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Neue Chance im Kampf gegen den Brustkrebs | BR24

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Forscher am Uni-Klinikum in Erlangen untersuchen eine neue Art der Brustkrebs-Therapie. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Chemo- und Immuntherapie.

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Neue Chance im Kampf gegen den Brustkrebs

Jährlich erkranken weltweit zwei Millionen Frauen an Brustkrebs. Im Erlanger Uni-Klinikum wird derzeit eine klinische Studie durchgeführt, die die Immuntherapie für Brustkrebs-Patientinnen untersuchen soll. Erste Ergebnisse sind vielversprechend.

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In Deutschland erkranken pro Jahr 70.000 Frauen an Brustkrebs, 18.000 von ihnen sterben jährlich daran. Die Universitätsklinik Erlangen und die AGO-B-Studiengruppe untersuchen derzeit in einer klinischen Studie, welche Erfolge sich durch eine Kombination einer Chemo- und einer Immuntherapie bei Brustkrebs erzielen lassen. Es ist eine der ersten Studien dazu in Deutschland.

Immuntherapie könnte Chance sein

Immuntherapien werden bereits seit über fünf Jahren in Deutschland angewandt, aber vor allem im Bereich von Lungen-, Haut- oder Rachentumoren. Eine weltweit Studie, an der ebenfalls Erlanger Ärzte mitgewirkt haben, zeigt eine hohe Erfolgsrate auch bei Immuntherapien bei Brustkrebs. Zwei von drei Frauen waren nach der Therapie krebsfrei. Die bundesdeutsche Studie erhofft sich jetzt gleiche, eventuell noch bessere Ergebnisse. Mitte des Jahres soll die Erlanger Untersuchung veröffentlicht werden.

Forscher ändern die Signale der Krebszellen

Krebszellen sind schlau. Bei Untersuchungen stellten Wissenschaftler fest, dass sich in ihnen viele Immunzellen befinden. Die sollten eigentlich den Tumor bekämpfen, doch die Krebszellen schaffen es, Signale auszusenden, die das Immunsystem zum Stillstand bringen. Mediziner forschten lange daran, sogenannte Checkpoint-Inhibitoren zu entwickeln. Das sind Hemmer, die die Signale, die von Krebszellen an die Immunzellen gesendet werden, blockieren und ihnen gleichzeitig das Signal zum Angriff auf den Krebs geben. 2018 erhielten die Forscher James Allison und Tasuku Honjo für die Entwicklung solcher Checkpoint-Inhibitoren den Nobelpreis für Medizin.

Brustkrebs-Patientinnen in Erlangen wird in dieser Studie eine Chemotherapie und auch eine Immuntherapie als Infusion verabreicht. Bei der Immuntherapie wird durch Medikamente bewirkt, dass die Immunzelle aktiv wird, den Krebs erkennt und zerstört. Die Chemotherapie versucht durch Arzneimittel direkt den Krebs zu zerstören. Beide Therapien ergänzen sich dadurch.

"Wir wissen, dass insbesondere bei Brustkrebs schon bei einem frühen Zeitpunkt Metastasen auftreten können, das heißt der Tumor in den Rest des Körpers gewandert ist, und das kann man nicht mit einer Operation behandeln. Das kann man nicht mit einer Strahlentherapie behandeln, deswegen ist es sehr wichtig, dass man mit Medikamente, die im ganzen Körper wirken, die systemisch wirken, die Tumorzellen bekämpfen kann und deswegen ist es natürlich wichtig, wenn man Therapeutika in der Hand hat, die im ganzen Körper die Tumorzellen vernichten können." Prof. Peter Fasching, Universitätsklinik Erlangen, Mitinitiator der Studie
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Funktionsweise der Immuntherapie bei Krebs

Wie entsteht Brustkrebs?

Brustkrebs entsteht meist aus Zellen, die an der Funktion der Milchdrüsen beteiligt sind. In der Pubertät und Schwangerschaft treibt das Hormon Östrogen die Stammzellen in den Milchdrüsen an, sich zu vermehren. Bei Genmutationen können Krebsgene (Onkogene) dadurch ebenfalls aktiviert werden, um unkontrolliert zu wachsen. Krebs ist eine Krankheit der Gene. Gene kontrollieren die Aktivitäten unserer Zellen im Körper. Sind sie defekt, dann können sie den Zellen falsche Anweisungen geben. Zum einen können sie befehlen, dass Wachstumsgene aktiviert werden oder dass Kontrollgene abgeschaltet werden. Bei Krebs ist oft beides der Fall. Reagieren die Kontrollgene nicht mehr, dann können die Krebsgene wachsen.

2011 stellte der britische Krebsforscher Michael Stratton fest, dass mindestens fünf verschiedene Gene mutiert sein müssen, um ein Krebswachstum zu ermöglichen. Die Wissenschaft arbeitet daran die gefährlichen Genmutationen zu bestimmen. 570 solcher Krebsgene sind bereits bekannt.

Noch hat die Therapie starke Nebenwirkungen

Viele Patienten, die eine Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren durchführen lassen, leiden an starken Nebenwirkungen. Sie können alle Organe oder auch Gewebe betreffen. Am häufigsten sind die Haut, der Darm, die Lunge und Leber betroffen. Sie können schon ein paar Tage nach der ersten Infusion oder manchmal erst nach einem Jahr nach Ende der Behandlung auftreten. Die meisten Patientinnen klagten dabei über Hautsymptome wie Ausschlag oder Juckreiz, Durchfall und Funktionsstörungen der Schilddrüse.

Auch hier forscht die Universität Erlangen daran, wie diese Nebenwirkungen schneller und vor allem besser behandelt werden können.

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