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Neue Stolpersteine in Bad Brückenau mit Josef Schuster verlegt | BR24

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Vor 70 Jahren hat der Zentralrat der Juden in Deutschland seine Arbeit aufgenommen. Aus diesem Anlass bekam Bad Brückenau heute sieben Stolpersteine, die an verschleppte und ermordete Juden erinnern.

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Neue Stolpersteine in Bad Brückenau mit Josef Schuster verlegt

Gegen das Vergessen: Zum dritten Mal sind in Bad Brückenau Stolpersteine zum Gedenken an jüdische Mitbürger verlegt worden. Vor Ort war auch Josef Schuster, Vorsitzender des Zentralratrats der Juden. Er hat eine besondere Verbindung zu Bad Brückenau.

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Paula Spier, Bernhard Frank, Theodor und Regina Vandewart, Max, Sybilla und Ludwig Goldschmidt: Das sind die Menschen, an die sieben neue Stolpersteine in Bad Brückenau erinnern. Sie alle waren einst angesehene Bürger der Stadt, die zur Nazizeit ausgegrenzt, drangsaliert, entrechtet, vertrieben und in den Tod geschickt wurden. Als Ehrengast kam Josef Schuster, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, zur Verlegung der Stolpersteine.

Familie Schuster in Bad Brückenau tief verwurzelt

Der 66 Jahre alte Würzburger hat eine besondere Verbindung zu Bad Brückenau. Sein Vater David wurde hier geboren. Großvater Julius Schuster führte in der Kurstadt unter anderem ein Hotel und saß zwischenzeitlich im Stadtrat. Die Familie Schuster prägte das gesellschaftliche Leben in Bad Brückenau vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten maßgeblich mit. Josef Schuster verwaltet heute noch den elterlichen Grundbesitz in Bad Brückenau und hat hier seinen Zweitwohnsitz.

Seit 2018 Stolpersteine in Bad Brückenau

Bei seinem Besuch bezeichnete Josef Schuster die Aktion Stolpersteine als "großartiges und zugleich berührendes Projekt", das ihm persönlich sehr am Herzen liege. Er würdigte zudem das Engagement junger Leute, das ursprünglich dazu geführt hatte, dass 2018 auch in Bad Brückenau erstmals Stolpersteine verlegt werden konnten. Schüler des örtlichen Franz-Miltenberger-Gymnasiums hatten sich ab Herbst 2016 in einem Projektseminar mit dem jüdischen Leben in ihrer Stadt befasst und das Thema schließlich in den Stadtrat gebracht. Der hatte die Stolpersteine Jahre zuvor noch abgelehnt.

Josef Schuster mit Appell an den Stadtrat

Josef Schuster nutzte die Gelegenheit, dem Stadtrat gleich noch eine Anregung mit auf den Weg zu geben, indem er an den eben eröffneten "Denkort Deportationen" in Würzburg erinnerte. Vor dem Würzburger Hauptbahnhof sollen in absehbarer Zeit einmal 109 Gepäckstücke stehen: eines für jeden Ort in Mainfranken, aus dem Juden deportiert wurden. Von diesen 109 Städten, Dörfern und Gemeinden Unterfrankens haben bislang 55 ihre Teilnahme zugesagt, so Schuster. Sie wollen ein deckungsgleiches Gepäckstück, das die Deportation der Juden symbolisiert, sichtbar in ihrem Heimatort niederlegen.

Bad Brückenau ist bislang allerdings noch nicht dabei, bedauerte Schuster. An Bürgermeister Jochen Vogel gerichtet, fragte er: "Wäre dieser Tag, lieber Herr Bürgermeister Vogel, geeignet, darüber nachzudenken, ob Bad Brückenau nicht auch zu den 109 unterfränkischen Orten gehören sollte, die auf diese Weise ihrer ehemaligen Bürgerinnen und Bürger gedenken?"

Bei dem seit Mai amtierenden neuen Bad Brückenauer Bürgermeister Jochen Vogel traf der Vorschlag auf offene Ohren. Er versicherte, sich des Themas anzunehmen und im Stadtrat dafür zu werben.

© BR/Björn Möller

Einer der neuen Stolpersteine erinnert an den Bad Brückenauer Max Goldschmidt.

Nachfahren loben Projekt Stolpersteine

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen natürlich dennoch die Menschen, an die nun die glänzenden Stolpersteine in der Unterhainstraße, der Ludwigstraße und der Buchwaldstraße erinnern. Auch Nachfahren der Verstorbenen wollten an der Gedenkveranstaltung teilnehmen. Die Corona-Pandemie verhinderte jedoch eine Anreise aus den USA. "Ihr Projekt ist sehr wichtig und ich danke Ihnen dafür, dass Sie mich gefunden haben", schrieb eine Nachfahrin aus North Carolina an die Organisatoren.

Erinnerung an den Holocaust

Die Verlegung der Stolpersteine übernahm der Kölner Künstler Gunter Demnig, der die Aktion vor Jahren ins Leben gerufen hatte. Mittlerweile dürfte er bereits rund 77.000 Stolpersteine in 26 Ländern verlegt haben, schätzt Demnig. Bei der Aktion handelt es sich um das weltweit größte dezentrale Mahnmal für die Opfer des Holocaust.

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