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Neue Videobrille soll Schlaganfall-Diagnose verbessern | BR24

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"Schwindelbrille" zur Schlaganfall-Diagnose

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    Neue Videobrille soll Schlaganfall-Diagnose verbessern

    Bei Schlaganfällen ist Schwindel eines der häufigsten Symptome. Dennoch wird jeder dritte Schlaganfall mit Schwindel bisher nicht erkannt. Ein neues Diagnoseverfahren soll Abhilfe schaffen - mittels einer speziellen Videobrille.

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    Sie sieht aus wie eine Virtual-Reality-Brille für den Computer oder Spielekonsolen, aber ein Spielzeug ist sie bei einem Stückpreis von 15.000 Euro nun wirklich nicht. In die Videobrille ist eine Kamera integriert, die ein Bild vom Auge des Patienten macht. Das Bild wird vergrößert auf einem Monitor ausgegeben, sodass eine genaue Analyse der Pupillenbewegungen möglich ist.

    Schwindelbrille ermöglicht auch Ferndiagnose

    Aber das ist noch nicht alles. Kamera und Brille sind an ein Telemedizinsystem angeschlossen. Das kann per Internetverbindung ein Livebild an eine andere Klinik übertragen. So kann etwa ein Spezialist in einem Schlaganfallzentrum eine verlässliche Ferndiagnose erstellen. Projektleiter Dr. Peter Müller-Barna vom Münchner Klinikum Harlaching ist von den neuen Möglichkeiten begeistert:

    "Es geht um kleinste Augenbewegungen, die, wenn sie ruckartig in verschiedene Richtungen erfolgen, auf einen Schlaganfall hindeuten. Mit dem neuen System können wir diese Diagnose jetzt sogar wesentlich besser durchführen als mit einer Kernspinuntersuchung - auf die man zu bestimmten Zeiten, zum Beispiel nachts, ohnehin ziemlich lange warten müsste. Und jetzt können wir mit diesem System auch Kollegen auf dem Land mit unserer Expertise unterstützen." Dr. Peter Müller-Barna, Projektleiter, Münchner Klinikum Harlaching

    Beim Schlaganfall zählt jede Minute

    Bei einem Schlaganfall ist die Zeit knapp.,denn ohne Behandlung sterben pro Minute 19 Millionen Gehirnzellen ab. Da ist eine schnelle und sichere Diagnose lebensrettend. Patienten, die mit dem unspezifischen Symptom Schwindel in eine der angeschlossenen Partnerkliniken kommen, kann so künftig viel besser geholfen werden.

    Spezieller drehbarer Stuhl hilft Schwindelpatienten

    Neben der neuen Diagnosemöglichkeit ist im Klinikum Harlaching ab sofort auch ein neues Therapieverfahren für Schwindelpatienten im Einsatz: Es handelt sich um einen Stuhl, der an ein Trainingsgerät für Astronauten erinnert. Er ist sowohl vertikal als auch horizontal in jede Position verstellbar. Der Patient wird mit Gurten im Sitz festgeschnallt und kann so vom behandelnden Arzt in jede gewünschte Position (zum Beispiel über Kopf) gebracht werden.

    Dadurch kann bestimmten Schwindelpatienten geholfen werden, bei denen das Schwindelgefühl durch kleine Kristalle ausgelöst wird, die in der Innenohrflüssigkeit herumschwimmen und so das Gleichgewichtsgefühl durcheinanderbringen, erklärt Dr. Müller-Barna:

    "Diese Kristalle, die oft von kleinsten Knochenabsplitterungen stammen, müssen aus den Bogengängen des Innenohrs herausgeschwappt werden. Mit dem Lagerungsstuhl funktioniert das zum Beispiel mit einer Über-Kopf-Kreisbewegung sehr effektiv. Dieses Gerät ist in Deutschland einzigartig und stellt für unsere Arbeit eine gewaltige Unterstützung dar." Dr. Peter Müller-Barna, Projektleiter, Münchner Klinikum Harlaching

    Wenn die störenden Kristalle nicht mehr das Gleichgewichtsorgan stören, ist der Schwindel sofort weg. Schwindelpatienten im Großraum München können so zum ersten Mal ambulant behandelt werden. Auch beim Lagerungsstuhl kommt die neue Videobrille zum Einsatz. Sie bildet auch hier das Auge des Patienten vergrößert auf einem Monitor ab und erleichtert dadurch die Kontrolle der Behandlung. Die Bayerische Staatsregierung unterstützt das Projekt mit einem Zuschuss von gut 250.000 Euro.

    Schwindelbrille durch Telemedizin vielerorts einsetzbar

    In den Genuss der schnelleren und genaueren Diagnose kommen aber nicht nur Bürger im Einzugsgebiet der Landeshauptstadt. Durch die Möglichkeiten der Telemedizin wird die Videobrille ab sofort in 19 Partnerkliniken im Raum Südostbayern (unter anderem in Agatharied, Eggenfelden und Zwiesel) eingesetzt. Und die Spezialisten in den drei Zentren München, Regensburg und Altötting stehen den angeschlossenen Krankenhäusern mit ihrer Expertise für Ferndiagnosen zur Verfügung.