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Bayern muss künftig viel Strom aus dem Norden importieren.

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    Neue Studie: Bayern muss künftig viel Strom importieren

    Bayern kann seit dem Jahr 2018 seinen Strombedarf nicht mehr aus eigener Produktion decken. Diese Entwicklung setzt sich fort, hat eine Studie des Ökoinstituts im Auftrag der Grünen ergeben. Eine geänderte Politik könnte jedoch noch etwas bewirken.

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    Von
    • Lorenz Storch

    Künftig wird der Freistaat einen großen Teil seines Stroms von außen beziehen müssen, vor allem aus Norddeutschland. Wieviel, hängt davon ab, welche Kraftwerke in den nächsten Jahren gebaut werden. Das Ökoinstitut hat dazu mehrere Szenarien durchgespielt.

    Grüne wollen mehr bayerische Stromproduktion

    Wenn die Energiepolitik weiter läuft wie bisher, muss Bayern 2035 im Jahresdurchschnitt fast 40 Prozent seines Stroms importieren. Im Winter sogar noch mehr, so der Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Stümpfig: "Es gibt Stunden im Winter, wo wir dann 70 bis 80 Prozent unseres bayerischen Strombedarfs importieren müssen. Und da sagen wir Grünen ganz klar: Das ist uns zu unsicher. Hier müssen wir einfach stärker auf die Produktion im eigenen Land setzen."

    30 Prozent Stromimport auch im günstigsten Szenario

    Gaskraftwerke können die Eigenversorgung Bayerns stärken: Bei zwei Gigawatt zusätzlicher Erzeugungskapazität aus Erdgas sänke der Stromimport auf 35 Prozent des Bedarfs – um den Preis von 18 Prozent mehr CO2-Ausstoß. Wenn Bayern drei Gigawatt Windkraft zubaut – was einer Verdreifachung der jetzigen Windkraftleistung entsprechen würde - könnte der Freistaat den gleichen Effekt erzielen, ohne schädliches Klimagas. Mit Gas- und Windkraftzubau gleichzeitig müsste Bayern immer noch 30 Prozent seines Stroms von außen bekommen. Der geplante Stromnetzausbau sei deshalb unverzichtbar, betonen die Grünen.

    Ohne Gaskraftwerke, dafür mit Sonne und Wind

    Ebenfalls durchgerechnet hat das Ökoinstitut ein Szenario ohne neue Gaskraftwerke, dafür mit sechs Gigawatt Windenergie und 20 Gigawatt Photovoltaik zusätzlich. Für die Grünen wäre das erstrebenswert. Über das ganze Jahr gesehen würde Bayern dann rechnerisch etwa so viel Strom produzieren, wie es verbraucht. Im Winter müsste trotzdem viel Strom von außen kommen, im Sommer gäbe es dafür durch die viele Photovoltaik große Überschüsse.

    Photovoltaik allein hilft wenig

    Nur Photovoltaik zuzubauen hilft für die Versorgungssicherheit wenig, so Christof Timpe vom Ökoinstitut, zumal Bayern im Winter, wenn wenig Sonne scheint, den meisten Strom braucht. Da passe die Windkraft: "Dann würden wir in den Wintermonaten genau das ausgleichen, was bei der Photovoltaik fehlt. Deswegen sagt man, dass diese beiden Technologien sich sehr gut ergänzen."

    Grüne fordern mehr Windräder vor allem in Südbayern

    Die Grünen erneuerten ihre Forderung, die rigide 10H-Abstandsregel bei der Windkraft in Bayern abzuschaffen. Die vom Ökoinstitut angenommenen drei bis sechs Gigawatt Leistung entsprächen laut Martin Stümpfig 1.000 bis 2.000 zusätzlichen Windrädern in Bayern. Für jeden bayerischen Landkreis wären das drei Windräder jährlich bis 2030, rechnet der Abgeordnete vor: "In meinem Landkreis Ansbach stehen 75 Anlagen, das funktioniert wunderbar. Da würden wir uns wünschen, dass vor allem der Süden Bayerns noch kräftig aufholt."

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