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Neue Pünktlichkeit bei der Deutschen Bahn | BR24

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Die Bahn ist so pünktlich, wie seit Jahren nicht. Vier von fün Zügen kommt pünktlich an. Die Bahn führt das darauf zurück, dass sie die Infrastruktur robuster und moderner gemacht habe und größere Zeitpuffer einplane.

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Neue Pünktlichkeit bei der Deutschen Bahn

Seit das Coronavirus grassiert, fahren viele Menschen nicht mehr mit der Bahn. Gerade in dieser Zeit ist der Fernverkehr aber deutlich pünktlicher geworden. Dazu trägt auch das Baustellenmanagement bei.

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Von
  • Anton Rauch

Mitten in der Corona-Pandemie meldet der Fernverkehr der Bahn im ersten Halbjahr eine um 0,5 Prozent gestiegene Pünktlichkeit. Tatsächlich heißt es, sei die Bahn so pünktlich wie seit 2008 nicht mehr. Manche Ansagen hört man inzwischen seltener, zum Beispiel, dass wegen einer technischen Störung eine Bahnverbindung ausfällt, ein Zug umgeleitet wird oder die Fahrt erst mit einer halben Stunde Verspätung am Zielbahnhof endet.

Ob an den Bahnsteigen oder in den Zügen: Wer viel Zug fährt, für den hatten solche Durchsagen in den letzten Jahren etwas Vertrautes. Bahnsprecher Michael Schmid führt das für Bayern auch auf Wetterextreme wie die schweren Schneefälle und die Stürme in den Wintermonaten 2018 und 2019 zurück:

"Denken Sie einfach an den Schneewinter 2018 in Bayern. Einfach Stürme, die gefühlt im Fünfwochenrhythmus auch Schäden an der Infrastruktur hinterlassen haben. Und dann ist da noch das Thema Kapazität, wenn alle Züge fahren, alle Züge im Nah- und Fernverkehr und die Güterzüge, dann haben wir einfach eine Infrastruktur gehabt, die nicht im gleichen Maß gewachsen ist wie der Verkehr." Bahnsprecher Michael-Ernst Schmidt

Das ist im ersten Halbjahr 2020 anders. Zwar haben die Fahrgastzahlen in den letzten Wochen zugenommen, aber von einer Auslastung wie vor Corona kann die Bahn nur träumen. Im letzten Jahr noch hatte sie Passagierrekorde gefeiert. Die veränderte Situation ist an den neuen Lautsprecherdurchsagen zu erkennen. "Schön, dass Sie da sind. Mit der Bahn kommen Sie auch in schwierigen Zeiten ans Ziel. Schützen Sie dabei sich und andere. Halten Sie den Mindestabstand ein. Tragen Sie Mund- und Nase-Bedeckung und benutzen Sie die gesamte Zuglänge beim Ein- und Aussteigen" - so lautet zum Beispiel eine Durchsage am Münchner Hauptbahnhof.

Stichprobe am Münchner Hauptbahnhof

ICE- Züge aus Hamburg oder dem Ruhrgebiet fahren ein – Fahrgäste steigen aus, die meisten äußern sich zufrieden, "der Zug hat 13 Minuten Verspätung gehabt", sagt ein Fahrgast, "aber die hat er aufgeholt bei der Geschwindigkeit". Eine Frau sagt, sie sei sehr wenig in Deutschland und fahre nicht viel Zug, aber man merke schon, dass es besser geworden ist: "Sie begrüßen, sind freundlich, man merkt, die Bahn ist in Not unternehmerisch.“

Ein Geschwisterpaar, die jungen Kölnerinnen Hannah und Sarah, kommen mit dem ICE, die Tante in München besuchen. Schließlich haben sie schon Ferien. Sie freuen sich, dass sie einen Sitzplatz hatten und gutes W-LAN.

"Wir haben zuhause ein Ticket gebucht, ohne Sitzplatzreservierung. Es hat dann aber super geklappt, wir hatten nämlich einen Sitzplatz mit Tisch und dann gab's da auch Steckdosen zum Laden der Handys, war echt super." Fahrgast Sarah aus Köln

Bahn: Pünktlicher vor allem dank besserer Technik und Investitionen

Rein statistisch liegt die Pünktlichkeit des Fernverkehrs der Bahn bei 83,5 Prozent. Im Nahverkehr sieht es noch besser aus. Dort sind die Züge auch nicht so lange unterwegs. Vier von fünf Fernzügen der Bahn in Deutschland kommen also pünktlich an. Entsprechend froh kann Bahnsprecher Michael Schmidt feststellen, dass die Bahn so pünktlich ist, wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr.

