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Ab 2022 gelten neue Pfandregeln. Dann soll es auch Pfand auf die bisherigen PET-Einweg-Flaschen geben.

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Neue Pfandregel tritt am 1. Januar 2022 in Kraft

Seit 2003 besteht in Deutschland die Pfandpflicht für Mineralwasser- und Bierflaschen sowie für kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke auch in Dosen. Im kommenden Jahr wird die Regelung auf weitere Verpackungen ausgedehnt.

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Claudia GrimmerClaudia Grimmer
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Erst waren es nur die PET-Flaschen, einige Dosen mit bestimmten Getränken. Dann kam der Joghurtglasbehälter dazu. Ab 1. Januar 2022 wird das Pfandsystem noch einmal ausgeweitet. Mit der Neuregelung im Verpackungsgesetz und anderen Gesetzen wird damit EU-Recht umgesetzt.

Ab jetzt: Pfand auf alle Einweg-Flaschen bis zu drei Litern

Pfand wird ab 2022 auf alle Einwegflaschen aus Kunststoff mit bis zu drei Litern Inhalt erhoben. Für Getränkedosen gilt dann die Bepfandung ohne Ausnahme. Das heißt, auch beispielsweise auf Plastik-Einwegflaschen wie Obstsäfte wird nun Pfand erhoben. Lediglich Milchgetränke sind noch von der Regelung ausgenommen. Kein Pfand gibt es auf Flaschen und Dosen, die bereits im Umlauf sind. Für sie gilt eine Übergangsregelung bis 1. Juli 2022.

Bis jetzt galt, dass grundsätzlich ein Pfand von 25 Cent auf Einweg-Getränkeflaschen von Bier Mineralwasser, Erfrischungsgetränken und alkoholhaltigen Mischgetränken erhoben wird. Ausgenommen davon waren Milch, Wein, Spirituosen, Cider, Energydrinks, Frucht- und Gemüsesäfte.

Das führte dazu, dass bislang zum Beispiel Fruchtsaftschorlen mit Kohlensäure pfandpflichtig waren, ein Fruchtsaft ohne Kohlensäure, der Prosecco-Mix in Dosen oder der Smoothie hingegen nicht. "Künftig gilt grundsätzlich: Ist eine Getränkeflasche aus Einwegplastik, dann wird sie mit einem Pfand belegt", so das Bundesumweltministerium.

"Die Ausweitung der Pfandpflicht macht das Pfand für alle Verbraucherinnen und Verbraucher besser verständlich. Denn zukünftig heißt es einfach: Auf alle Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff und Getränkedosen sind 25 Cent Pfand zu zahlen, unabhängig vom Inhalt." Svenja Schulze, Ex-Bundesumweltministerin

Ausgenommen von der Regelung sind weiterhin Getränkekartons beispielweise von Herstellern wie Tetra Pak, denn diese Verpackungen gelten als umweltfreundlich. Ihre Recyclingfähigkeit wird auf 90 Prozent beziffert.

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Seit 2003 besteht in Deutschland die Pfandpflicht für Mineralwasser- und Bierflaschen sowie für kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke auch in Dosen. Im kommenden Jahr wird die Regelung auf weitere Verpackungen ausgedehnt.

Pfandsystem braucht mehr PET-Flaschen

Es muss unterschieden werden zwischen Plastikflaschen, die bis zu 40 Mal gereinigt und wiederverwendet werden können (sogenannte Mehrwegflaschen – meist im Kasten) und den Einmal-PET-Flaschen. Sie werden nach der Rückgabe zerdrückt und dann zerkleinert. Es entstehen sogenannte PET-Flakes. Da die PET-Flaschen über den Pfandautomaten zurückgegeben werden, ist die Wiederverwertung relativ einfach, da nur Flaschen enthalten sind.

