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Der BR-Podcast "Himmelfahrtskommando" liefert neue Erkenntnisse zum Olympia-Attentat von 1972

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"Himmelfahrtskommando": Neue Erkenntnisse zu Olympia-Attentat

Alle Befreiungsaktionen scheitern, die elf Geiseln sterben: Das Olympia-Attentat von 1972 endet in einer Katastrophe. Umstritten ist dabei bis heute die Rolle eines Freiwilligenkommandos der Münchner Polizei. Ein BR-Podcast liefert neue Erkenntnisse.

Von
Annalena SipplAnnalena SipplLea UtzLea UtzKatja Paysen-PetersenKatja Paysen-Petersen
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München, 5. September 1972. Die Olympischen Sommerspiele, die "heiteren Spiele", werden von einem Anschlag erschüttert. Um 4 Uhr morgens klettern acht palästinensische Terroristen über den Zaun des Olympischen Dorfs. Sie dringen in die Unterkunft der israelischen Nationalmannschaft ein, nehmen Geiseln. Ein Befreiungsversuch nach dem anderen scheitert. Die scheinbar letzte Option: ein Freiwilligenkommando der bayerischen Polizei.

Es steht im Mittelpunkt des BR-Podcasts "Himmelfahrtskommando - Mein Vater und das Olympia-Attentat", der sich auf berührende Weise mit den Fragen nach Schuld und Versagen, Verzeihung und Versöhnung beschäftigt.

Zum ersten Mal spricht ein Beteiligter des Freiwilligenkommandos

Einer der Polizisten, die sich damals freiwillig zum Einsatz melden, ist Guido Schlosser - mit ihm erzählt jetzt erstmals einer der beteiligten Polizisten von der misslungenen Aktion am Flughafen Fürstenfeldbruck. Dorthin wird Schlosser mit zehn Kollegen geschickt, um die Geiselnehmer auszuschalten. Am Flughafen Fürstenfeldbruck steht ein Flugzeug bereit, mit dem Geiseln und Terroristen angeblich nach Kairo ausgeflogen werden sollen. Guido Schlosser, 21 Jahre alt und gerade fertig mit der Ausbildung, steigt ins Flugzeug, versteckt sich hinter den Sitzen und wartet auf die Geiselnehmer, um sie "kampfunfähig" zu machen, also im Zweifel zu töten.

Der ehemalige Polizist Guido Schlosser spricht als erster der am Freiwilligenkommando beteiligten Polizisten

Bildrechte: Patrizia Schlosser

Feige Polizisten? Sie verweigern den Befehl und fliehen

Aber im Flugzeug kommen den Beamten Zweifel: Keiner von ihnen ist für so einen Einsatz ausgebildet. Und ihrer Ansicht nach ist es viel zu eng, um zu schießen. Guido Schlosser erinnert sich an die entscheidende Ansage des Einsatzleiters: "Also Kollegen, das ist doch alles ein Schmarrn. Das ist doch ein Himmelfahrtskommando! Wenn es tatsächlich so abläuft, dann gehen wir alle drauf." Die Polizisten verlassen das Flugzeug. Später heißt es: Sie seien feige gewesen – und verantwortlich für das, was danach passiert: Alle Geiseln und ein Polizist sterben auf dem Flugplatz. Tragen Guido Schlosser und seine Kameraden eine Mitschuld?

Vater und Tochter gehen auf Spurensuche

Fast 50 Jahre nach dem Attentat sucht der ehemalige Polizist nach Antworten – zusammen mit seiner Tochter, der BR-Journalistin Patrizia Schlosser. Sie rollt im Podcast die Ereignisse rund um das Olympia-Attentat wieder auf. Die acht Folgen zeichnen ein genaues Bild davon, was sich damals auf dem Flugplatz in Fürstenfeldbruck abgespielt hat - und wie es danach weiterging.

BR-Journalistin Patrizia Schlosser arbeitet die Ereignisse von damals wieder auf

Bildrechte: Fredy Gareis

Besuch bei Ankie Spitzer, Witwe des Fechttrainers André Spitzer

Die Spurensuche lässt viele Ereignisse in einem neuen Licht erscheinen – und zeigt auch auf, wie die Verantwortung seitens der Politik damals massiv vertuscht wurde. Im Podcast treffen Vater und Tochter Geheimdienstler, Polizisten und internationale Politiker - vom deutschen Neonazi bis zum ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barakum.

Besonders eindrucksvoll: der Besuch bei Ankie Spitzer, der Witwe des Fechttrainers André Spitzer. Sie musste mehr als 20 Jahre warten, bis sie Dokumente zum Einsatz der bayerischen Behörden einsehen konnte. Immer wieder forderte sie eine Entschuldigung von deutscher Seite, aber die kam nicht. Auch Guido Schlosser fühlt sich ihr gegenüber schuldig. "Für meinen Vater war deswegen klar, dass er eigentlich dann auch nach Israel reisen muss und sich dieser Kritik stellen muss", sagt seine Tochter Patrizia Schlosser. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg.

Den Podcast "Himmelfahrtskommando - Mein Vater und das Olympia-Attentat" finden Sie in der ARD-Audiothek.

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