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Die Nebelhornbahn in Oberstdorf wurde für 55 Millionen Euro runderneuert. Jetzt ist sie zwar technisch fertig, doch zu laut - sehr zum Unmut der Anwohner.

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Neue Nebelhornbahn: Anwohner beschweren sich über Lautstärke

Die Nebelhornbahn wurde für 55 Millionen Euro erneuert. Aktuell darf sie zwar keine Gäste befördern, doch schon nach den ersten Testfahrten haben sich Anwohner über die Lautstärke beschwert. Die Verantwortlichen müssen nochmal nachbessern.

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Von
  • Katharina Reichart
  • Beate Mangold

Die Rundum-Erneuerung der Nebelhornbahn ist ein Prestige-Projekt für Oberstdorf. Die Gäste sollen in Zukunft bequemer und vor allem schneller auf das Nebelhorn gebracht werden. In nur knapp einem Jahr wurde die alte Bahn mit ihren Großraumkabinen deshalb gegen eine neue Umlaufbahn mit 10er-Gondeln getauscht. 55 Millionen Euro hat das Projekt gekostet, doch trotzdem läuft noch nicht alles perfekt.

Anwohner stören sich an der Lautstärke der Gondeln

Denn die Bahn ist zwar schon als "betriebssicher" abgenommen, die Anwohner, die unter und neben der Bahntrasse wohnen, stören sich allerdings an der Lautstärke der neuen Gondeln. Diese befördern aktuell wegen der Corona-Pandemie noch keine Gäste, schon die vielen Fahrten zum Einstellen der Bahn haben die Anwohner aber aufhorchen lassen.

Geräusch vergleichbar mit einem Tinnitus

Das Geräusch sei vergleichbar mit einem Tinnitus, ein hoher, gleichbleibender Ton mit einer unangenehmen Frequenz – so beschreiben die Anwohner den Ton der neuen Nebelhornbahn. Seilbahngeräusche seien sie zwar gewohnt, schließlich gibt es die Nebelhornbahn bereits seit den 1930er-Jahren, aber die Geräuschentwicklung jetzt habe eine andere Dimension.

Frequenz der Abfahrten hat sich erhöht

Das liege auch an der neuen Taktung, so Anwohner Wolfgang Burgstaller. Während die alten Kabinen der Bahn nur alle acht Minuten abfuhren, kommen die neuen Gondeln in kurzer Abfolge. Dadurch entstehe das Dauergeräusch und das sei störend, so Burgstaller.

Anwohner fürchten weniger Feriengäste

Carolina Jacoby wohnt direkt an der ersten Stütze der Seilbahn und auch dort sind die Überfahrten lauter als früher. Sie befürchtet dadurch auch einen wirtschaftlichen Schaden. Denn fast jeder in der Nachbarschaft vermiete Ferienwohnungen, wie sie selbst, so Carolina Jacoby. Der Lärm könnte die Feriengäste aber abschrecken und auch sie selbst möchte lieber in Ruhe auf der Terrasse sitzen.

Feintuning soll die Geräuschquelle aufdecken

Ihre Sorgen haben die Anwohner auch mit den Verantwortlichen der Bergbahn besprochen. Die suchen den Schulterschluss mit dem Seilbahnbauer, der Firma Leitner aus Südtirol. Sie räumen zwar ein, dass die Bahn bei maximaler Geschwindigkeit zu laut sei, dies werde sich aber mit dem Feintuning erledigen, so Jörn Homburg, der Sprecher der Nebelhornbahn. Bauteil für Bauteil werde dafür nun ausgetauscht, um die Quelle für das Geräusch zu finden.

Jedes Bauteil muss einzeln angefertigt werden

Schnell geht das allerdings nicht. Denn die Bergbahn ist ein Unikat: Neue Bauteile müssen extra angefertigt und geprüft werden. Erst dann können sie wieder eingebaut werden. Seilbahn-Ingenieur Rudolf Beha verspricht aber, dass sich auf jeden Fall etwas ändert. "Wir müssen auf jeden Fall in den von der Betriebsgenehmigung bewilligten Geräuschrahmen kommen, das heißt, wir müssen solange arbeiten, bis wir diesen Rahmen einhalten", so Beha. Das akzeptieren auch die Anwohner erstmal, so Carolina Jacoby: "Ich hoffe einfach, dass man eine friedliche Lösung findet und wir hier alle zufrieden wohnen können."

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Die Nebelhornbahn wird rundum erneuert: Statt der alten Pendelbahn befördert ab Ende März 2021 eine moderne 10er-Kabinenbahn Bergliebhaber hinauf Richtung Nebelhorn. Die alten gelben Großraumkabinen sollen für einen guten Zweck versteigert werden.

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