Die Saftflaschen kamen über den Gelben Sack zurück ins Recycling-System. Das hieß aber bis jetzt: Der gemischte Inhalt im Gelben Sack musste erst sortiert werden. Die Saftflasche wurde also aussortiert, weitertransportiert, gereinigt und erst dann dem Wiederverwertungssystem zugeführt. Mit der neuen Regelung des Pfandsystems landet sie gleich darin. Die Recycler rechnen mit zehn Prozent mehr Rücklauf durch die Einbindung von noch mehr Dosen und PET-Flaschen ins Pfandsystem.

"Wir verzeichnen im Moment einen Zuwachs an Pfandflaschen sowohl im Verkauf als auch im Rücklauf. Die neue Pfandregel wird wohl dazu führen, dass wir einen dritten Pfandrückgabeautomaten aufstellen werden." Olaf Birger, Edeka-Händler in Bamberg

PET gehört zu unserem täglichen Konsum

Schon jetzt werden 98 Prozent aller PET-Pfandflaschen zurückgegeben. Deutschland ist PET-Sammelweltmeister. Ein Teil (34,4 Prozent) davon wird für die Herstellung neuer Flaschen verwendet, der andere beispielsweise für die Produktion von Kleidung wie Jacken (20 Prozent), Folien (28,6 Prozent) oder zur Weiterverarbeitung in der Industrie, die sie unter anderem für Beschichtungen benötigt (13 Prozent).

Die PET-Flasche kann unendlich oft recycelt werden. Das geschieht beispielsweise bei einer der größten PET-Recycler in Deutschland. Die PET-Verpackungen GmbH mit Sitz im thüringischen Großbreitenbach bereitet diese PET-Flakes auf. Sie reinigt sie und verarbeitet sie zum sogenannten Rezyklat, dem aufbereiteten Kunststoff. Das sind kleine Kügelchen, also das geschredderte, gereinigte Material aus zurückgegebenen PET-Flaschen. Dieses Material ist teurer als neues PET. Der Preis ist in den letzten fünf Jahren um 50 Prozent gestiegen.

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Bildrechte: pa/Sascha Steinach

Zeichen für Einweg-Pfandflasche

Schon jetzt wird für die Herstellung neuer PET-Flaschen 40 Prozent Recycling-Material verwendet. Der Anteil kann auch höher liegen. "Die PET-Rücklaufflaschen können bis zu 100 Prozent für die Produktion von neuen PET-Flaschen eingesetzt werden, je nach Kundenwunsch", so Hubert Rehan von PET-Verpackungen GmbH. Wenn denn genug Altschredder vorhanden wäre, doch das ist nicht so. Um die PET-Flakes aus Altflaschen reißen sich viele Industriezweige im In- und Ausland. "Die neue Pfandregelung ist gut, denn das wird auf jeden Fall helfen, den Rezyklatanteil zu steigern", erklärt Rebhan.

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Sogenannte PET-Flakes in der Wiederverwertung. Daraus werden nach der Reinigung kleine PET-Kügelchen gepresst und zu neuen Flaschen verarbeitet

Gigantische Zahlen zeigen, was PET-Flaschen bei uns bedeuten. Im thüringischen Werk werden jährlich zwei Milliarden der sogenannten Preforms hergestellt. Das sind Rohlinge, die zu den Getränkefirmen kommen und dann erst zu Flaschen geformt werden bevor sie eine Neubefüllung erhalten. Das hat Kostenvorteile beim Transport. Insgesamt sind in Deutschland jährlich 18 Milliarden PET-Flaschen im Umlauf. Und die Plastikflasche ist besser als ihr Ruf, wenn sie denn im System bleibt und nicht einfach weggeworfen wird. Ihr Vorteil ist die unendliche Wiederverwertung, ihr Preis, ihr Gewicht und dass bei der Herstellung nur 300 Grad benötigt werden. Glas braucht zum Schmelzen rund 600 Grad und damit mehr Energie.

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Sogenanntes Rezyklat aus PET-Flaschen und neues PET.

