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Neue Regeln zur Einschulung
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Daniel Knopp
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Neue Regeln zur Einschulung

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hat sein Konzept zum geplanten "Einschulungskorridor" vorgestellt. Der Ministerrat hatte am vergangenen Freitag die dafür erforderliche Änderung des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes (BayEUG) beschlossen. Der "Einschulungskorridor" gilt für Erstklässler, die zwischen Juli und September Geburtstag haben.

Entscheidung über Einschulung fällt im Mai

Das Verfahren der Einschulung bleibe unverändert, so Kultusminister Piazolo. So habe die Schuleingangsuntersuchung für das nächste Schuljahr bereits stattgefunden, zum Teil auch schon die Info-Veranstaltungen der Schulen.

"Dann wird es auch noch eine Beratung durch die Lehrerinnen und Lehrer geben und dann im Mai wird es die Entscheidung durch die Eltern geben. Die können dann sagen, mein Kind ist noch nicht schulreif, dann kann ich es zurückstellen lassen. Bei vielen wird es aber weiterhin so sein, dass sie das Kind in die Schule geben." Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler)

Wichtig ist also die Entscheidung im Mai. Falls die Eltern ihr Kind nicht zurückstellen lassen, wird das Kind, wie bisher, automatisch eingeschult.

Tausende Kinder und deren Eltern sind betroffen

Zu den Zahlen: Der Einschulungskorridor gilt für etwa 30.000 Mädchen und Buben in Bayern, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September sechs Jahre alt werden. Diese 30.000 Mädchen und Buben werden nach wie vor automatisch eingeschult. Bisher konnte das Kind durch einen Härtefallantrag zurückgestellt werden und tatsächlich wurde dieser Härtefall, also diese Zurückstellung, bei 30 Prozent der Kinder bewilligt. Der neue Einschulungskorridor macht die Zurückstellung also lediglich einfacher. Ob deswegen deutlich mehr Mädchen und Buben letztendlich zurückgestellt werden, bleibt abzuwarten.

BLLV ist skeptisch

Für die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann, kommt diese Änderung jedoch zu schnell. Zwar begrüßt Fleischmann die angekündigte Flexibilisierung beim Einschulungsalter für Grundschulkinder, doch zugleich bemängelt sie die Hektik bei der Einführung.

"Für uns hat Professionalisierung immer Vorrang vor Hektik und es ist einfach schöner, wenn man Eltern lange im Voraus, in Informationsabenden erklären kann, wie das mit der Einschulung läuft, als wenn ein Informationsabend war, das war in manchen Schulen schon, und ich dann nachschieben muss, dass dann doch alles ganz anders ist." BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann

Der Einschulungskorridor werde die Einschulungszahlen deutlich verändern, so Fleischmann. Dies sei ein unnötiger Stress für Schulen, aber auch für Eltern und Kinder. "Wenn Eltern dann sagen, dann gebe ich mein Kind noch nicht zur Schule, dann ist das in Ordnung, nur müssen wir sehen, dass dieses Kind bisher dachte, jetzt muss ich zur Schule und dann muss es doch nicht zur Schule. Die Kindergärten haben dann mehr Kinder, die Schulen weniger Kinder. Das ist alles kein Thema, weil die Flexibilisierung ist richtig gut und das individuelle Hinschauen beim einzelnen Kind ist wunderbar. Aber es ist eben die Frage, ob wir das jetzt auf Biegen und Brechen durchziehen müssen, wo wir bereits in den Beratungen sind oder ob man das hätte einfach noch ein Jahr hinausschieben können."

Piazolo weist Bedenken zurück

Die Kritik kann Kultusminister Piazolo nicht verstehen. Demnach komme der Einschulungskorridor jetzt auch keineswegs zu schnell. "Nein, wir haben diesen Einschulungskorridor schon früh im Koalitionsvertrag festgelegt. Wir haben ihn auch im Haus jetzt sorgfältig vorbereitet, er bereitet auch verwaltungsmäßig jetzt auch keine großen Umsetzungsschwierigkeiten, das Verfahren bleibt im Wesentlichen gleich und insofern bin ich der festen Überzeugung, dass dies ohne Schwierigkeiten im nächsten Schuljahr umgesetzt wird."

SPD will anderes Modell

Der SPD im Landtag geht die Flexibilisierung hingegen nicht schnell genug. So fordert die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, Simone Strohmayr, die "flexible Grundschule" in Bayern zum Standard zu machen. Das Modell "flexible Grundschule" habe sich bewährt und bringe mehr als die Einführung des Einschulungskorridors, so die SPD- Bildungspolitikerin Strohmayr.

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Daniel Knopp

Sendung

B5 Bayern vom 01.02.2019 - 15:17 Uhr