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Neue Wege für die Aufzucht von Biokälbern | BR24

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33 Millionen Tonnen Milch geben Deutschlands Kühe jährlich. Dafür muss eine Kuh jedes Jahr ein Kalb bekommen. Weil sich deren Aufzucht nur für große Betriebe rentiert, werden sie unter fragwürdigen Umständen dorthin verfrachtet. Es geht auch anders!

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Neue Wege für die Aufzucht von Biokälbern

Auch Biobauern verkaufen ihre Kälber oft an konventionelle Mastbetriebe. Dazu werden die Tiere weit transportiert, oft ist unklar, wo die Tiere landen. Die Initiative "Biokalb Oberland" will deshalb eine naturnahe Aufzucht in der Region aufbauen.

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"Unsere Kälber müssen wir bisher schweren Herzens an konventionelle Mastbetriebe verkaufen", sagt Biolandwirt Leonhard Obermüller aus Wall bei Warngau im oberbayerischen Landkreis Miesbach.

Lange Transportwege

Diese Mastbetriebe liegen traditionell in den Ackerbau-Gegenden. Dort also, wo auch das Mastfutter erzeugt wird. Im bayerischen Oberland, wo auf den Wiesen und Weiden vor allem Milchwirtschaft betrieben wird, sucht man sie vergeblich. Für Leonhard Obermüllers Tiere bedeutet das: Sie müssen enthornt werden, fahren in Viehtransportern oft tagelang durch halb Europa, und am Ende weiß der Landwirt nicht, wo seine Kälber landen.

Kälberaufzucht für Milchbauern nicht rentabel

Für einen Milchbauern sind Kälber ein "Nebenprodukt": Eine Kuh gibt nur Milch, wenn sie jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringt. Bei 50 Milchkühen macht das folglich circa 50 Kälber pro Jahr – eine Verdoppelung des Bestands.

Für die Milchbauern ist die Aufzucht und Mast der Jungtiere aufwendig: Sie brauchen bis zum Erreichen des Schlachtgewichts ausreichend Stallraum und hochwertiges Futter. Kälber sind außerdem oft anfällig für Krankheiten und müssen entsprechend betreut werden. Für einen Marktpreis von derzeit 3,30 Euro pro Kilogramm (Bayern) ist das für einen Landwirt zusätzlich zur Milcherzeugung nicht zu stemmen: Die Landwirte verkaufen ihre Kälber deshalb meist an spezialisierte und entsprechend große, konventionelle Mastbetriebe.

Biolandwirte gründen Initiative

Nicht nur die Debatte über Tiertransporte, auch der Verlust des Bio-Standards für die Kälber hat jetzt die "Initiative Biokalb Oberland" auf den Plan gerufen.

"Ich möchte einfach, dass es den Kälbern gut geht, auch wenn sie den Betrieb verlassen. Ich möchte Verantwortung dafür übernehmen und das selber gestalten." Albert Stürzer, Biolandwirt und Mitinitiator

Kälber sollen in der Region bleiben

Zusammen mit rund 15 Biobetrieben aus dem Landkreis Miesbach bauen er und Leonhard Obermüller derzeit die Strukturen für eine regionale Biokälbermast auf: Die Kälber bekommen nach der Geburt vier Wochen Muttermilch auf dem Erzeugerbetrieb.

Im Anschluss werden sie an einen Miesbacher Biobetrieb mit Ammenkuhhaltung verkauft. Hier werden die Kälber dann weitere zwei Monate von einer Ammenkuh gesäugt, bis sie selbständig fressen können. Sie verbleiben in der Herde und auf dem Hof des Ammenkuhhalters bis zum Alter von etwa zwei Jahren, dann haben sie ihr Schlachtgewicht erreicht.

Kein Kraftfutter, keine Transporte, kein Stress

Statt getreidereichem Mastfutter bekommen die Tiere nur Weidegras und Heu. Da alle Betriebe in der Region liegen, sind die Wege kurz - der Transport dauert gewöhnlich höchstens eine Stunde. Und: Ihre Hörner dürfen die Kälber auch behalten. Das Schlachten schließlich erfolgt per Weideschuss und auf dem Betrieb im Schlachtmobil. Damit wird dem Tier der Stress erspart, den der Transport zum Schlachthof häufig verursacht.

Mitstreiter gesucht

Die junge Initiative steht noch am Anfang. Derzeit sucht sie weitere Mitstreiter: Erzeugerbetriebe, Mäster mit Ammenkuh- und Weidehaltung, Vermarkter – und natürlich Kunden, die ein so hochwertig erzeugtes Fleisch zu schätzen wissen. Wer aus der Region stammt und bei der Initiative Biokalb Oberland mitmachen möchte, kann unter www.biokalb-oberland.de Kontakt aufnehmen.