Regelungen für Pfand werden ausgeweitet

Ab 2023 gibt es auch eine Änderung für alle, die "Essen-to-go" anbieten. Sie müssen dann EU-weit Mehrwegbehälter verwenden. Ausnahmen gibt es für kleine Betriebe mit maximal fünf Beschäftigten und einer Verkaufsfläche von höchstens 80 Quadratmetern. Das betrifft beispielsweise Imbissbuden oder Kioske. Sie dürfen Essen und Getränke in mitgebrachte Behälter der Kunden füllen. Für alle anderen gilt, dass sie To-Go-Getränke und Take-Away-Essen in Mehrwegverpackungen anbieten müssen.

"Die Mehrwegvariante darf nicht teurer sein als das gleiche Produkt in einer Einwegverpackung. Außerdem müssen für alle Angebotsgrößen eines To-Go-Getränks entsprechende Mehrwegbecher zur Verfügung stehen." Svenja Schulze, Ex-Bundesumweltministerin

Ab 2024 sieht das Pfandgesetz auch Pfand für Milchgetränke in Plastikflaschen vor. Diese Vorgabe ist umstritten, denn die Milchindustrie sieht hier Probleme bei der Hygiene aufgrund von Schimmelbildung in den Kunststoff-Gefäßen. Im selben Jahr muss der Verschluss der PET-Flaschen mit der Flasche verbunden bleiben, so dass auch die Kapseln verstärkt ins Recyclingsystem zurückkommen.

2025 wird das Gesetz noch einmal verschärft. Dann müssen PET-Flaschen aus mindestens 25 Prozent Recyclingplastik bestehen. Diese Rate wird in Deutschland schon lange erreicht. Ab 2030 wird diese Mindestquote auf 30 Prozent erhöht, was vor allem den Nachbarstaaten in der EU Schwierigkeiten bereiten dürfte. In Deutschland enthielten PET-Flaschen nach Angaben des Bundesumweltministeriums bereits im Jahr 2015 einen Anteil von 26 Prozent recycelten Materials. Mittlerweile liegt die Quote sogar bei über 40 Prozent.

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Sogenannte Preforms. Sie werden erhitzt, aufgeblasen und daraus entstehen neue PET-Flaschen

Und so geht es weiter:

  • Ab 2023: Nur noch Mehrwegbehälter bei Lieferdiensten und Caterern
  • Ab 2024: PET-Flaschen-Verschluss müssen mit Flasche verbunden bleiben
  • Ab 2024: Pfand auch auf Milchgetränke in Plastikflaschen
  • Ab 2025: 25 Prozent recyceltes Plastik in Flaschen
  • Ab 2030: 30 Prozent recyceltes Plastik in Flaschen
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Aus alten PET-Flaschen entstehen neue Flaschen

Das Problem ist unser Restmüll

Laut dem Bundesumweltministerium entstehen täglich 770 Tonnen Verpackungsmüll durch Takeaway-Einwegverpackungen. Die Regierung fördert deshalb das Mehrwegangebot in Gastronomie-Betrieben. Beim Projekt "Essen in Mehrweg: Wir machen mit" erproben Unternehmen Mehrweglösungen beim To-Go-Angebot.

Seit knapp einem Jahr gilt zudem ein EU-weites Exportverbot für schwer recycelbare Kunststoffabfälle, die vermischt oder verschmutzt sind.

In Deutschland wird zwar fleißig getrennt und wiederverwertet, vor allem im PET-Flaschen-System. Was aber zunimmt, sind die Mengen an sogenannten Siedlungsabfällen. Das sind Abfälle aus privaten Haushalten oder anderen Einrichtungen, sprich: Restmüll und vor allem Verpackungen.

"Die Abfallmengen in Deutschland sind deutlich zu hoch." Svenja Schulze, Ex-Bundesumweltministerin

Zwischen 2014 und 2019 ist die Abfallmenge in diesem Bereich weltweit um 700 Millionen Tonnen gestiegen. Deutschland sei mit 50 Millionen Tonnen überproportional an der Steigerung beteiligt, so das Bundesumweltministerium.

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