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Öllampe aus Bronze - ein wertvolles römisches Fundstück aus Augsburg

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Neue Römerfunde in Augsburg bringen Überraschung für Historiker

Seit Monaten graben Archäologen im Augsburger Stadtteil Oberhausen auf einem alten Industrieareal nach Überresten aus der Römerzeit. Jetzt haben sie spektakuläre Funde gemacht. Heute Vormittag wurden sie der Öffentlichkeit vorgestellt.

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Von
  • Barbara Leinfelder

Für die Wissenschaftler der Augsburger Stadtarchäologie ist die Industriebrache in Augsburg eine wahre Fundgrube. Schon vor über 100 Jahren wurden hier römische Funde gemacht. In einer Grabung bis 1913 konnten dann über 10.000 Funde gesichert werden. Die Forscher fanden Beschläge von Pferdegeschirren, Münzen und Pfeilspitzen, aber auch Schmuck und Keramik, was damals schon als Sensation galt.

Augsburg ist ältester römischer Stützpunkt im Freistaat

Nachdem jetzt die Industriebebauung der Nachkriegszeit abgerissen wurde und künftig Wohnhäuser auf der riesigen Fläche entstehen sollen, konnten die Archäologen noch einmal tiefer schürfen – und hatten Erfolg. Laut Stadt konnten in den Grabungen in mühevoller Kleinarbeit Funde geborgen werden, die zeigen, dass Augsburg tatsächlich der älteste römische Stützpunkt im heutigen Bayern ist.

Hochwasser - ein Glücksfall für die Forscher

Vermutlich stießen die Legionen des Alpenfeldzugs im Jahr 15 vor Christus bis an den Zusammenfluss von Wertach und Lech vor. Ein dauerhaftes Lager ist erst ab 8 v. Chr. an dieser Stelle nachgewiesen. Hier war der wichtigste Stützpunkt für Vermessungsarbeiten und um das eroberte Land zu erschließen. Stationiert waren wahrscheinlich mehrere Tausend Mann. Dieses Lager wurde 15/16 nach Christus aufgegeben. Wahrscheinlich, so vermuten die Forscher, hat dann ein Hochwasser der Wertach das damalige Lager weggerissen. Ein Glückfall für die Forscher: Denn Waffen und Ausrüstungsgegenstände wurden im Flussbett mit Kies überlagert und so bis heute konserviert.

Das Lager ist die Keimzelle von Augsburg

Damit sind die Funde wohl gleichzusetzen mit den ersten Spuren der Römer in Bayern, mehr als 2.000 Jahre alt. Das Militärlager ist damit wohl auch die Keimzelle der Stadt, die als Augusta Vindelicum zu den ältesten in Deutschland zählt. Die Augsburger Forscher sind sich sicher: "Das ist das AUX von Augsburg, der Anfang also", so Sebastian Geirhos, Leiter der Augsburger Stadtarchäologie.

Neue Erkenntnisse über Leben und Alltag der Soldaten

Verbunden damit sind unzählige Querverbindungen. Denn die gefundenen Teile von Waffen, Glas, Knochen und Keramik kommen aus den unterschiedlichsten Teilen des damaligen römischen Reichs. Die Forscher erhoffen sich dadurch neue Informationen darüber, wie das Lager am Zusammenschluss zwischen Wertach und Lech versorgt wurde, ob etwa Lebensmittel und Ausrüstungsgegenstände aus Italien herangeschafft wurden und welche Logistik dahinter stand.

"Wegwerfmentalität der Römer"

Die Funde sind laut den Archäologen zum Teil von höchster handwerklicher Qualität und zeigen, wie eng das Lager an Italien angebunden war. Die Masse an metallischen Funden zeige aber auch, dass schon die Römer eine gewisse "Wegwerfmentalität" pflegten, sagt Sebastian Geirhos. Viele Werkzeuge und Waffenteile wurde einfach weggeworfen, weil die Beschaffung von neuem Material wohl dank der ausgezeichneten Versorgung nicht allzu schwierig war.

Augsburger Römerlager war wichtig für den Kaiser

Die Eroberung der Alpen und Germaniens spielte für Kaiser Augustus, den ersten Kaiser überhaupt, eine wichtige Rolle. Sie galt ihm mit als Legitimation für seine Herrschaft. Außerpolitische Erfolge waren daher überaus wichtig, so die Forscher. Von daher hat der Außenposten Augsburg-Oberhausen auch politisch eine wohl durchaus wichtige Rolle gespielt, "als der zentrale Stützpunkt der Römer im Alpenvorland", so Sebastian Geirhos. Es sei zu vermuten, dass auch kaiserliche Prinzen als Feldherren vor Ort waren.

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Bei Ausgrabungen für eine neue Wohnbebauung waren im Norden Augsburgs Funde zutage getreten, die offenbar eindeutige Hinweise liefern, dass Augsburg tatsächlich die älteste Stadt Bayerns ist. Am Vormittag wurden sie der Öffentlichkeit vorgestellt.

Quo vadis, Römerstadt Augsburg?

Die Ausggrabungsstücke, oft aus Metall, sind verkrustet und müssen aufwändig restauriert werden. Von der Auswertung erhoffen sich die Wissenschaftler nähere Hinweise darauf, wie die Römer ihre Truppen vor Ort im Voralpenland versorgt haben und wie die Erschließung des neu eroberten Gebietes verlief.

Für Geschichtsinteressierte und Römerfans stellt sich dabei die Frage, wo denn die neuen Funde nach der notwendigen Konservierung präsentiert werden könnten. Denn das frühere Römische Museum ist sozusagen heimatlos. Bis 2012 wurden die bisherigen Römer-Funde in der ehemaligen Dominikanerkirche ausgestellt, die dann aber wegen Statik-Problemen nicht länger als Museumsort dienen konnte. Übergangsweise gibt es bislang lediglich eine kleine Ausstellung im Zeughaus, die aber nur einen Bruchteil der vielfältigen Funde abbilden kann. Handfeste Pläne für ein neues Römisches Museum gibt es bislang nicht in Augsburg.

Brutale Bestattung: So "entsorgten" die Römer ihre Sklaven

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