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Bildrechte: dpa/picture alliance

Für Rückkehrer aus dem Sommerurlaub greifen ab Sonntag strengere Testpflichten zum Schutz vor weiteren Corona-Ausbreitung. Dies bedeutet Extra-Aufwand vor allem für Menschen, die keine vollständige Impfung haben.

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Neue Testpflicht: Weder Urlauber noch Polizei begeistert

Ungeimpfte brauchen künftig einen negativen Corona-Test bei der Einreise nach Deutschland. Kontrolliert werden soll das stichprobenartig von der Polizei. Für Reisende wird vieles komplizierter – und vor allem teurer.

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Von
  • Simon Emmerlich

Am Grenzübergang Kiefersfelden ist die Stimmungslage geteilt. Die meisten Urlauber lassen sich von der ab 1. August geltenden Testpflicht die Vorfreude nicht verderben, auch wenn manche sie kritisch sehen: "Wichtig ist, dass wir keine Zwei-Klassen-Gesellschaft aufbauen. Nur Nicht-Geimpfte zu prüfen, finde ich nicht so gut – noch dazu bei der Delta-Variante, wo auch Geimpfte sich anstecken können", sagt ein Mann. "Dann ist es halt so. Dann muss man sich halt testen lassen", findet ein anderer.

Es kann teuer werden

Fest steht: Es kann im Ausland ins Geld gehen. Ab zwölf Jahren muss ein Test vorgelegt werden und viele Jugendliche unter 18 sind nicht geimpft, weil sie der offiziellen Empfehlung der ständigen Impfkommission gefolgt sind. Kostenlose Touristentests gibt es in Europa nur noch in Dänemark, den Niederlanden und Österreich.

In den übrigen Ländern kann das Testen die Urlaubskasse empfindlich belasten, sagt Karolina Wojtal vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland mit Sitz in Strassburg: "Die Kosten sind ähnlich wie bei uns in Deutschland, also für Antigentests 20-50 Euro, und für einen PCR Test 50-120 Euro. Also hier können für Familien durchaus nennenswerte Kosten zusammenkommen."

Mehrarbeit für die Polizei

Wesentlich mehr Arbeit zur Urlaubszeit bedeutet die Testpflicht für die bayerische Polizei. Sie wird ab Sonntag im Rahmen der Schleierfahndung in Grenznähe Reiserückkehrer kontrollieren. Eine Zusatzaufgabe nach einem ohnehin anstrengenden ersten Halbjahr, sagt Jürgen Ascherl von der Deutschen Polizeigewerkschaft.

Die Beamten hätten sich darauf gefreut, mal in Urlaub zu gehen, da nach der Europameisterschaft Urlaubssperre gegolten habe. Jetzt kämen die zusätzlichen Einreisekontrollen oben drauf. "Wir werden das auch machen, das ist unsere Aufgabe, aber die Kollegen sind natürlich über dieses ganze Paket nicht begeistert. Aber es ist eine politische Entscheidung, das zu kritisieren, steht mir nicht zu", sagt Ascherl.

Mehr als Stichproben ist nicht möglich

Ähnlich sieht das Peter Pytlik von der zweiten polizeilichen Interessenvertretung, der Gewerkschaft der Polizei. Mehr als Stichprobenkontrollen könne man personell gar nicht leisten, dafür seien die bayerischen Grenzen viel zu lang. Neben dem klassischen Ziel-Profil der Schleierfahnder – also illegale Einreisen oder Drogenkriminalität verhindern - wird man das Kontrollprofil jetzt um den vollgepackten Familienvan erweitern müssen.

"Das wird sicherlich auch Familien treffen, weil man ja auch bei der Kontrolle, wenn man jemand rausholt, nicht erkennen kann, wie viele sitzen da jetzt im Auto, das wird sicherlich ein Problem, unabhängig von den Folgen, die ja dann nachfolgen. Man muss sich vorstellen, welche kilometerlangen Staus das verursachen wird", sagt Pytlik.

Transportunternehmen sind nicht begeistert

Staus befürchtet auch Henning Mack vom Bayerischen Spediteursverband. Zwar sind Transportunternehmen von der Testpflicht ausgenommen, im Stau anstellen müssen sie sich aber trotzdem. Die Spediteure würden sich eine grüne Linie wünschen, an der LKW am Urlauberstau vorbeifahren können – in der Praxis wohl schwer umzusetzen.

Lkw-Fahrer werden mehr Zeit einplanen müssen, genauso wie ungeimpfte Urlauber. Denn nach der Rückkehr aus Hochinzidenzgebieten wie Spanien, Zypern oder den Niederlanden folgen mindestens fünf Tage Quarantäne – unabhängig vom mitgebrachten Testergebnis.

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