DB-Konzernsprecher Achim Stauß spricht von einem Bündel von Maßnahmen. So modernisiert die Bahn unter anderem derzeit ihre Zugflotte. Zu den 50 ICE 4, die nach und nach geliefert werden, kommen bald 30 neue ICE-Züge vom runderneuerten Typ ICE 3 neo. Die Vertragsunterzeichnung mit Siemens wurde Anfang letzter Woche bekannt.

© Screenshot BR von www.deutschebahn.com (18.7.20)

Die Grafik auf der Webseite der Deutschen Bahn zeigt die höchste Pünktlichkeit fürs 1. Halbjahr 2020 im April: 88,6 % (bis zu 5 Minuten zu spät).

Puffer im Fahrplan und besseres Baustellenmanagement

Für die guten Pünktlichkeitswerte im ersten Halbjahr ist laut Bahn auch das verbesserte Baustellenmanagement mit verantwortlich und verbesserte Fahr- und Umlaufpläne. Dazu gehören zusätzliche Weichen, einfach bessere Abläufe, die sich die Bahn mehr kosten lässt.

Für mehr Systemstabilität sorgen auch Anpassungen im Fahrplan. So gibt es zeitliche Puffer, für pünktlichere Anschlüsse verzichtet die Bahn auf Rekordfahrzeiten. So gestattet der Fahrplan laut Bahn, dass der ICE Sprinter von Münchnen nach Berlin jetzt knapp über vier Stunden braucht. Damit ist er zuverlässiger als mit der Rekordzeit von drei Stunden und 55 Minuten.

Moderne Weichen mit Sensoren

Es gibt auch eine Art Früherkennung für kommende Weichenstörungen: Moderne Weichen haben Sensoren, die melden, wenn die Weiche schwergängig wird. So kann sie repariert werden, bevor sie ausfällt. Mehr als 20.000 Weichen haben diese Technik schon und konnten mehr als 4.000 Störungen verhindern durch die digitale Fehlerübermittlung. So hilft die Digitalisierung der Bahn auch bei der Pünktlichkeit.

Um die Erfolge zu halten, sei vor allem der weitere Ausbau nötig, also die Modernisierung und Instandhaltung der Bahn-Infrastruktur. Da sind sich Bahnkunden, Umweltschützer und die Oppositionsparteien einig. Bahnsprecher Michael Schmidt verweist auf die Situation in Bayern. Dank des verbesserten Angebots fahren inzwischen mehr als 30 Prozent mehr Fahrgäste mit Regionalzügen als früher. Dazu braucht es den Ausbau, dazu braucht es viele Baustellen. "Bauen ist dabei nicht das Problem, sondern Teil der Lösung", betont der Bahnsprecher.

Pünktlichkeit noch ausbaufähig

Für die Bahn ist ein Zug mit fünf Minuten Verspätung noch pünktlich und es ist wohl auch realistisch bei den weiten Fahrten. Die treuen Fahrgäste wissen es zu schätzen und sind es gewöhnt. Mehr als 80 Prozent pünktlich seien auch nicht schlecht, sagt Claudia Heine, die gerade zum ICE eilt, Richtung Erfurt, aber:

"Ich habe früher in der Schweiz gelebt, da hat die Bahn eine Pünktlichkeit von 98 Prozent und hier rühmen sie sich so für vielleicht 85 Prozent und loben ihre Anstrengungen. Also da könnte schon noch was kommen." Fahrgast Claudia Heine

Bei der Pünktlichkeit gilt wie beim Metzger: Es darf gerne ein bisschen mehr sein. Darin besteht die Herausforderung, wenn jetzt nach und nach wieder mehr Menschen mit der Bahn fahren.

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Die Züge der Deutschen Bahn fahren so pünktlich wie seit 12 Jahren nicht mehr. Das haben uns heute auch Reisende am Münchner Hauptbahnhof bestätigt. Aber: Die Wagen sind auch so leer wie lange nicht - in der Corona-Pandemie.