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Neue Corona-Variante: 35 Fälle in Garmisch-Partenkirchen | BR24

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In Garmisch-Partenkirchen soll eine unbekannte Variante des Coronavirus entdeckt worden sein. Laut Klinikum wurde die neue Variante bei 35 Personen nachgewiesen.

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Neue Corona-Variante: 35 Fälle in Garmisch-Partenkirchen

Am Klinikum Garmisch-Partenkirchen ist eine unbekannte Variante des Coronavirus entdeckt worden. Bei 35 von 73 Neuinfizierten im Krankenhaus wurde dieses veränderte Virus festgestellt. Jetzt werden Proben in der Berliner Charité untersucht.

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Von
  • Martin Breitkopf
  • Veronika Beer
  • Susanne Hagenmaier

Corona-Ausbruch im Klinikum Garmisch-Partenkirchen: 73 Patienten und Mitarbeiter wurden positiv getestet. Bei 35 von ihnen wurde auch eine bislang unbekannte Variante des Virus entdeckt. Labormitarbeiter des Klinikums Garmisch-Partenkirchen hatten mit Hilfe eines speziellen Laborgeräts Unregelmäßigkeiten bei den Corona-Abstrichen festgestellt.

Am Montagnachmittag traten Landrat Anton Speer (FW), der Geschäftsführer des Klinikums, Frank Niederbühl und der stellvertretende ärztliche Direktor Clemens Stockklausner vor die Presse. Im Verlauf der letzten Woche seien an zwei Orten außerhalb des Covid-Bereichs der Klinik Corona-Infektionen aufgetreten, erläuterte Niederbühl.

Es handelt sich weder um britische noch um südafrikanische Variante

Bei einer Pressekonferenz vor dem Klinikum sagte Stockklausner, dass am Freitag unter den 73 Neuinfizierten bei 35 Tests eine Veränderung des Virus-Gens festgestellt werden konnte. Es handele sich aber dabei definitiv nicht um die britische oder südafrikanische Variante. "Wir haben im Moment eine kleine Punkt-Mutation, die weltweit aber auch in Deutschland schon mehrfach beschrieben wurde, entdeckt und es ist absolut nicht klar, ob daraus eine klinische Relevanz entsteht", so Stockklausner.

Klinische Relevanz derzeit völlig unklar

Drei der Proben der Virus-Variationen seien an die Berliner Charité geschickt worden, sagte der ärztliche Leiter. Derzeit würden die Proben mit Hochdruck von Experten analysiert. Nun müsse man abwarten, wie groß die Veränderung gegenüber dem bekannten Coronavirus tatsächlich ist.

Man könne nicht sagen, ob diese Virus-Variante nun ansteckender oder aggressiver sei als der bislang bekannte Coronavirus. Einen Grund zur Panik gebe es nicht. Es könne auch sein, dass diese Variante sich als harmloser herausstellen werde. Das müsse man nun abwarten, so Stockklausner, in den nächsten Tagen wisse man dann mehr. Möglich sei, dass der Klon sich weiter ausbreitet - oder aber auch, dass er nächste Woche schon wieder Geschichte sei. "Wir müssen den Experten Zeit geben, ihre Arbeit zu tun", sagte Stockklausner.

Notfallversorgung findet uneingeschränkt statt

Man habe ein intensives Netz von Testungen gespannt, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, erklärte Landrat Anton Speer (FW). Die zwei Ausbruchsherde außerhalb der Covid-Station seien ebenfalls abgesperrt.

Geplante Operationen hat das Klinikum abgesagt. Notfälle können aber weiterhin versorgt werden. Dafür habe das Klinikum sowohl auf der Intensiv- als auch auf der Normalstation noch freie Betten, so der Geschäftsführer. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen liegt der aktuelle Inzidenzwert bei 128,9.

Hintergrund: Wie gefährlich ist eine Mutation grundsätzlich?

Wie ist die Situation nach jetzigem Stand einzuordnen? Eine Virus-Variante besteht grundsätzlich aus zahlreichen Mutationen. "Mutation" klingt gefährlich, es ist aber ein ganz natürlicher Anpassungsprozess im Laufe der Evolution eines Erregers, betont Roman Wölfel vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. "Wie bei vielen anderen Virus-Erkrankungen auch, verändert sich der Erreger im Wechselspiel mit den Menschen, die infiziert werden", sagt Wölfel.

Mutationen entstehen dem Experten zufolge immer dann, wenn sich das Virus vervielfältigt und sich dabei Kopierfehler im Genom einschleichen. Gereichen diese dem Erreger zum Vorteil, etwa, weil er sich besser vermehren kann, dann setzt sich eine mutierte Variante im Zweifel durch.

Auch dem Virologen Oliver Keppler bereitet die unbekannte Corona-Variante im Klinikum in Garmisch-Partenkirchen aktuell "keine große Sorge". Das hat er in der Rundschau im BR Fernsehen mitgeteilt. Man kenne die neu beschriebenen Mutationen bisher noch nicht, dafür brauche es noch weitere Laboruntersuchungen. "Fakt ist, dass sie keine der aktuell vieldiskutierten Varianten beinhalten. Es muss uns einfach klar sein, Virus-Mutationen sind beim neuen Coronavirus per se sehr häufig", so Keppler.

Normal und bekannt, dass sich Virus verändert

Dass das Coronavirus mutiert, ist mittlerweile hinlänglich bekannt: Der Geschäftsführer des Klinikums Garmisch-Partenkirchen, Frank Niederbühl, betonte, seit Beginn der Pandemie seien weltweit mehr als 12.000 Veränderungen in den Sequenzen festgestellt worden.

"Eine Panikmache wäre absolut unseriös und unangebracht. (...) Allein die Tatsache, dass es eine neue Variante ist, besagt ja nicht, dass sie infektiöser ist." Frank Niederbühl, Geschäftsführer des Klinikums Garmisch-Partenkirchen

Kürzlich hatten sich eine britische und eine südafrikanische Abwandlung des Coronavirus als aggressiver und ansteckender herausgestellt. Doch selbst diese Varianten und Mutationen führen laut Experten bislang nicht zu einer höheren Sterblichkeit. Zudem bestehe kein verminderter Schutz durch die bekannten Impfstoffe.

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Im Klinikum Garmisch-Partenkirchen gibt es einen Coronaausbruch bei Patienten und Mitarbeitern - 73 Fälle sind derzeit bekannt. Dabei wurde auch noch eine neue Variante des Corona-Virus entdeckt.

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