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Corona und Schule

Neue Schnupfnasen-Regeln: So geht's in Bayerns Kitas weiter | BR24

© picture alliance/Uwe Anspach/dpa

Archivbild: Kinder in einer Kindertagesstätte

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Neue Schnupfnasen-Regeln: So geht's in Bayerns Kitas weiter

Über den Sommer bleibt es in Bayerns Kitas dabei: Kinder mit Schnupfnase müssen daheim bleiben. Ab 1. September sollen aber neue Leitlinien gelten. Zudem soll dann wieder der Regelbetrieb starten. Die Kita-Beschlüsse des Kabinetts im Überblick.

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So groß die Freude über den "eingeschränkten Regelbetrieb" in Bayerns Krippen, Kindergärten und Horten in den Familien ist - so groß ist auch die Ernüchterung vieler Eltern, wenn sie ihre Kinder wegen einer tropfenden Nase oder einem leichtem Husten wieder abholen müssen. Denn wegen der Sorge vor einer Ausbreitung der Corona-Pandemie gilt derzeit im Freistaat die Regel: Kinder mit Krankheitssymptomen dürfen nicht in die Kita.

Nach Kritik aus der Elternschaft hat sich das bayerische Kabinett nun mit dem weiteren Fahrplan für die Kinderbetreuungseinrichtungen im Freistaat befasst. Die Entscheidungen im Überblick:

Juli und August: Weiter Einschränkungen

Am 1. Juli wurde in den Betreuungseinrichtungen ein eingeschränkter Regelbetrieb aufgenommen - und dabei soll es bis Ende August bleiben. Zwar dürften alle Kinder wieder in die Kita gehen, erläuterte Sozialministerin Carolina Trautner (CSU), allerdings noch unter gewissen Einschränkungen. "Das erfordert das Infektionsgeschehen im Moment noch." Zum einen müssen Krippen und Kindergärten feste Gruppen bilden, auch wenn sie eigentlich ein offenes pädagogisches Konzept haben. "Das dient der Nachverfolgung von Infektionswegen", sagte die Ministerin.

Zum anderen müssen Kinder mit Symptomen einer "übertragbaren akuten Krankheit" zu Hause bleiben. Dies habe zu Diskussionen geführt, räumte Trautner ein. "Ab er es ist im Moment absolut vertretbar, da wir ja auch Sommermonate haben und die Erkältungszeit vielmehr erst im Herbst beginnt." Bayern gehe weiterhin den Weg der Vorsicht und der Umsicht - das diene der Sicherheit und dem Gesundheitsschutz.

Ab September: Neue Leitlinien für Schnupfnasen

Am 1. September soll das kategorische Kita-Verbot für Kinder mit Erkältungssymptomen durch neue Leitlinien ersetzt werden. "Ich denke, da werden wir ein gutes Augenmaß bewahren", sagte dazu die Ministerin. "Weil sonst wären wahrscheinlich ab Herbst die Kindergärten zur Hälfte leer, wenn alle wieder erkältet sind."

Laut Trautner sollen die Kindergärten, Erzieherinnen und Erzieher dann anhand eines Leitfadens und einer Checkliste entscheiden können, "wie sie verfahren sollen mit einem Kind, das vielleicht nur mit einer leichten Schnupfennase kommt". Die Handreichung, die "auf medizinischem Sachverstand fußt", werde eine Hilfe sein, die richtige Entscheidung zu treffen. Die Staatskanzlei versprach: "Im Hinblick auf die üblichen Erkältungswellen ab Herbst sollen Kinder trotz leichten Schnupfens ihre Kindertageseinrichtung besuchen dürfen, wenn sie im Übrigen gesund sind."

Drei-Stufen-Modell ab Herbst

Ebenfalls am 1. September sollen die Krippen, Kindergärten und Horte Trautner zufolge in den Regelbetrieb zurückkehren - sofern es das Infektionsgeschehen zulässt. Das Kabinett beschloss dazu ein Drei-Stufen-Modell. Trautner sprach von einer Art Ampel, "die von Grün auf Orange und dann letztendlich auf Rot schaltet".

Stufe 1 - Regelbetrieb: Bleibt das Infektionsgeschehen stabil soll es laut Staatskanzlei möglichst wenig Einschränkungen in den Einrichtungen geben, offene Konzepte werden wieder zugelassen. Allerdings muss weiterhin ein Schutz- und Hygienekonzept eingehalten werden. Der Rahmen-Hygieneplan des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit wird aktuell überarbeitet und soll den Trägern vor Ort die Möglichkeit geben, ihr Konzept ganz individuell an die räumlichen und personellen Gegebenheiten der jeweiligen Einrichtung anzupassen.

Stufe 2 - eingeschränkter Betrieb: Sollten die Corona-Zahlen wieder steigen, soll es vorrangig lokal oder regional begrenzte Einschränkungen geben. Diese sollten aber unbedingt "auf das nötige Mindestmaß" begrenzt werden, betonte Trautner. Nach Möglichkeit soll dann zumindest ein eingeschränkter Betrieb mit reduzierten Gruppengrößen angeboten werden. Die Schließung von Einrichtungen soll nach Angaben der Staatskanzlei "das letzte Mittel" bleiben.

Stufe 3 - eingeschränkte Notbetreuung: Der "Worst Case" wäre laut Trautner eine so starke Verschlechterung des Infektionsgeschehens, "dass dann nur eine Notbetreuung möglich ist". Je nach Lage soll dann eine Art "Baukastensystem" greifen - bei dem abhängig vom Infektionsgeschehen entschieden wird, für welche Familien eine Notbetreuung angeboten wird.

Ausnahmen für bestimmte Betreuungsformen

Die reguläre Kindertagespflege soll im nach Angaben der Ministerin im Fall steigender Corona-Zahlen trotzdem ihren normalen Betrieb beibehalten können. "Weil die Gruppen sehr klein sind", betonte Trautner. Diese Regelung solle auch für die heilpädagogische Tagespflege gelten sowie für Waldkindergärten - "auch hier ist die Ansteckungsgefahr geringer", erläuterte die CSU-Politikerin.

Im Fall einer starken Corona-Ausbreitung (Stufe 3) will Bayern auch wieder auf Eltern-Betreuungsgruppen setzen, bei denen sich mehrere Familien gegenseitig bei der privaten Betreuung der Kinder unterstützen.

Das sagt die Opposition

Der bayerische Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann reagierte enttäuscht auf die Kita-Beschlüsse des Kabinetts: "Eine Umsetzung unserer frühen Forderungen in Tippelschritten und mit angezogener Handbremse", beklagte Hartmann auf Twitter. "Kindern und Eltern haben mehr verdient. Die stabilen und geringen Infektionszahlen lassen das zu." Der Grünen-Politiker fordert: "Regelbetrieb jetzt."

SPD-Sozialpolitikerin Doris Rauscher zeigte sich zwar froh, dass die "Staatsregierung auf unser Drängen hin die derzeit geltenden strengen Regelungen für den Herbst angepasst" habe. Es könne wirklich nicht sein, dass Kinder bei leichten Schnupfensymptomen von der Kita ausgeschlossen werden. Gleichzeitig mahnte die SPD-Landtagsabgeordnete aber, dass die Erzieherinnen und Erzieher oder die Kita-Leitung nicht für einen möglichen Corona-Ausbruch in einer Einrichtung verantwortlich gemacht werden dürften.

© BR

Das beschloss das bayerische Kabinett heute.

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