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Neue Heimat für Knochen des Widerstandskämpfers Lichtenberg | BR24

© BR/Annerose Zuber

Dekan Holger Fiedler spricht über das leben und die Bedeutung von Bernhard Lichtenberg.

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Neue Heimat für Knochen des Widerstandskämpfers Lichtenberg

Die Hofer Marienkirche ist um eine Reliquie reicher: Bei einer Wallfahrt haben Katholiken einen Fingerknochen von Bernhard Lichtenberg aus Berlin nach Hof geholt. Lichtenberg war ein Widerstandskämpfer gegen das Naziregime.

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Hof baut die Erinnerung an den katholischen Priester und Hitler-Gegner Bernhard Lichtenberg weiter aus: Erstmals wird am Mittwoch (6.11.19) ein Fingerknochen Lichtenbergs präsentiert, der 1943 in Hof während der Deportation ins Konzentrationslager Dachau starb.

Vieles in Hof erinnert an Lichtenberg

Die katholische Pfarrei von Hof ist nach Bernhard Lichtenberg benannt, ebenso der Platz vor der Kirche. Derzeit laufen im Vatikan die Vorbereitungen, um Lichtenberg heilig zu sprechen.

Der Hofer Dekan holt Lichtenbergs Fingerknochen aus Berlin

Bei einer Wallfahrt zum 76. Todestag des Berliner Domprobstes Lichtenberg hat der Hofer Dekan Holger Fiedler zusammen mit einer Gruppe Hofer Katholiken den Fingerknochen aus Berlin geholt. Die Überreste Lichtenbergs liegen dort in der Hedwigs-Kathedrale begraben. Der Fingerknochen soll künftig als Reliquie in der Hofer Marienkirche aufbewahrt werden. Er ist in einem kleinen Beutel verpackt, der wiederum in einem versiegelten Kästchen liegt. Bei drei Gottesdiensten soll die Reliquie auf dem Altar präsentiert. Die Gottesdienste finden am Mittwoch, Donnerstag und Freitag (6./7. und 8.11.19) statt.

Widerstandskämpfer Lichtenberg schreibt Briefe an Hitler

Mit seinem Widerstand gegen das System der Nationalsozialisten und seinem Einsatz für seine Mitmenschen sei Lichtenberg bis heute ein Vorbild, sagt der Hofer Dekan Holger Fiedler im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. So formulierte Lichtenberg seine Kritik am Nationalsozialismus in einem Brief an Adolf Hitler und protestierte 1935 bei Göring gegen die Zustände in einem Konzentrationslager. Als am 9. November 1938 die Synagogen in Deutschland brannten, schloss Lichtenberg drei Jahre lang, bis zu seiner Verhaftung Im Oktober 1941, jeden Abend die "Juden, und alle anderen Verfolgten des Nazi-Regimes" in sein öffentliches Gebet ein. Außerdem sammelte er Spenden, um rund 1.000 Juden die Ausreise zu ermöglichen und protestierte beim Reichsärzteführer gegen das Euthanasieprogramm, mit dem die Nazis hunderttausende behinderte Menschen ermordeten.

Mit dem Gefangenen-Transport kommt Lichtenberg nach Hof

Bei seinem Einsatz ließ sich der Pfarrer auch nicht von Hausdurchsuchungen und Gestapo-Verhören einschüchtern. Wegen Kanzelmissbrauchs und Verstößen gegen das Heimtücke-Gesetz wurde der damals 66-jährige katholische Priester zu zwei Jahren Haft verurteilt. Anschließend sollte er auf Geheiß der Gestapo von Berlin ins KZ Dachau deportiert werden. Als der Gefangenen-Transport im Oktober 1943 in Hof Station machte, sorgte der Gefängnis-Leiter dafür, dass der todkranke Domprobst ins Krankenhaus kam. Doch zu spät: Lichtenberg starb am 5. November 1943 in Hof. Anschließend wurde er nach Berlin überführt, wo er unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in der Berliner Bischofskirche, der Hedwigskathedrale, beigesetzt wurde.