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Neue Runde im Abgasskandal: Jetzt auch Euro-6-Diesel betroffen | BR24

© Julian Stratenschulte

VW hat nicht nur beim Motor EA 189 illegale Abschalteinrichtungen eingesetzt, sondern auch beim Nachfolger EA 288.

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    Neue Runde im Abgasskandal: Jetzt auch Euro-6-Diesel betroffen

    VW hat auch beim Motor EA 288 illegale Abschalteinrichtungen eingesetzt. Nun wertete auch das Landgericht Regensburg die sogenannte "Zykluserkennung" bei diesem Motor als sittenwidrige Schädigung und verurteilte den Autokonzern zu Schadenersatz.

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    VW hat nicht nur beim Motor EA 189 illegale Abschalteinrichtungen eingesetzt, sondern auch beim Nachfolger EA 288. Damit sind jetzt auch vermeintlich saubere Euro-6-Diesel betroffen. Wie die Rechtsanwaltskanzlei Rogert & Ulbrich in einer Pressemitteilung schreibt, legen dies interne Dokumente des Autokonzerns nahe. Jetzt hat auch das Landgericht Regensburg den Autokonzern verurteilt.

    Schon in der Vergangenheit mehrere Hinweisbeschlüsse

    Bereits in der Vergangenheit gab es dazu Hinweisbeschlüsse mehrerer Landgerichte und des Oberlandesgerichts (OLG) Köln sowie ein Urteil des Landgerichts Duisburg. Nun wertete auch das Landgericht Regensburg die sogenannte "Zykluserkennung" bei diesem Motor als sittenwidrige Schädigung und verurteilte den Autokonzern zu Schadenersatz.

    Gewinnsteigerung durch Abgasmanipulation

    Das Regensburger Gericht gab dem Käufer eines VW Golf VII recht und sprach ihm einen Schadensersatz von 9.149 Euro zuzüglich Zinsen zu; dabei wurde eine Nutzungsentschädigung angerechnet. Mit der Abgasmanipulation habe sich das Unternehmen auf rechtswidrigem Weg Wettbewerbsvorteile zu verschaffen versucht, um seinen Gewinn zu steigern.

    Internes Dokument belege, laut Gericht, die VW-Manipulation

    Der Kläger hatte dem Gericht als Beleg ein internes Dokument des Volkswagen-Konzerns vorgelegt. Diese "Entscheidungsvorlage: Applikationsrichtlinien & Freigabevorgaben EA 288", so das Gericht, beschreibe genau, wie VW versuche, die Abgaswerte zu manipulieren. Das Fahrzeug erkennt, wenn es sich auf einem Prüfstand befindet, und verstärkt in diesem Fall die Abgasrückführung. So werden in der Prüfsituation deutlich weniger umwelt- und gesundheitsschädliche Stickoxide ausgestoßen als im Normalbetrieb auf der Straße.

    Gerichte geben Autokäufern recht

    Der Motor EA 288 wird seit 2012 in verschiedenen Fahrzeugtypen des Volkswagen-Konzerns verwendet. VW hat zwar eingeräumt, dass diese Motoren mit einer Zykluserkennung ausgestattet sind, bestreitet aber stets, dass es sich dabei um eine unzulässige Abgasmanipulation handelt. Üblicherweise argumentiert der Wolfsburger Konzern, dass für die Typgenehmigung lediglich die auf dem Prüfstand ermittelten Werte relevant seien. Das sehen immer mehr Gerichte anders: Dies belegen u. a. Urteile bzw. Hinweisbeschlüsse der Landgerichte Duisburg, Wuppertal, Baden-Baden sowie des OLG Köln - und nun die Regensburger Entscheidung.

    Anwälte rechnen mit einer weiteren Klagewelle

    "Dieses Urteil zeigt, dass der Abgasskandal noch lange nicht vorbei ist", erklärt Klägeranwalt Professor Dr. Marco Rogert. "Im Gegenteil: Die Abgasmanipulation beim EA 288-Motor betrifft auch die vermeintlich sauberen Euro-6-Diesel - und damit Zigtausende Autokäufer, die nun gute Chancen auf Rückabwicklung und Rückerstattung des Kaufpreises haben. Wir rechnen mit einer weiteren Klagewelle und empfehlen allen Betroffenen, sich von einem Anwalt beraten zu lassen."

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