jahren dafür gekämpft, dass die CDU auch in Bayern wählbar wird. Er zog mit seiner Frau bis vor das Bundesverfassungsgericht – vergeblich. Nun beobachtet er als "bayerischer CDU-Anhänger" die Geschicke der Partei. Er würde sich den Vorsitenden des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Norbert Röttgen, als Bundeskanzler wünschen. Ein besonderer Schwerpunkt des CDU-Politikers seien die transatlantischen Beziehungen. Doch werde die Partei Röttgen wohl nicht aufs Schild heben, vermutet Roth.

    "Ich persönlich halte allerdings den Herrn Röttgen aufgrund seiner außenpolitischen Erfahrung für den richtigen Kandidaten, weil wir in der nächsten Zukunft ganz erhebliche Herausforderungen haben werden, die mit Deutschland, mit Europa, mit dem Weltgeschehen in Verbindung stehen: der Aufstieg Chinas, der Niedergang der USA. (…), so dass aus europäischer Perspektive ein Gegengewicht erforderlich ist. Und da müsste aus deutscher Sicht jemand ran, der von der Sache doch etwas versteht." Rainer Roth, Nürnberger Rechtsanwalt, würde gern CDU wählen.

    CDU-Mitglied Christian Schuchardt legt sich wie auch die Bundestagsabgeordneten Anja Weisgerber und Thomas Silberhorn nicht fest. Kanzlerkandidat müsse einer werden, der die Fähigkeiten hat, sagen alle übereinstimmend. Und dabei komme es nicht nur darauf an Wahlen zu gewinnen, sondern auch das Amt gut auszufüllen, sagt der und Würzburger Oberbürgermeister Schuchardt. Wäre es für ihn in Ordnung, wenn die CDU den Chef der Schwesterpartei CSU, Markus Söder zum Kanzlerkandidaten macht? Schuchardt sagt dazu: "Aus meiner Position auf jeden Fall, weil ich bin fest davon überzeugt, dass Söder Kanzler kann."

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