BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Neue Pflegekraft-Ausbildung: Bayern ohne Plan | BR24

© BR

Pflegeschulen in Bayern sind in Not. Sie sollen zum neuen Jahr die vom Bund beschlossene neue Pflegekräfte-Ausbildung umsetzen, aber ihnen fehlt der Lernplan dazu. Einige Schulen werden die Ausbildung im April deswegen aussetzen und ernten Kritik.

3
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Neue Pflegekraft-Ausbildung: Bayern ohne Plan

Pflegeschulen in Bayern sind in Not. Sie sollen zum neuen Jahr die vom Bund beschlossene neue Pflegekräfte-Ausbildung umsetzen, aber ihnen fehlt der Lernplan dazu. Einige Schulen werden die Ausbildung im April deswegen aussetzen und ernten Kritik.

3
Per Mail sharen
Teilen

Bayern hat ein Problem: Zum neuen Jahr müssen die Pflegeschulen die bundesweit geltende neue Pflegekraft-Ausbildung umsetzen. Aber das Kultusministerium hat dafür noch keinen Lehrplan geliefert. Der Bund hat den Bundesländern zwar eine Vorlage dafür gegeben, die will der Freistaat aber nicht übernehmen. Das Ministerium ist nun dabei, einen eigenen Lehrplan zu erarbeiten. Das dauert einigen bayerischen Pflegeschulen offenbar zu lange. In Augsburg, Ingolstadt und Bamberg haben Pflegeschulen bereits angekündigt, keine Kurse zum nächsten Ausbildungsstart im April anzubieten. Auch wenn der neue Lehrplan wie vom Ministerium angekündigt im November kommen sollte, ist die Zeit für die Umsetzung zu knapp. Viele der insgesamt 250 Pflegeschulen in Bayern sind noch unentschlossen.

Kritik an Pflegeschulen, die keine Ausbildung im April anbieten

Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger war einmal. Zukünftig soll jede Pflegekraft alles machen. Universell und flexibel einsetzbar soll sie sein. Entsprechend generalistisch ist die Ausbildung ausgerichtet. Der neue Pflegeberuf heißt ab 1. Januar 2020 "Pflegefachfrau" und "Pflegefachmann".

Das hat die Bundesregierung nach jahrelanger Diskussion beschlossen. In Bayern werden laut Kultusministerium aktuell 6.680 Pflegeschüler ausgebildet. Die meisten starten im Oktober ihre dreijährige Ausbildung. Nur rund zehn Prozent der Pflegeschüler beginnen im April. Trotzdem kritisieren Kliniken und andere Einrichtungen wie Altenheime, die auf Pflegekräfte angewiesen sind, das Verhalten der Pflegeschulen, die keine Kurse im April anbieten.

"Ganz Deutschland spricht von Pflegenotstand. Es ist kontraproduktiv, wenn Lehrgänge im April 2020 nicht stattfinden. Das müssen wir alle Beteiligten verhindern." Siegfried Hasenbein von der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG).

Münchener Pflegeschule: "Es ist schon sportlich"

Siegfried Hasenbein vertritt alle Krankenhausträger im Freistaat. Hasenbein sagt, es sei schwierig und die Zeit dränge, aber es sei durchaus machbar für die Pflegeschulen, im April zu starten. Er sieht die Schuld vor allem beim Bund. Denn der hat erst im August den Rahmenlehrplan geliefert. Das war auch schon zu spät.

Trotz der Widrigkeiten startet die Münchener Pflegeschule der Schwesternschaft vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) einen Kurs im April kommenden Jahres. 25 Schüler werden antreten. Denn Schulleiterin Margit Schmidt weiß: Die Kliniken brauchen dringend Pflegekräfte. Aber sie gibt zu: "Es ist schon sportlich. Viele sprechen von Problemen, ich sehe es aber als Herausforderung." Zusammen mit anderen BRK-Pflegeschulen in Wertheim, Würzburg, Erding und Lindenberg hat Schulleiterin Schmidt einen eigenen Lehrplan erarbeitet und neue Kooperationen mit Einrichtungen vereinbart. Somit können sie in drei Jahren zwei fertig ausgebildete Jahrgänge den Kliniken anbieten: im April und im Oktober.

Piazolo zu bayerischem Sonderweg: "Gute Erfahrungen damit"

Die Leiterin der Pflegeschule an der Uniklinik Augsburg dagegen sagt: "Wir verschieben den Ausbildungsstart vom April in den Herbst, da uns auf Landesebene leider noch kein Lehrplan vorliegt." Sie hat sich Rat im Ministerium geholt. Nach ihrer Aussage haben die Zuständigen im Kultusministerium empfohlen, im Frühjahr die Ausbildung erst einmal auszusetzen. Träger von anderen Pflegeschulen haben BR24 diese Aussage bestätigt. Das Kultusministerium weist das zurück. Vielmehr sagt Kultusminister Piazolo nun:

"Ich ermuntere alle Pflegeschulen, im April zu starten. Es ist unser Ziel, den neuen Lehrplan im November zu verabschieden." Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler)

Piazolo verteidigt bayerischen Sonderweg bei Pflegeausbildung

Zum Sonderweg von Bayern sagt der Minister: "Wir haben gute Erfahrung gemacht, die Inhalte selber nochmal genau anzuschauen und einen eigenen Lehrplan zu machen. Das werden wir beibehalten und nicht alles übernehmen, was vom Bund kommt."

Für einige bayerische Pflegeschulen ist es aber offensichtlich schon zu spät. Damit wird es bei der April-Ausbildung auf jeden Fall ein kleines Loch geben. BKG-Chef Hasenbein: "Jede Pflegekraft, die fehlt, tut weh. Uns, aber vor allem den Patienten."

© BR24

Jeder dritte Azubi in Bayern bricht die Pflegeausbildung schon in der Probezeit ab. Auf der anderen Seite werden Pflegekräfte verzweifelt gesucht. Warum ist die Ausbildung so unattraktiv?

Sendung

B5 aktuell

Von
  • Katrin Bohlmann
Schlagwörter